Spielhallenüberfall aus Liebe

In Spielhallen gibt es vor allem Münzgeld in der Kasse, mit dem die Spielautomaten nachgefüllt werden.
In Spielhallen gibt es vor allem Münzgeld in der Kasse, mit dem die Spielautomaten nachgefüllt werden.
Foto: dpa
353 Euro erbeutete ein mit einem Küchenmesser bewaffneter Obdachloser in Kalkar, um es seiner Bekannten in Geldnöten zu geben. Dafür bekam er sechs Jahre Haft

Kalkar..  Es war ein besonders schwerer Raub, den ein aus Bayern stammender Obdachloser im November in Kalkar verübte. Vermummt mit einem Schal, dunkel gekleidet, grobe Handschuhe tragend, schritt er morgens in eine Spielhalle, bedrohte die Spielhallenaufsicht mit einem 20-Zentimeter-Messer und erbeutete die dort in der Kasse liegenden Geldscheine, aber vor allem Münzgeld. Die geraubten 353 Euro steckte er seiner Kalkarer Bekannten zu, mit der er sich ein gemeinsames Leben erhoffte und bei der er sich seit seiner Haftentlassung einen Monat zuvor stets tagsüber aufhielt. So wollte er verhindern, dass sie wegen ihrer Geldnot von einem Gönner am selben Abend zu sexuellen Handlungen gezwungen werde.

Auch wenn der 55-Jährige nur eine geringe Geldsumme raubte, so spreche doch das lange Vorstrafenregister in anderen Fällen sowie im konkreten das planvolle Vorgehen beim Spielhallenraub und der Einsatz des Messers gegen ihn, argumentierte die Staatsanwaltschaft gestern bei der Verhandlung im Landgericht Kleve. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Kleve, Jürgen Ruby, folgte schlussendlich der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Haft forderte, und nicht der Argumentation des Verteidigers. Der plädierte aufgrund der Alkoholabhängigkeit seines Mandanten für die Einordnung als „minderschweren“ Fall (verbunden mit einer kürzeren Haft) und zudem für die Unterbringung in einer „Entziehungsanstalt“ (siehe Box).

Dem Urteil voran ging die Vernehmung von fünf Zeugen und einem psychiatrischen Gutachter. Die langjährige Kalkarer Bekannte des Räubers erschien (entschuldigt) nicht zum Termin. Wohl aber die Opfer: die sofort geflüchtete Putzfrau der Spielhalle und die bedrohte Spielhallenaufsicht.

Bis heute wirkt die erlebte Bedrohungssituation für die aufsichthabende Frau nach. Unter vorgehaltenem Messer musste sie in den Kassenraum gehen, die Kasse öffnen und danach wieder vor dem Räuber herlaufend den Raum verlassen. Seitdem hat sie Angst, Panikattacken, wenn jemand hinter ihr steht – beim Nachfüllen der Spielautomaten oder auch nur so.

Auch vor Fremden, die neu in die Spielhalle kommen, fürchte sie sich. Schlafen könne sie kaum, lange war sie arbeitsunfähig. Einen Überfall hatte sie Jahre zuvor bereits erlebt, doch damals, so schilderte sie gestern dem Gericht, war der Täter hektisch und sei danach direkt rausgerannt – zwei Tage danach ging die Frau wieder ihrer Arbeit nach. Diesmal habe der Täter aber „alles langsam gemacht und kam mir darum unheimlich gefährlich vor, vor allem, weil ich vor ihm herlaufen musste“, schildert die Spielhallenaufsicht erschüttert unter Tränen.

Als er das als Entgegnung auf seine gerade gemachte Entschuldigung hört, schluckt der stets geständige Täter schwer. Weil ihm aber eben genau diese Folgen seiner Messer-Drohung schon vorher haben klar sein müssen, so der Staatsanwalt, ergeht die langjährige Haftstrafe.

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