Triumph der Klischees

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Kleve..  Die diesjährige Mittwochsakademie der Hochschule Rhein-Waal befasst sich mit Gleichstellungspolitik und Genderforschung. Zum Auftakt war NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) nach Kleve gekommen, um die Problematik der frühen Rollenerziehung für die geschlechtsspezifische berufliche und familiäre Zukunft von Frauen und Männern zu beleuchten. Nicht ganz 50 Besucher hörten ihr dabei im Audimax zu.

Bildungsverläufe

Die Ministerin, früher selber Lehrerin, skizzierte typisierte Bildungsverläufe von Jungen und Mädchen. Angefangen bei den Schulranzen - mit Abbildungen von Ninja-Schwertern und Autos bei den Jungen, Einhörnern bei den Mädchen.

„Die Klischees treffen oft zu“, sagte sie. „Und leider hat das allzu oft Auswirkungen auf die Lebenswege der Kinder.“ Denn um den Kontakt zur Mädchengruppe nicht zu verlieren, verzichteten Mädchen häufig auf mathematisch-naturwissenschaftliche Wahlfächer, zudem glaubten sie, in solchen Fächern schlechter zu sein als Jungen - was gar nicht stimmt.

„Die Verantwortung der Schule für Jungen und Mädchen geht weit über die Schulzeit hinaus“, befand Löhrmann. Bei der Wahl des Studienfachs und des Berufs sowie den Auswirkungen auf die Karriereplanung seien die frühen Ungleichheiten prägend.

Das setze sich soweit fort, dass geschiedene Frauen eine schlechtere Altersversorgung hätten als Männer. Entscheidender Stolperstein auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung sei immer noch die Familie.

Löhrmann: „Ein Mann wird gelobt, wenn er zwei von zwölf möglichen Monaten Elternzeit nimmt, eine Frau würde in derselben Situation nicht selten als Rabenmutter beschimpft.“

Immer noch nicht habe man es geschafft, die Studienwahl von Mädchen und Jungen nachhaltig zu verändern. Immer noch seien Frauen für die Familie verantwortlich. Aber wie ist das zu ändern? Da blieb die Ministerin dann doch recht vage.

Vorbilder zum Anfassen seien gefragt, so die Ministerin, aber solche, die natürlich wirken. Gute Schulprojekte, die auf andere Schulen ausstrahlen. Orientierung an skandinavischen Ländern. Mit dem schulischen Referenzrahmen in NRW und den Gleichstellungsbeauftragten an Schulen gebe es ja auch zwei systematische Einflussgrößen.

Vorstellungen

Der Vortrag für die kommende Mittwochsakademie steht auch schon fest. Er findet am 29. April um 18 Uhr statt, es spricht Dr. Victoria Showunmi aus London über Vorstellungen von Identität und Geschlecht im Kontext von Führungsqualitäten. Der Vortrag ist in englischer Sprache.