Veränderung ist spannend

Wim Abbing ist Vorstandsvorsitzender Unternehmerverbandsgruppe und Geschäftsführer von Probat.
Wim Abbing ist Vorstandsvorsitzender Unternehmerverbandsgruppe und Geschäftsführer von Probat.
Foto: Probat
Was wir bereits wissen
Wim Abbing wohnt in Bedburg-Hau und leitet das Unternehmen Probat. Er bringt Kaffeeröstmaschinen und Know-how übers Kaffeetrinken rund um den Erdball

Kreis Kleve..  „Wir sind Marktführer, nicht, weil wir die größten sind, sondern weil wir den Markt führen“, sagt Wim Abbing. Zu Hause ist er in Bedburg-Hau, unterwegs ist er weltweit: in Brasilien, Indien, Amerika, Japan, China, Australien, Europa, um Trends beim Kaffeetrinken und -rösten zu beobachten, von Filterkaffee über löslichen Extrakt zu Pads und Kapseln. Wim Abbing ist Geschäftsführer der Probat-Werke von Gimborn Maschinenfabrik in Emmerich. Maschinen zur Kaffee-, zur Kakao- und zur Schokoladenproduktion gehen von hier hinaus in die Welt.

Trends im Kaffeemarkt

„Ich hasse es, am Schreibtisch zu sitzen“, gesteht Wim Abbing. Ihn langweilt das operative Geschäft — auch wenn es sein muss. „Was mich antreibt, ist die Veränderung. Das ist spannend“, sagt der 48-Jährige, der zudem als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Unternehmerverbandsgruppe sechs Unternehmerverbände mit rund 700 Mitgliedern bundesweit vertritt.

Wim Abbing liebt es, zu reisen. Aber erst seit fünf Jahren ist er richtig unterwegs. Denn wichtig ist dem Manager: „Ich habe meine Kinder aufwachsen sehen“, alle vier. Zwischen 15 und 20 Jahren sind sie nun alt, der Älteste pflückt gerade für ein paar Wochen bei der Kaffee-Ernte in Uganda und Kenia mit.

Im Familienbetrieb Probat geht es nicht direkt um Bohnen, „es geht um Kunden“, sagt Vater Wim Abbing. Ihn fasziniert der Kontakt zu Menschen, besonders in anderen Kulturen. „Ich gehe mit super offenen Augen durch die Welt". Und nutzt das beruflich: „Ich versuche, alles auf uns zu spiegeln.“

Markt, Produkt, Organisation. „Ich bin ein strategisch denkender Mensch“, sagt Abbing, der Volkswirtschaft studierte, dann im Controling der Landesbank tätig war und mit 35 Jahren Geschäftsführer bei Probat wurde. Heute beobachtet er die Trends von Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato. In Deutschland, Land der Kaffeenasen (nach USA und Brasilien an dritter Stelle beim Verbrauch) wird Kaffee ab 50 Gramm vakuum verpackt oder in bunten Kapseln, Pads und zunehmend wieder als ganze Bohne verkauft – für die Kaffeevollautomaten in europäischen Küchen. In Japan dagegen kauft man das fertige schwarze Heißgetränk in der Dose – und Coca-Cola in Tetrapaks.

Biologisch-abbaubare Kapseln

Die Verpackungsgrößen und Arten der Kaffeezubereitung haben Einfluss auf das Mahlen und den Röstprozess. „Wir Maschinenbauer müssen die Notwendigkeiten erfüllen, nach vorn denken.“ Abbing jettet und bringt Informationen um den Erdball und in den Kreis Kleve zurück. „In den 50er Jahren war Japan wie China heute,“ macht es also Sinn, die asiatischen Kunden zu verbinden? (übrigens trinkt man nur in Chinas Metropole Shanghai Kaffee, auf dem Lande Tee). Brasilien hat mit Kapseln nicht viel am Hut. Dagegen gab es zwar früher in Nordamerika in 90 Prozent aller Haushalte Kaffeemaschinen, heute nur noch in 53 Prozent, der Rest hantiert mit Kapseln. Und Probat reagiert auf diese Entwicklung.

Auch auf die Umweltschutzanstrengungen in Kalifornien und Washington. Denn dort sind Plastiktüten verboten. „Dort bringen wir die ersten biologisch-abbaubaren Kaffee-Kapseln auf den Markt“, kündigt Wim Abbing an. Denn Kapseln als solche werden in der privaten Kaffeezubereitung nicht mehr verschwinden, ist der Manager überzeugt.

750 Mitarbeiter hat Probat weltweit, 420 in Emmerich. Die Mindestlohndebatte trifft Probat mit seinen hoch qualifizierten Mitarbeitern „in keinster Weise".

Was einen guten Manager ausmacht? Wim Abbing sagt: „Die große Linie sehen, strukturell denken, mit Empathie auf andere einstellen können. Sich nicht zu wichtig nehmen, aber doch geht mich alles etwas an. Ich hebe Müll auf, der auf dem Boden liegt.“

Nachdenken im Flugzeug

Zum Nachdenken kommt der Manager unterwegs. „Ich reise am liebsten allein“. Manche Reisen sind furchtbar zeitaufwändig, für ein Kundengespräch von drei, vier Stunden Dauer ist er zwei bis drei Tage unterwegs. Muss er in der Fremde Sachen essen, die er ekelig findet? „Das hatte ich zuletzt vor zehn Jahren getan. Heute stehe ich auf und gehe, bevor ich mich verbiegen müsste. Es hat mit Gastfreundschaft zu tun. Natürlich vermeide ich Fehler, etwa in Indien mit der linken Hand zu essen. Ich verneige mich in Japan, aber wenn die Japaner herkommen, geben sie mir die Hand. Das zeugt von Verständnis für einander.“ Allerdings schlecht schmeckenden Kaffee, den hat er überall schon mal trinken müssen.