Viele kommen zum Bummeln

Für eine "vitale Innenstadt" Kleve: v.l. Ute Schulze Heiming (Kleve Marketing), Dr. Joachim Rasch (Kleve Wirtschaftsförderer), Petra Hendricks (Kleve Marketing), Michael Rüscher (IHK-Geschäftsführer), der im September die Kampagne „Ich bin Heimat-Shopper“ startet, um Online-Sofa-Käufer in Läden zu locken
Für eine "vitale Innenstadt" Kleve: v.l. Ute Schulze Heiming (Kleve Marketing), Dr. Joachim Rasch (Kleve Wirtschaftsförderer), Petra Hendricks (Kleve Marketing), Michael Rüscher (IHK-Geschäftsführer), der im September die Kampagne „Ich bin Heimat-Shopper“ startet, um Online-Sofa-Käufer in Läden zu locken
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Erkenntnis nach Umfrage unter 500 Kunden in Kleve: Der Wohlfühlcharakter unterhalb der Schwanenburg muss gestärkt werden

Kleve..  Bundesweit wurden zeitgleich Kunden in 62 Innenstädten mit dem gleichen Fragebogen über ihr Kaufverhalten und Wünsche an eine „vitale Innenstadt“ ausgefragt. Auch 500 Kleve-Besucher nahmen sich im September 2014 die zehn Minuten Zeit und antworteten. Jetzt ist es ausgewertet. Erkenntnis: Zwar kommen 70 Prozent der Menschen gezielt zum Einkaufen, aber 30 Prozent auch, um ihre Freizeit dort zu verbringen, zu bummeln. „Das ist ein Auftrag an uns“, die Stadt als Aufenthaltsort zu stärken, sagt Stadtmarketingchefin Ute Schulze-Heiming. Den parallel wird der „Erlebnischarakter“ nicht so gut bewertet. Vielleicht könne man Ladenleerstände als Treffpunkt für ältere Alleinstehende füllen – so wie es früher Tanzcafés in Innenstädten gab, zitiert Schulze-Heiming Ideen der IHK Bochum. Es müssten sich auch die Händler engagieren, um den „Wohlfühlcharakter unterhalb der Schwanenburg zu stärken“, so Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch. Das müsse nicht immer viel kosten, ist Schulze-Heiming überzeugt. Als Beispiel nennt sie ‘Designermoden Meyer-Potz’, die vor ihrer Tür Vogelgezwitscher (vom Band) ertönen lassen „und die Passanten lächeln und haben Blümchen im Kopf“. Stadt und Politik hätten mit der Gestaltungssatzung die Anfänge gemacht, das Stadtbild aufzuräumen.

46,2 % der Kleve-Kunden kommen von außerhalb (etwas überm Durchschnitt aller mitmachenden Städte). Das sei für Investoren attraktiv. Kaufverhalten: 41 % Kunden gehen in Kleve in drei bis fünf Geschäfte, 12 % in mehr als sechs (doppelt so viele wie anderswo). „Das finde ich ambitioniert“, staunt Ute Schulze-Heiming. Meist werden zwischen EOC und Herzogbrücke Lebensmittel gekauft (50 %), wozu auch Teeladen, Weinhandlung, Bäckerei zählen. 42 % kaufen Mode (Durchschnitt der Mitmachstädte: 30 %). Die meisten Kunden bleiben 30 bis 60 Minuten in der Innenstadt. Der überwiegende Teil kommt regelmäßig, aber in größeren zeitlichen Abständen nach Kleve. 16 Prozent kommen aus den Niederlanden. „Der Grund, warum Händler Angst vor der Maut haben“, sagt Rasch.

Das Alter der Kunden ist durchschnittlich: 12 Prozent Unter-20-Jährige, 10 Prozent bis 25 Jahre, 17 % bis 40 Jahre, 15 % bis 50 Jahre, 25 % bis 65 und 18 % älter. Schulze-Heiming weiß: Gewünscht wird mehr Mode für sehr junge Jugendliche und mehr Deko-Artikel (Schulze-Heiming: „Stehrümchen“).

60 Prozent Kunden kommen mit dem Auto, 14 % per Fahrrad in die City. Sie loben ausdrücklich Sauberkeit und Ordnung in Kleve. Die Zukunft gehöre Händlern, die zweigleisig online und im Laden ihre Waren anbieten.