Viel Kohle und wenig Schlaf

Wilhelm Papen und Herbert Nowak beim Aufschichten des Meilers.
Wilhelm Papen und Herbert Nowak beim Aufschichten des Meilers.
Foto: NRZ
Köhlergemeinschaft Reichswalde mit Willi Papen und Herbert Nowak lädt wieder zum urigen Meilerfest ein. Vom 23. Mai bis zum 7. Juni dreht sich alles um Kohle

Kleve-Reichswalde..  Was hat das alte Handwerk der Köhlerei mit dem Vatikan gemeinsam? Den weißen Rauch, denn dann ist alles gut. Zwar wird bei Wilhelm Papen (54 Jahre) und Herbert Nowak (62) kein Papst gewählt, aber weißer Rauch bedeutet auch im Krähennest 12 in Reichwalde nur Gutes. Bedeutet er doch, wenn er aus dem Meiler der Köhlergemeinschaft Reichswalde aufsteigt, dass im Innern des „Hügels“ alles mit rechten Dingen zugeht. Sprich: Das Buchenholz verschwelt und brennt nicht einfach ab. „Dann hätten wir stahlblauen Rauch, der deutet auf Verbrennung hin“, wissen die beiden letzten ihrer Zunft, das Köhler-Duo Papen und Nowak.

In dieser Woche haben sie den Meiler aufgeschichtet, der zur Eröffnung des Meilerfestes (vom 23. Mai bis zum 7. Juni ) angezündet wird. Nach fünf bis sieben Tagen ist der aus 40 Raummetern Buchenholz bestehende Meiler, der mit Erde abgedeckt wurde, vollständig verschwelt und die Kohle darin kann „geerntet“ werden.

Seit 1992 (damals zur 750-Jahr-Feier von Kleve) kümmern sich der Tischler Willi Papen und der Forstwirt im Ruhestand, Herbert Nowak, ehrenamtlich in der Köhlergemeinschaft Reichswalde um den Fortbestand des uralten Handwerks. Anfangs jährlich, mittlerweile alle zwei Jahre demonstrieren sie beim Meilerfest wie die Herstellung von bester Holzkohle im Meiler funktioniert.

„Die Leute reißen sich um diese Holzkohle, schon jetzt können wir keine Vorbestellungen mehr annehmen“, berichtet Papen. Die Kohle ist zwar teurer als die gemeine Discounter-Kohle, aber auch ungleich besser. „Wer damit grillt, kann die Reste nach dem Grillen kurz ablöschen, trocknen lassen und wieder verwerten,“ erklärt Nowak. Ab Samstag, 23. Mai, schieben die beiden Männer 24-Stunden-Schichten, um den dann schwelenden Meiler stets im Auge zu haben. Eine anstrengende Zeit, denn „Wer Wache hat, der schläft nicht“, so Nowak. Ein kleiner Holzwagen – im Schatten des Meilers – mit Ofen, Tisch, Stuhl und Bett dient als Unterkunft.

Zum Meilerfest, das am Samstag, 23. Mai, 14 Uhr, vom Schirmherrn, Bürgermeister Theo Brauer, eröffnet wird, sind alle Interessierten willkommen. Täglich gibt’s dann Aktion auf dem Köhlerplatz. Bis zum 7. Juni. So z.B. am Pfingstmontag: Waldmeile-Fest ab 15 Uhr; Freitag, 29. Mai, ab 19 Uhr „Köhlerleuchten“ mit DJ Frank Gerritzen; Sonntag, 31. Mai, ab 11 Uhr Kinder- und Familientag mit Greifvogelschau. Die beiden Köhler freuen sich, wenn sie ihr altes Handwerk erklären und demonstrieren können.