„Unser Feind ist das Smartphone“

Thomas Dieckmann ist Leiter der Kreismusikschule Kleve.
Thomas Dieckmann ist Leiter der Kreismusikschule Kleve.
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Was wir bereits wissen
Thomas Dieckmann ist seit dreizehn Jahren Leiter der Kreismusikschule Kleve

Kleve..  Heute zählt ja oft nur noch, was wirtschaftskompatibel ist. Man müsste einen Artikel über die Kreismusikschule Kleve also eigentlich damit beginnen, dass sie von der schieren Größe her einem mittelständischen Unternehmen ähnelt. Über 2000 Schüler. 70 Lehrer. Man könnte vom Markt der Musikausbildung reden und käme zu der Schlussfolgerung, dass die Musikschule unangefochtener Platzhirsch in der Region ist.

Aber Instrumentalunterricht bereichert ja eigentlich denjenigen, der das Instrument erlernt. Möglichkeiten dazu bietet die Kreismusikschule in Hülle und Fülle. „Was mir so gut gefällt, ist die Vielfältigkeit unseres Angebots“, sagt Musikschulleiter Thomas Dieckmann. „Manchmal fahre ich am Wochenende durch den Kreis und habe drei Veranstaltungen - zum Beispiel eine Matinee mit Schülern des Forums junger Talente in Kleve, nachmittags Keyboardspektakel in Emmerich und danach einen Musical-Abend in Geldern.“ Vom Musikgarten für Babys bis zum Unterricht für Senioren ist jedes Alter und jede Zielgruppe abgedeckt.

Ein Rheinländer

Dieckmann ist seit 2002 in Kleve. Vorher war er Musikschulleiter am Bodensee und in Hessen. Geboren ist er in Düsseldorf, aufgewachsen in Neuss. Ein Rheinländer also, der ordentlich herumgekommen ist in der Welt. Ein Jahr hat er in den USA verbracht, gleich nach dem Gitarrenstudium am Robert-Schumann-Institut in Düsseldorf. „Ich hatte die Nase voll von Schulen“, bekennt er.

In den Vereinigten Staaten war er dann als Musiker unterwegs. Gut funktioniert habe das, erinnert er sich. Erst in den vergangenen Weihnachtsferien, also dreißig Jahre später, war er wieder auf der anderen Seite des Atlantiks. Sein Resümee: „Das Land hat sich verändert. Ich mich aber auch.“

Die Vergangenheit zu verklären, ist nicht sein Ding. An seine Schulzeit im Kloster Kechtsteden der 60er, 70er Jahre erinnert er sich nicht so gern: „Ein idyllischer Ort, im Wald gelegen, für Erwachsene sehr schön - aber nicht für pubertierende Jugendliche.“ Und auch die Frage, ob in der Musikschulwelt vor 20 Jahren noch alles in Ordnung gewesen sei, verneint er. Immer gab es irgendwelche Probleme, immer klamme öffentliche Kassen. Vielerorts habe damals die Existenz von Musikschulen zur Debatte gestanden. Heute ist zumindest das keine Frage mehr.

Damit das so bleibt, muss sich das Angebot fortlaufend anpassen. Nicht nur an Ganztagsschulen und G8-Stundenpläne. Sondern auch an veränderte Bedürfnisse der Schüler. Die musikalische Grundausbildung etwa, die noch im letzten Jahrzehnt bis zu 800 Kinder jährlich an die Musik heranführte, ist eingestellt. Stattdessen gibt es Schulkooperationen mit JeKi (Jedem Kind ein Instrument), die MusiKids und einen stark ausgeweiteten Tanzbereich.

„Positiv ist, dass trotz des veränderten Freizeitverhaltens immer noch viele Kinder und Jugendliche aktiv musizieren möchten“, stellt Dieckmann fest. Sie lernen, dass man nur mit Disziplin und Üben zum Erfolg kommt. Dieckmann: „Irgendwann führt das Musizieren dann zu einer Stufe des Erlebnisses, die ganz tief rührt.“ Dieser Prozess ist so ziemlich das Gegenteil der digitalen Welt mit ihren Verheißungen vom Erlebnis auf Knopfdruck. „Unser Feind ist das Smartphone“, sagt Dieckmann daher. „Ein Instrument zu lernen, wird auch in 100 Jahren nicht einfacher werden.“ Immer wieder neue Wege zu finden, um junge Menschen fürs Musikmachen zu begeistern - das ist seine Aufgabe.