„Vieles ist nicht auflösbar“

Die kleine Dorfkirche St. Antonius Abbas in Hanselaer.
Die kleine Dorfkirche St. Antonius Abbas in Hanselaer.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der Kunsthistoriker Stephan Kuhn hat untersucht, ob die opulente Ausstattung der Kirche in Hanselaer im 16. Jahrhundert eigens für das Dorf geschaffen wurde

Kalkar-Hanselaer..  Die kleine Kirche in Hanselaer hat es Stephan Kuhn gleich beim ersten Besuch angetan. Noch während er Kunstgeschichte in Nimwegen studierte, stieß er durch Zufall auf dieses Kleinod. Eine derart reiche Innenausstattung mit Holzschnittkunst des Spätmittelalters findet man nicht alle Tage – die meisten Besucher sind bass erstaunt, wenn sie das idyllisch gelegene Kirchlein zum ersten Mal betreten.

Es gibt keine Quellen

„Für die Altäre in St. Nicolai Kalkar habe ich mich schon lange interessiert“, bekennt der Student aus Elten. Daher war rasch klar: Seine Bachelor-Arbeit wird von dem Hauptaltar der Kirche handeln. Sein Professor fand die Idee gut, und schon ging’s los. Die Frage, um die es Kuhn ging, lautet: Ist beispielsweise der kostbare Hochaltar im 16. Jahrhundert eigens für St. Antonius Abbas Hanselaer geschaffen worden oder hat man ihn später dort aufgestellt?

„Ich wollte nicht nur kunsthistorisch an die Sache herangehen, sondern breiter aufgestellt“, sagt Kuhn. Er las alles, was er auftreiben konnte – eine genaue Kirchenbeschreibung von Hans Peter Hilger aus dem Jahr 1971, Arbeiten von Friedrich Gorissen, Guido de Werd, Bücher über das Herzogtum Kleve, Kalkar im Mittelalter und den Status von Hanselaer. Originale Quellen, die irgendetwas über den Altar aussagen, hat man bislang ja nicht gefunden. Es gibt ohnehin kaum Überlieferungen, die 500 Jahre zurückreichen. Also muss man aus Indizien schlussfolgern. Kuhn: „Das ist gerade das Spannende an meinem Fach, dass vieles nicht auflösbar ist.“

So ist es auch hier. Kuhn hat ebenso gute Gründe für die Vermutung gefunden, dass die Einrichtungsgegenstände für Hanselaer geschaffen wurde, wie Gründe gegen diese Annahme. Genaue technische Untersuchungen zur niederrheinischen Plastik fehlen weitgehend. Zudem müsste man nach Kirchen im Umland suchen, die im 18. Jahrhundert eine barocke Ausstattung erhielten und das damals unmodern gewordene Interieur nach Hanselaer verkauft haben könnten. Kurzum: Vielleicht wird man die Frage nie lösen können.

Goldene Epoche der Schnitzmeister

Bei einem gut besuchten Vortrag im Rahmen des Mühlenstammtisches der Kalkarer Bruderschaften, Gilden und Vereine referierte Kuhn vor einigen Tagen seine Überlegungen. „Ich habe dort viele Tipps bekommen“, freut er sich. Inzwischen hat er sein Masterstudium in Mainz aufgenommen. Doch die goldene Epoche der Kalkarer Schnitzmeister lässt ihn nicht los. Ein Thema für die Masterarbeit? Gut möglich. „Mich interessiert, wie die Künstler das gemacht haben, mit welchen Werkzeugen und Materialen, ob allein oder in Werkstätten, und wer ihre Lehrlinge waren, falls es welche gab“, umreißt er eine mögliche Aufgabenstellung. Es gibt also noch viel zu entdecken. In drei Semestern wissen wir womöglich mehr.