Verärgerung über den Mindestlohn

Im Wunderland Kalkar traf sich die Politik zum Dehoga-Neujahrsempfang.
Im Wunderland Kalkar traf sich die Politik zum Dehoga-Neujahrsempfang.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Hotel- und Gaststättenbranche stört sich weniger an den 8,50 Euro, sondern vor allem an dem großen bürokratischen Aufwand der Arbeitszeiterfassung

Kalkar..  Die 8,50 Euro seien nicht das Problem: „Das Problem ist das Bürokratiemonster, das jetzt geschaffen wurde“, ärgert sich Thomas Kolaric vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Die Einführung des Mindestlohns war das bestimmende Thema auf dem Dehoga-Neujahrsempfang im Wunderland Kalkar. Kaum eine andere Branche bekommt die Auswirkungen des neuen Gesetzes so stark zu spüren wie die Besitzer von Kneipen und Gastronomien.

„Die Aufzeichnungspflicht der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit ist mit der Praxis kaum vereinbar“, sagt Geschäftsführer Thomas Kolaric. Jeder Betrieb muss seit dem 1. Januar genau festhalten, wann sein Mitarbeiter angefangen hat, wann er pausiert und wann er seinen Dienst beendet. „Für unsere Branche ist das absolut unüblich.“ Und sei auch nicht sehr arbeitnehmerfreundlich. Denn: „Viele Mitarbeiter wollen auch gar keine Pause machen und dafür lieber eine halbe Stunde früher Feierabend haben“, so Kolaric.

Ein anderes Problem erkennt Flughafen-Chef Ludger van Bebber, der auch einen großen gastronomischen Bereich zu verantworten hat: „Eine Aushilfskraft bekommt nun 8,50 Euro netto. Ein gelernter Koch, der 11,50 Euro bekommt, verdient netto künftig genauso viel. Die Verdienstspanne zwischen Aushilfen und Fachkräften wird gestört“, so van Bebber. Letztlich müsse man auch die Gehälter der Fachkräfte anheben, um das Lohngefüge im Betrieb anzupassen.

Christel Schiffer, stellvertretende Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes, geht davon aus, dass die Preise in der Gastronomie und Hotelerie steigen werden. Ein Kollege aus Kevelaer habe bereits angekündigt, dass die Tasse Kaffee künftig nicht mehr 1,90 Euro sondern 2,10 Euro kosten wird. Und der Kuchen wird von 2,80 Euro auf 3,20 Euro steigen. Welche Auswirkungen dies haben wird, werde sich nun zeigen. Die Branche geht davon aus, dass künftig viele Kunden fernbleiben.

Wunderland muss die Preis erhöhen

Han Groot-Obbink, Geschäftsführer des Wunderlandes Kalkar, sieht für die Sommermonate ein großes Problem auf sich zukommen. Im vergangenen Jahr benötigte er für die Sommerzeit 600 Aushilfen, meist Studenten und Schüler. In diesem Jahr werde er weniger mit Aushilfen arbeiten können und müsse mehr befristete Arbeitsverträge anbieten: „Viele Aushilfen wollen das aber gar nicht, weil sie keinen richtigen Arbeitsvertrag haben wollen.“ Groot-Obbink kündigt bereits an, dass man die Preise im Wunderland erhöhen müsse.

Günther Bergmann (CDU) ist mit der Umsetzung des Mindestlohnes auch nicht zufrieden: „Die Umsetzung wird in vielen Bereichen zu Problemen führen. In der Praxis wird es noch an vielen Stellen zwicken“, so der Abgeordnete