Vom Kindergarten zur Alters-WG

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Bedburg-Hau..  74 Prozent mehr Menschen über 80 Jahre, dafür über 18 Prozent weniger Kindergartenkinder und fast 20 Prozent weniger junge Familien. Und das nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern schon in den nächsten 15 Jahren – das sind die nackten Zahlen. Vorgelegt haben sie Harald Schoelen und Christiane Goebel von der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach im Rahmen ihres demographischen Entwicklungskonzepts „Bedburg-Hau 2030“. Und zwar bereits im letzten Jahr. Ein hierzu geplanter Workshop für die Ratsmitglieder fiel aus. Eine Sitzung des Bedburg-Hauer Ausschusses für Gemeindeentwicklung und Ressourcenplanung mit Professor Schoelen dazu verlief wohl eher ergebnislos. „Dabei ist nicht viel herumgekommen“, so Georg Maes (FDP) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses am Mittwochabend.

Dabei sind einige Handlungsempfehlungen durchaus brisant. Die Autoren des Konzepts empfehlen beispielsweise, in Zukunft Kindergärten zu Alters-WGs umzubauen. Ferner erwarten sie, dass eine wachsende Zahl von Wohnungen und Einfamilienhäusern in Bedburg-Hau leer stehen wird. Was soll damit geschehen?

„Die sich forcierende Alterung der Gesellschaft ist damit vorrangiges Thema einer Gemeinschaft, so auch für Bedburg-Hau“, heißt es in dem 150-seitigen Konzept, das im Internet abrufbar ist.

Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Ressourcenplanung nimmt nun einen neuen Anlauf, mit dem Konzept umzugehen. „Viele Themen haben wir ja auch schon erledigt“, sagte Bürgermeister Peter Driessen in der Sitzung. Mehr Parkplätze zum Beispiel.

Andere Handlungsempfehlungen wiederum könne man nicht weiterverfolgen, etwa die Ansiedlung von Ärzten. „Vor 2022 werden wir keinen neuen Arzt hierher bekommen, denn wir haben sechs niedergelassene Ärzte hier“, so Driessen. Für weitere Mediziner gebe es keine kassenärztliche Zulassung.

Blieben laut Driessen immer noch geschätzte 75 Prozent, die abzuarbeiten seien. Alle sieben Ausschussmitglieder waren sich einig, dass diese Aufgabe nicht der Ausschuss allein bewerkstelligen sollte.

Bürger mitnehmen

Sofern nicht zu teuer, soll Harald Schoelen, einer der Autoren des Konzepts, als Moderator durch eine Sitzung führen, an der möglichst der gesamte Rat beteiligt ist. „Im zweiten Schritt sollten wir die Bürger mitnehmen“, betonte Manfred Opgenorth (CDU). Die Verwaltung hatte sich bereits zu dieser Sitzung eigentlich erhofft, dass die Parlamentarier „eine Positionierung zur Umsetzung“ vornähmen.

Die FDP beantragte in derselben Sitzung ein Fahrradkonzept, für das die Fraktionen gegenwärtige Schwachstellen der Fahrradwege zusammentragen sollen. Eine Entscheidung darüber wurde vertagt.