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Vom Pögsken zur Goldwurst

25.03.2010 | 17:06 Uhr
Vom Pögsken zur Goldwurst

Weeze. Dem landwirtschaftlichen Betrieb Petrusheim Weeze ist eine Metzgerei vor Ort angeschlossen. Sozusagen alles aus einer Hand. Hier werden Schweine und Bullen von Ferkel- und Kälbchenbeinen an großgezogen, gemästet und in der eigenen Metzgerei verarbeitet.

Outsourcing von Unternehmenszweigen, Spezialisierungen, Leistungssteigerungen, Senkung von Produktions- und Personalkosten.... das sind die Schlagwörter, die heutzutage moderne Unternehmen prägen. Es gibt nur noch ganz wenige Firmen, die alles aus einer Hand bieten. Im Bereich der zunehmend industriealisierten Fleischereien kaum noch. Doch ganz wenige Betriebe davon gibt’s doch noch. Darunter besonders hervorzuheben die Landwirtschaft mit angrenzendender Metzgerei des Petrusheims Weeze-Wemb. „Vom Pögsken bis zur Goldwurst“, wie Dieter Bergmann, Leiter des Petrusheims erklärte, also vom Ferkel bis zur prämierten Wurst wird hier alles noch in einem Unternehmen und an einem Ort bewerkstelligt.

Ausgezeichnet

Und das nicht nur mal eben so, sondern mit viel Liebe zum Handwerk, wie jetzt auch eine besondere Auszeichnung zeigte: Im Februar wurde das Team um Metzgermeister und Leiter der Petrusheimmetzgerei Karl Heinz Hellmans für ihre gute Ware mit sechs Preisen geehrt.

Der Meister Hellmans bei der Wurstherstellung. Fotos: Heinz Kunkel, WAZ FotoPool

Dreimal Gold und dreimal Silber gab’s für die Wurst aus Weeze. Verliehen von der Fleischerinnung NRW. Die entsprechende Auszeichnung können Kunden in der Metzgerei mitwochs und freitags von 7 bis 13 Uhr begutachten und die Preisträger -- in diesem Fall die Wurst – auch probieren und natürlich kaufen. 

Sechs Medaillen sind Grund genug für die NRZ, um sich auf dem weitläufigen Gelände des Petrusheims genauer umzusehen. Und der erste Blick in die Ställe zeigt bereits, dass hier keine Nummern in Industriehallen groß werden, sondern Tiere in Ställen aufgezogen werden.

Keine Namen

Allerdings tragen die wenigsten Namen. Denn Ferkel und Bullenkälber landen am Ende ihrer mehrmonatigen Mastzeit in der Petrusheim-Metzgerei oder bei Großhändlern. „Für unsere Produktion eignen sich allerdings nur die allerbesten Tiere“, betonte Hellmans. Soll heißen: Die dann zu beeindruckend mächtig großen Bullen herangereiften Fleckviehkälber und die rundesten, rosigsten Schweine. „Nur die Gilden, weibliche Tiere, sind für unsere Metzgerei bestimmt“, klärt Thomas Oeschger, Landwirtschaftsmeister und seit 26 Jahren im Petrusheim angestellt, auf. „Gilden haben das bessere Fleisch.“

Dass die Qualität des Fleisches der Petrusheim-Tiere so gut ist, liegt sicherlich auch am guten Futter. Es wird ebenfalls von den Feldern und Weiden des Petrusheims gewonnen und nicht zugekauft., abgesehen von Mineralien.

Viel Licht und Luft

Die Kälber wachsen in den Stallungen mit viel Luft, sprich offenen Stalltoren, auf. Die Schweine werden vom Hof des Nachbarbauern als Ferkel vom Petrusheim angekauft und erreichen ihr Endgewicht in Gruppen, die von Anfang bis zum Ende so zusammen bleiben. Ketten im Stall halten die Tiere nicht ruhig, sondern sollen ihnen Anreize zum Spielen geben. Ebenso der ein oder andere Holzklotz. „Wir versorgen die Metzgerei wöchentlich mit ungefähr einem Bullen und 12 Schweinen. Der Rest der Tiere wird an Händler verkauft“, erklärt Oeschger.

Per Kleinanhäger, dem "Schweinetaxi", treten die Schweine dann ihre letzte Reise von nur wenigen Metern zur Petrusheim-Metzgerei an, wo sie einen schnellen Tod sterben. Um dann letztlich als preisgekrönte Wurst oder saftiges Steak doch noch ein rühmliches Ende zu finden.

Wenig Bewohner

Übrigens: In der Landwirtschaft des Petrusheims arbeiten lediglich drei bis vier Bewohner des Petrusheims aktiv mit. „Wir versuchen immer wieder niederschwellige Angebote zu machen, um unsere eigenen Leute beschäftigen zu können, das aber ist schwer“, weiß Leiter Bergmann. Früher kamen ins Petrusheim Menschen, die als Berber durch die Lande zogen nachdem sie ein normales Leben geführt hatten. Es waren handwerklich geschickte Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hatte. „Sie konnten sich mit ihren berufichen Qualifikationen über Wasser halten“, weiß Bergmann. Das ist heute bei kaum einem Obdachlosen mehr der Fall. Den allermeisten fehlt diese Qualifikation bereits von Anfang an.

Das ist ein Grund, warum keine eigentlichen „Petrusheimer“ mehr die Landwirtschaft oder Metzgerei führen.

Infos zum Petrusheim gibt’s auch im Netz unter www.petrusheim.de

Anke Gellert-Helpenstein

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