Stadt nimmt Koepp das Archiv

Hans-Joachim Koepp, bisher Stadtarchivar
Hans-Joachim Koepp, bisher Stadtarchivar
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Der Bürgermeister hat entschieden: Stadtarchivar wird Standesbeamter. Nur aus Kostengründen. Büchereileiterin geht ins Archiv. Stelle einsparen

Goch..  Hans-Joachim Koepp, bisheriger Archivar der Stadt Goch, wird neuer leitender Standesbeamter. Judith Schouten, bisherige Leiterin der Stadtbücherei, wird neue Stadtarchivarin. Ihre bisherige Stelle wird nicht neu besetzt. Während normalerweise neue Zuständigkeiten in der Verwaltung wenig Aufsehen erregen, ist diese Personalie bemerkenswert. „Wir wollten dies selber bekanntgeben, bevor es irgendwelche Gerüchte gibt“, sagte Pressesprecher Torsten Matenaers.

Denn Hans-Joachim Koepp hat sich zahlreiche Verdienste als Stadtarchivar erworben. Auf sein Konto gehen nicht nur zahlreiche Vorträge sowie Aufsätze in verschiedensten Publikationen (u.a. „Kirche, Kelten ud Kartoffelpüree“) , sondern auch mehrere exzellente Bücher zur Gocher Stadtgeschichte. Im ganzen Umland schätzt man ihn wegen seiner Expertise. „Fast dreißig Jahre habe ich das gemacht“, sagte Koepp beim Pressegespräch. „Das ist jetzt ein schwerer Schritt für mich.“

Der Grund für die Umbesetzung liegt in der schlechten Haushaltslage. „Der Bürgermeister hat entschieden, dass es diese neue Aufgabenverteilung geben wird“, sagte Museumsdirektor Dr. Stephan Mann, Leiter des Fachbereiches Bildung und Kultur der Stadt Goch. Denn die Stelle des leitenden Standesbeamten muss neu besetzt werden – man könne die Heiratswilligen ja schlecht nach Kleve schicken. „Aber wir stehen unter einem enormen Spardiktat und mussten versuchen, diese Stelle zu besetzen, ohne jemanden neu einzustellen“, so Mann. Koepp ist Diplom-Verwaltungswirt. „Wir tun das, weil wir es tun müssen, nicht weil wir es wollen.“ Durch die Personal-Rochade sparten man außerdem die Stelle der Bibliotheksleitung ganz ein. Gelten werden die neuen Zuständigkeiten bereits ab dem 1. Mai. „Es ist eigentlich absurd, dass der Bund eine schwarze Null schreibt, aber die Städte Schwierigkeiten haben, ihre Kultur zu finanzieren“, findet Mann. „Dabei versuchen wir immer noch, eine Infrastruktur aufrechtzuerhalten, die den Bürgern klar macht, dass es gut ist, in Goch zu leben.“

Allerdings streicht er auch die positiven Aspekte der Neuorganisation heraus: „Besser ist es, wir wagen jetzt den neuen Schritt, wo wir die erworbenen Erfahrungen von Hans-Joachim Koepp noch lange nutzen können.“ Einen spürbaren Bruch werde es ja ohnehin einmal geben. Stephan Mann stellt sich vor, dass künftig ein großes Team zusammenarbeitet, das den Umgang mit den ältesten Stadturkunden ebenso organisiert wir Führungen der Schulklassen zu den Stadtmauern. Für Hochzeitswillige sieht der Museumsleiter keine Nachteile. „Herr Koepp kann ja frei sprechen und ihnen sicherlich erklären, warum sie heiraten“, witzelt er.

Bleibt die Frage, wie es der Stadtbücherei ohne Leitung ergehen wird. „Das ist alles abgestimmt“, sagt Mann.

„Das ist alles ein großes Trauerspiel“, sagte Willi Vaegs, alt-Bürgermeisetr und Heimatvereins-Vorsitzender. Heinz van de Linde, Goch-Kenner und „Vorlesepate“ in der Stadtbücherei: „Herr Koepp hat das Stadtarchiv zu einer angesehenen und respektierten Einrichtung gemacht. Wer immer diese Umsetzung innerhalb der Verwaltung verfügt hat, muss sich fragen lassen, warum er wegen weniger eingesparter Euro ein solches Aushängeschild der Stadt Goch zu demontieren bereit ist, eine Erfolgsgeschichte aufs Spiel setzt und einen Menschen mit Bürgernähe um sein Lebenswerk bringt.“

Experte in die Kaffeeküche - Ein Kommentar von Andreas DaamsAndreas Daams

Man muss sich die Sache so vorstellen: Da ist ein Fachmann, hat Gott weiß was drauf. Dann kommt der Chef und sagt: Du machst ab jetzt mal die Kaffeeküche, denn wir müssen im Lager jemanden einsparen. So ungefähr läuft es in Goch.

Stadtarchivar Hans-Joachim
Koepp verkörpert sozusagen die Stadtgeschichte. Jahrzehntelange Erfahrung und ein absolut bewundernswertes Fachwissen – alles für die Katz, weil an anderer Stelle einfach jemand eingespart werden muss. Blamabel, was sich die Stadt da leistet.

Der große Skandal liegt freilich tiefer: Die Städte haben kein Geld mehr, während die Bundeseinnahmen munter sprudeln.

Als Bundesbürger freut man sich ja über Schwarze Nullen. Aber wohnen tun wir nun mal vor Ort. Und da geht es gerade ans Eingemachte.