Von Freunden und Wölfen
19.08.2010 | 17:54 Uhr 2010-08-19T17:54:00+0200
Kleve.Teddybär und Wolf – kann das gut gehen? Auf den ersten Blick ja: Die beiden sind gute Freunde, spielen und knuddeln miteinander.
Bis der Wolf sein wahres Ich offenbart, zudringlich wird, dem kleinen Teddy weh tut, ihn anfasst, bedroht und erpresst. Bis der Kleine sich anderen Bären anvertraut und der Wolf bestraft wird. Davon handelt das Kinderbuch „Ich dacht du bist mein Freund“ von Maria Wabbes. Das ist inzwischen Teil einer Ausstellung in der Stadtbücherei Kleve an der Wasserstraße, die sich mit sexuellem Missbrauch an Kindern beschäftigt.
„Eine gute
Hilfestellung“
Nicht erst durch die Vorfälle im Ferienlager auf Ameland ist Bücherei-Leiterin Magdalene Michels auf die Idee gekommen, sich in der Kinderbuch-Abteilung im Erdgeschoss dem heiklen Thema kindgerecht zu widmen. „Uns ist aufgefallen, dass einige neue Bücher auf dem Markt sind“, erklärt Michels, „da dies eine gute Hilfestellung für Eltern ist, haben wir sie angeschafft.“
Etwa 20 Bücher sind nun auf einem Tisch aufgebaut. Bilderbücher für die kleineren Leser, Jugendbücher, Selbsterfahrungsberichte und Ratgeber für Eltern. Nicht, um Ängste zu schüren. „Unser Anliegen ist es darauf hinzuweisen, dass es Bücher gibt, die helfen können, sexuellen Missbrauch zu verhindern.“
„Nein, mit Fremden geh ich nicht“ von Veronica Ferres zum Beispiel ist die bebilderte Geschichte eines Mädchens, das von einem Mann, mit der Lüge ein Tier gefunden zu haben, an ein Auto gelockt wird. Doch die Kleine wehrt sich, sie schreit und bekommt daher Hilfe von Passanten.
Welche Berührungen sind normal?
„So können Kinder sensibilisiert werden“, sagt Michels, „sie sollen lernen, Nein zu sagen und wissen, was sie nicht machen sollten.“ Aber auch, welche Berührungen und Gefühle normal sind und wie wichtig Streit sein kann.
Das kommt bei den Lesern an. „Ein wichtiges Thema“, sagt Simone Grein, Mutter zweier Töchter, „gerade nach den Vorfällen in den Ferienlagern ist es wichtig, dass Kinder wissen, wie sie sich verhalten sollen. Nie mit fremden Männern weg gehen und sich nicht ansprechen lassen.“ Bevor sie ihren Kindern die Bücher zum Lesen überlässt, würde die Mutter diese aber selbst erst lesen. „Genau so sollte es sein“, sagt Leiterin Michels, „es wäre schön, wenn die Eltern die Bücher entdecken und dann auswählen, welche für ihre Kinder geeignet sind.“ Darüber könnte man dann auch ins Gespräch finden und das heikle Thema ansprechen.
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