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Streit um Basaltstelen entbrannt

15.07.2009 | 01:01 Uhr
Streit um Basaltstelen entbrannt

Bettina Paust, die künstlerische Direktorin des Museums Schloss Moyland, will die Stelen von der Eichenallee am Schloss Moyland entfernen lassen. Ex-Beuys-Mitarbeiter wiederum U We Claus kämpft für ihren Erhalt.

Sie hat sie konkret formuliert – ihre Ideen für die künftige Arbeit als künstlerische Direktorin des Museums Schloss Moyland – damals am 4. Mai 2009, als Dr. Bettina Paust offiziell eingeführt wurde. Unter anderen hatte sie angekündigt, die Basaltstelen an der Eichenallee am Schloss Moyland zu entfernen. Und genau dagegen richtet sich jetzt Widerspruch.

Fortsetzung des Projekts 7000 Eichen

Der ehemalige Beuys-Mitarbeiter U We Claus hat einen „Aufruf zur Erhaltung der Eichen/Basaltstelen-Allee am Museum Schloss Moyland” gestartet. „Das ist ein Monument anthropologischer Kunst”, betont Claus, der bereits namhafte Unterzeichner wie Kaspar König, Direktor des Museums Ludwig Köln, gewinnen konnte.

Seinen Aufruf würden etliche Unterzeichner unterstützen, sagte U We Claus der NRZ. Sie alle fordern die Stiftung Museum Schloss Moyland/Sammlung van der Grinten auf, die Eichenallee mit den Basaltstelen zu erhalten - und zwar so, wie sie 1996 von Stifter Hans van der Grinten, Gartenarchitekt Gustav Wörner und eben U We Claus, einziger überlebender Initiator der Allee, konzipiert hatten. Und außerdem die Absicht, die Basaltstelen aus der Allee zu entfernen, fallen zu lassen.

„Diese Eichen/Basaltstelen-Allee am Museum Schloss Moyland mit der Sammlung van der Grinten, ihren rund 5000 Werken von Joseph Beuys und dem Joseph-Beuys-Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen, repräsentiert eine der wenigen ausgeführten Fortsetzungen des Projekts 7000 Eichen, eines Werkes anthropologischer Kunst, das Joseph Beuys mit der Absicht weltweiter Fortsetzung 1982 zur documenta 7 in Kassel begonnen hatte”, so Claus.

Genau diese Begründung kann Bettina Paust nicht teilen. Für sie sind zwei kunsthistorische Gründe dafür ausschlaggebend, die Stelen zu entfernen. Moyland habe zwei Elemente aus der Barockzeit: Graben-Kräfte sowie Alleen. Die Zufahrtsallee zum Schloss stamme aus dem 17. Jahrhundert. Im Rahmen der Alleen-Herstellung seien diese Elemente des Gartens, die als einzige vorhanden waren, wiederhergestellt worden. „Die Eichen wären also ohnehin gepflanzt worden”, argumentiert Paust. Das Wunderbare an dem Beuys-Projekt sei, dass er die Welt mit Bäumen „zupflastern” wollte. „Es macht nur Sinn, da zu pflanzen, wo es keine Bäume gibt”, merkt Paust an. Es habe eine Reihe von Nachfolgeprojekten gegeben. Im Gegensatz zu ihnen sei die Allee in Moyland nicht öffentlich zugänglich.

Umsetzung noch in diesem Jahr

Es gehe ihr nicht darum, einen Streit vom Zaun zu brechen, betont die künstlerische Direktorin. Darum suche sie das Gespräch mit U We Claus und weiteren Unterzeichnern des Aufrufs. Sie wolle nur die Stelen entfernen und die Allee in den Ursprungszustand versetzen: „Ich zerstöre die Eichenallee nicht”. Außerdem solle die Umsetzung, die noch in diesem Jahr erfolgen soll, von einem Landschaftsarchitekten geprüft werden.

Abbringen lassen will sich Bettina Paus von dem Vorhaben nicht. „Es wäre schlecht, wenn meine Argumente nicht so fundiert wären, dass mich der Aufruf ins Schwanken bringt.”

