Umbruch in der Millinger Waard

Die Millinger Waard wird zurzeit gehörig umgekrempelt. Bagger graben in der Nähe des Dörfchens Kekerdom ein neues Flussbett.
Die Millinger Waard wird zurzeit gehörig umgekrempelt. Bagger graben in der Nähe des Dörfchens Kekerdom ein neues Flussbett.
Foto: NRZ
Das idyllische Refugium für Tier und Mensch wird gerade gänzlich umgekrempelt. Zahlreiche Bagger schaffen neue Seitenarme für die Waal

Kekerdom..  Die schönen Spaziergänge in der „Millinger Waard“ sind erst einmal vorbei. Auf dem Weg zwischen der Kirche von Kekerdom und dem beliebten Ausflugsziel „Millinger Theetuin“ graben sich die Bagger immer tiefer in das einst so streng geschützte Naturschutzgebiet.

Zwanzig Jahre lang haben die Niederländer die „Millinger Waard“ als das Paradebeispiel für die Schaffung neuer Naturschutzgebiete hochgehalten. Jetzt wird der idyllische Rheinbogen gänzlich neu gestaltet. Nichts bleibt mehr, wie es ist.

Mehr Raum für die Waal

Die Bagger und schweren Laster sind schon seit einer ganzen Weile in der „Millinger Waard“ unterwegs. Entlang des Rheins bei Millingen führen sie enorme Mengen Sand und Lehm ab, um nach und nach das alte Netz der Rheinarme wieder entstehen zu lassen.

Spätestens im Sommer werden die Fahrradtouristen, die so gerne den Weg über den Rheindeich von Kleve nach Kekerdom fahren, nicht mehr so ohne weiteres zu den Theetuinen gelangen. „Der Weg wird weggebaggert und es entsteht ein 90 Meter breites Flussbett“, erzählt Johan Bekhuis von der Naturschutzorganisation Ark. Er hat über 20 Jahre lang das Naturschutzgebiet betreut – jetzt hat hier die Wasserbaubehörde Rijkswaterstaat das Sagen.

Die Pläne liegen bereits seit Beginn der 90er Jahre in den Schubladen, seit Mitte 2013 werden sie peu à peu umgesetzt. Die Arbeiten sollen dazu beitragen, dass die Waal wieder mehr Möglichkeiten bekommt, sich bei Hochwasser auszubreiten. Die neuen Pläne sehen vor, dass die jetzt entstehenden Flussarme in der Ward künftig mit der Waal verbunden werden — unterhalb der Kirche von Kekerdom. Der Hochwasserspiegel soll durch die Maßnahme um neun Zentimeter gesenkt werden: „Davon profitieren übrigens auch die Oberlieger. Denn durch die schnellere Abfuhr des Wassers, wird auch ein Spitzenhochwasser bei Kleve etwas niedriger ausfallen“, so Bekhuis.

Als langjähriger Gebietsbetreuer blutet Bekhuis ein wenig das Herz. „Aber wir leben nun mal in einem kleinen Land mit vielen Menschen, da ist der Hochwasserschutz nun einmal wichtiger, als der Naturschutz“, sagt er. Einige Tiere werde es künftig schwerer haben. Denn durch die größeren Wasserflächen, wird das Nahrungsangebot für Galloway-Rinder und Konik-Pferde kleiner. Wasserliebende Tiere wie der Biber oder verschiedene Vogelarten werden von der Maßnahme profitieren, so Bekhuis. „Die Natur wird sich schon erholen.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE