Vom Bett ins Internet

Im neuen Bettenhaus des St. Antonius-Hospitals. Dr. Peter Enders im hochtechnischen Infektions-Zimmer (für Patienten mit Risiko auf MRSA-Keime)
Im neuen Bettenhaus des St. Antonius-Hospitals. Dr. Peter Enders im hochtechnischen Infektions-Zimmer (für Patienten mit Risiko auf MRSA-Keime)
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Bettenhaus des St. Antonius-Hospitals Kleve setzt in „Funktionalität, Ausstattung und Gestaltung Maßstäbe in der Region“. Groß und farbig.

Kleve..  Mehr Platz für Patienten und Personal, hell, mehr Komfort, bessere Funktionalität, freundliche Farben. Das neue Bettenhaus im St.-Antonius-Hospial Kleve verbindet sich ab heute mit dem Altbautrakt. Am Montag werden die ersten Patienten aufgenommen, zunächst im halb-Intensivbereich „Intermediate Care“ (da ist auch Dialyse möglich), dann innerhalb von 14 Tagen im ganzen Haus.

„Kleve hatte den größten Nachholbedarf“ unter den Krankenhäusern im Verbund Karl-Leisner-Trägergesellschaft, sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Enders. Heute bietet’s den besten Standard. Als er vor neun jahren kam, war der „Investitionsstau“ erkennbar. Sechs Jahre währte der Prozess bis zur Entscheidung: nicht kernsanieren, sondern neu bauen – seit Oktober 2012. „Wir setzen mit Funktionalität, Ausstattung und Gestaltung Maßstäbe in der Region“, sagt Enders.

35 Millionen Euro

Die erste Hälfte ist nun fertig. Ein Schenkel des U-förmigen Gebäudes ist auf jeder Ebene mit dem Altbau verbunden, der ab Mai / Juni abgerissen wird. Der zweite Neubauabschnitt – für neue Zentrale Aufnahme, Chirurgische Ambulanz, Rettungswagenzufahrt – beginnt in zwei Monaten und soll Ende 2017 fertig sein. Insgesamt 35 Millionen Euro kostet es, beide Häuser mit 287 Betten in 103 Zimmern auf 14 000 Quadratmetern modern her zu richten – für alle erwachsenen Patienten (außer Intensiv- und Station Rochus).

Im türkisfarbenen Untergeschoss sind zwei riesige Räume durch Schiebetür verbunden: unreine und reine Bettenseite. Nicht mehr „in bisher logistischer Meisterleistung“ auf der Station (so Enders), sondern hier im Souterrain werden manchmal 60 bis 70 Betten am Tag gereinigt. Sogar Nassdesinfektion ist möglich, zeigt Technikleiter Rudolf Lehmann. Der Prosektur (Pathologie) schließt sich ein Verabschiedungsraum an, ein wandhohes Kreuz hinter einer Plexiglascheibe kann beleuchtet werden oder neutral verdeckt bleiben.

Jede der acht Stationen und ihre Patientenzimmern auf den fünf Etagen führt eine eigene Farbe – sie unterstütze nach psychosomatischen Studien den Heilungsprozess, so Enders. Grün für die Kardiologie, fördert Harmonie des Nervensystems. Kühles Blau der urologischen und chirurgischen Station wirke schmerzstillend. Weiches Rosa und rot präsentieren die Gynäkologie und Wahlleistungsbereiche (= früher Privatpatienten). Strahlendes Gelb der Inneren Medizin / Wahlleistungsbereiche stärkt Magen, Leber, Darm, Milz und Blase.

Die Zimmer messen 21,5 bis 32 Quadratmeter und bieten auch für Regelpatienten Hotelstandard mit Internet und Fernseher an jedem Bett, auch Sender ‘Sky’ ist zubuchbar, „was ja während der Championsleague nicht uninteressant ist,“ schmunzelt Enders. Schränke mit Schließfach trennen die Schlafnischen. Ein Lüftungssystem sorgt für Frischluft. Es werde kein „Krankenhausgeruch“ entstehen.

Alle Patientenzimmer haben den Blick in einen demnächst grünen Garten, die Diensträume liegen zum inneren Lichthof. Die 2,40 m breiten Flure bleiben frei, denn in speziellen Nischen laufen Arbeiten wie Essensversorgung, Wäsche, Apotheke. Alle Zimmer sind fürs Personal mit Rufanlagen verbunden. Die Pflegestützpunkte des Personals liegen in der Mitte der L-förmigen Stationen, zeigen die Pflegedienstleiterinnen Rosamaria Wittenhorst und Inge van Dülmen.

Mit spezieller Technik sind vier „Infektionszimmer“ ausgestattet: Schleuse für Patienten mit dem Risiko auf MRSA-Keime. Bei übergewichtigen Kranken ab 150 Kilo hilft im Adipositas-Zimmer eine Hebevorrichtung an der Decke dem Personal bei der Pflege, die Nasszelle ist extrabreit.

Mit Krankenkassen vereinbart sind 125 Euro Aufschlag pro Einzelzimmer und 65 € pro Zweibettzimmer „Wahlleistungen“ – was man früher „Privatpatient“ nannte.

13 Firmen waren in der Planung, 36 bei den Bauarbeiten beteiligt.