Umsatzeinbußen durch die neuen Parkgebühren in Goch

Wenig los auf dem Parkstreifen Hinter der Mauer an einem normalen Werktag.
Wenig los auf dem Parkstreifen Hinter der Mauer an einem normalen Werktag.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die neuen Gocher Parkgebühren bescheren dem Bastel-Zentrum Goch Umsatzeinbußen von 20 Prozent. Auch andere Geschäftsleute unzufrieden. Autofahrer suchen sich Stellplätze in Nebenstraßen

Goch..  Gähnende Leere herrscht auf dem Parkstreifen der Straße Hinter der Mauer. Nur der Parkautomat leistet dem einsam dort abgestellten Auto hier Gesellschaft. Ähnlich sieht es morgens gegen 11 Uhr auf dem Parkdeck Hinterm Engel aus. Nur wenige Fahrzeuge stehen hier. „So geht das, seit die Stadt am 1. Mai überall in der Innenstadt Parkautomaten aufgestellt hat,“ sagt Ina-Marie Carreira. Ihre Eltern sind Inhaber des vor fünf Jahren eröffneten Bastel-Zentrums Hinterm Engel – und alles anders als begeistert von der neuen Regelung.

„Bisher“, klagt Romed Carreira, „konnten unsere Kunden kostenlos, teils auch unbegrenzt auf dem Parkdeck und im Parkhaus stehen.“ Auch die Lehrer der nahe gelegenen Schulen hätten hier geparkt. „Wer zu uns kam, hatte Zeit, sich in Ruhe umzusehen“, so Carreira. Das sei jetzt vorbei. „Unsere Kunden kommen nur noch ganz gezielt, den gemütlichen Bummel durch den Laden oder Laufkundschaft gibt es nicht mehr.“

Für das Bastel-Zentrum bedeutet das nach gut drei Wochen mit der neuen Parkregelung Umsatzeinbußen von 20 Prozent. Und: „Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang“, glaubt Carreira. „Dabei liegt unser Geschäft eigentlich günstig und innenstadtnah, genügend Parkplätze in der Nähe gibt es auch.“ Allein, es nutzt sie kaum jemand. Der Geschäftsinhaber reagiert mit Sarkasmus auf die neue Situation. Im Schaufenster informiert er über den „Klugen Schachzug der Stadt, uns durch die Parkgebühr 20 % mehr Zeit zu verschaffen“. Gleichzeitig weist der Aushang allerdings darauf hin, dass das Ladenlokal in Kürze wegen Umbaus schließen wird. „Wir verkleinern unsere Geschäftsfläche um gut 100 Quadratmeter auf dann noch 380.“ Auch die geplante Einstellung eines weiteren Mitarbeiters werde verschoben.

„Es geht nicht nur uns so“, berichtet Ina-Marie Carreira, „andere Geschäfte ziehen sogar um, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können, weil die Laufkundschaft fehlt.“ Hinter vorgehaltener Hand, bestätigt ihr Vater, beklagen sich viele Geschäftsleute über die Parkregelung. „Das wird sich für die Stadt nicht rechnen“, sieht Carreira.

Enttäuscht ist er von der Gocher Politik. „Goch interessiert sich nicht für die Einzelhändler,“ beklagt er. Dabei wolle man doch besonders kundenfreundlich sein. „Stattdessen stehen jetzt 55 Parkautomaten überall in der Stadt und machen ein entspanntes Einkaufen unmöglich – und teuer.“ Man sei hier schließlich nicht in Köln, nicht mal in Kleve, wohin nach seinen Informationen inzwischen viele Kunden ausweichen.

Weiterer Effekt der Parkgebühren sei im übrigen, dass Autofahrer in Nebenstraßen ausweichen, um unbegrenzt parken zu können oder die Parkplätze von Kaufland, Aldi oder Netto aufsuchen.