Vater als Fulltime-Job

Einer der zwei Tagesväter in der Stadt Kleve: Tino Blenckers mit Sohn Tim. Der Tagesvater war nach seinem Start sofort ausgebucht.
Einer der zwei Tagesväter in der Stadt Kleve: Tino Blenckers mit Sohn Tim. Der Tagesvater war nach seinem Start sofort ausgebucht.
Foto: Karolina Warkentin
Was wir bereits wissen
Tino Blenckers ist Tagesvater und kümmert sich neben seinen eigenen Kindern um vier weitere. Einst wollte er Kfz-Mechaniker werden. Jetzt will er nie mehr wechseln

Kleve..  Von außen wirkt das weiße Haus am Mittelweg unscheinbar. Doch im Inneren geht es hoch her. Kinder lachen und schreien, krabbeln durch die Gegend und spielen mit Bauklötzen. Und mittendrin ist Tino Blenckers. Er ist selbstständiger Tagesvater und kümmert sich um vier Kinder im Alter von einem bis drei Jahren.

Das gesamte Untergeschoss des Hauses ist ein Kinderparadies. Aus einem der Räume hat er ein Spielzimmer, mit allem was das Kinderherz begehrt, gemacht: Kinderküche, Bällebad, Spielteppich, Bücher, Bauklötze, Lernspiele, Puzzel und und und. Von der Decke strahlt ein selbst gemalter Himmel mit lauter weißen Cumuluswolken. Auf eine andere Wand ist ein bunter Regenbogen und eine grüne Wiese gepinselt.

Wie Blenckers Tagesvater wurde

Tino Blenckers sitzt im Schneidersitz auf dem Spielteppich, seinen Sohn Tim hat er auf dem Schoß. Er und Mara spielen mit der Ringpyramide. Anna und Sigelinde wühlen in einer Kiste mit Bauklötzen und stecken diese zusammen. „Am liebsten würde ich bis zur Rente nichts anderes machen. So viel Spaß macht mir die Arbeit mit Kindern“, sagt der Tagesvater.

Mit Kindern hatte der 36-Jährige immer schon zu tun, hat gebabysittet und sich um Kinder in der Familie gekümmert. Die Arbeit mit Kindern zum Beruf zu machen, daran hat er nach der Schule nicht gedacht. „Eigentlich wollte ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machen. Doch ich habe keine Lehrstelle gefunden“, sagt der heutige Tagesvater. Von einer Bekannten erfuhr er von dem Job als Tagesmutter. „Ich war sofort begeistert und dachte, das probierst du mal.“ Daraufhin absolvierte Tino Blenckers eine Weiterbildung zur „qualifizierten Kindertagespflegeperson“ an der VHS Kleve. Darin beschäftigte er sich mit Gesundheit und Ernährung, der Entwicklungspsychologie im Kindesalter, der kreativen Freizeitgestaltung und zahlreichen anderen Themen rund um die Tagespflege. Eine Erste-Hilfe-Schulung speziell für Kleinkinder war auch Teil der Weiterbildung. Mit dem erworbenen Zertifikat konnte Blenckers in den Job starten. „In Nullkommanichts waren all meine freien Plätze belegt“, erinnert er sich.

Ressentiments gegen einen Tagesvater erlebt Tino Blenckers selten: „Diejenigen, die sich trauen zu mir zu kommen, sind offen. Bis jetzt hat noch keiner nein gesagt.“ Eine gute Beziehung zu Eltern und Kind ist dem zweifachen Vater sehr wichtig. Bevor er ein Kind aufnimmt, führt er ein längeres Gespräch mit den Eltern. „Ich möchte den Eltern ein gutes Gefühl geben und ihnen vermitteln, dass sie ihr Kind bedenkenlos bei mir lassen können.“ Im Gespräch lernen sich beide Parteien kennen und Blenckers erfährt von den Macken und Eigenheiten des Schützlings. Im Anschluss folgt zwei- bis vierwöchige Eingewöhnungsphase.

Vertrauen schaffen

Zu Beginn sind die Eltern noch die ganze Zeit dabei, doch Stück für Stück ziehen sie sich zurück, erst nur für ein paar Minuten, dann für zwei oder drei Stunden und letztlich für den ganzen Tag. „Ich kann mich nur um die Kinder kümmern, wenn Sie mich als Bezugsperson akzeptieren.“ Bei den vier Kindern, die er betreut, hat das gut geklappt. Fröhlich toben sie mit ihm rum, suchen ihn, sobald er den Raum verlässt oder kommen angelaufen, wenn sie gestürzt sind. Er verbringt viel Zeit mit den Kindern. Die Eltern der kleinen Anna arbeiten beide in Schichtarbeit. Sie verbringt 30 Stunden in der Woche bei Blenckers. Nach so viel gemeinsamer Zeit falle der Abschied schwer.

Von seinem Umfeld wird der Tagesvater unterstützt. „Meine Schwiegermutter hat mir dabei geholfen das Spielzimmer einzurichten und die Nachbarn bringen auch mal Spielzeug vorbei.“ Einen anderen Job machen? Das könne er sich nicht mehr vorstellen.