Gaby Boch

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Kommentare
25.07.2009
15:44
Streit um Basaltstelen entbrannt
von manheim | #1

Aus der Moyländer Schloss-Allee sollen die 48 Basaltstelen entfernt werden, die dort seit 1997, also seit der Eröffnung des Museums Schloss Moyland zu sehen sind. Die in der Presse erwähnten Argumente sind aber weder stichhaltig noch frei von Widersprüchen: 1. Es sei das Bestreben der neuen Museumsdirektorin, die Schloss-Allee in der alten Form wiederherzustellen. Dieses Argument stellt zunächst einen Affront dem Gartenarchitekten-Ehepaar Rose und Gustav Wörner gegenüber dar, die damals gerne bereit waren, in Absprache mit dem Sammler Hans van der Grinten, die Steine in ihr Konzept der Wiederherstellung des gesamten Parks einfließen zu lassen. Es besser wissen zu wollen als diese Spezialisten, die auch für die historischen Parkanlegen in Kleve und für den Tiergarten-Bereich in Berlin verantwortlich zeichneten, ist schon sehr vermessen. Sollte man aber diesen denkmalpflegerischen Purismus praktizieren wollen, so müssten noch viele Kunstwerke (Chillida, Tàpies, Byars, Mack, usw.) aus dem Park verschwinden, der Kräutergarten durch Rasen ersetzt und eine ganze Reihe von eingreifenden Veränderungen an der Architektur des Schlosses vorgenommen werden. 2.) Die Allee sei nicht öffentlich begehbar und somit nicht im Sinne von Beuys ein öffentliches Kunstwerk. Zunächst stimmt dies sachlich nicht, denn ein Teil der Basaltsteine befindet sich im öffentlich begehbaren Halbrondell am Beginn der Schloss-Allee. Wichtiger aber ist, dass die Setzung von Basaltsteinen zu jungen Eichen einen wichtigen Hinweis auf die Spannung zwischen Lebenszyklus und Ewigkeit enthält: Muss der Baum nach vielen Jahren wieder durch ein junges Exemplar ersetzt werden, so bleibt der Stein. Wichtiger wäre es, die Familie Steengracht zum Umzug zu bewegen, so dass die Allee für das Museumspublikum geöffnet werden könnte. Hinzu kommt, dass die Allee durchaus öffentlich ist, denn jeder kann sie in ihrer ganzen Länge, von ihrem Anfang oder auch von ihrem Ende her betrachten. Schließlich hat das Museum gerade deswegen, wegen der Einbeziehung der Allee als Sichtachse, die Kosten für ihre Pflege übernommen! 3. Die Eichen-Basaltsteine-Allee soll den Ideen von Beuys nicht entsprechen, da Beuys nur die „Verwaldung“ der Städte vor Augen gehabt haben soll. Würde dies zutreffen, so müsste man Beuys postum doch sehr kritisieren, denn das 1982 von ihm zusammen mit der Free International University für die documenta 7 entwickelte Projekt „7000 Eichen“ entstand ausgerechnet für eine Stadt, der es nicht unbedingt an Natur fehlte. Die Durchführung hätte dann doch eher irgendwo im Ruhrgebiet stattgefunden haben sollen.
Die von Beuys selbst angeregte Fortsetzung des Projektes weit über Kassel hinaus hat mit der Eichen-Basaltstelen-Allee in Moyland nicht nur eine durchaus vertretbare, sondern auch eine wirksame Realisierung gefunden: Alljährlich kommen mehr als 100.000 Besucher an diesem gut, ja vollständig sichtbaren und teils im frei zugänglichen Park gelegenen Kunstwerk vorbei. Mit den im Schlossgebäude gezeigten Werken von Joseph Beuys bildet dieses Allee ein hervorragendes Instrument, die interessierten Museumsbesucher mit Werk und Ideen dieses Künstlers vertraut zu machen.

Drs. Ron Manheim
ehem. Stellvertretender Künstlerischer Direktor des Museums Schloss Moyland

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