Spannung für Kinder auf der Burg

Im Gewölbekeller von Burg Zelem  v.l. Prof.Dr. Dirk Reiser, Sarah-Marie Walter, Alana Schüssler, Verena Lion, Burgbesitzerin Gudrun Arden
Im Gewölbekeller von Burg Zelem v.l. Prof.Dr. Dirk Reiser, Sarah-Marie Walter, Alana Schüssler, Verena Lion, Burgbesitzerin Gudrun Arden
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Besitzer von Burg Zelem in Kranenburg-Mehr vergaben Tourismus-Aufgabe an Hochschul-Studentinnen: Zwei Kinderführungen sind jetzt im Angebot

Mehr..  Kinder-Führungen durch alte Gemäuer gibt es zumindest am Niederrhein seltener, überlegte sich Gudrun Arden. Deshalb bat sie die Studenten der Hochschule Rhein-Waal um Kooperation: Ideen für Rundführungen durch die Burg Zelem zu finden. Die Burg in Kranenburg-Mehr, die selbst manche Einwohner nicht kennen, will zurückhaltend ein bisschen Öffentlichkeit zulassen, mal an Tagen des offenen Denkmals und eben zu Themenführungen. Seit 1926 brachte der Opa der heutigen Eigentümer die mittelalterliche Burg in Familienbesitz. 2000 kauften Jochen und Gudrun Arden das Haus aus der Erbengemeinschaft und sanierten es seither. Es bot eine sehr gute Substanz, aber viel war zu tun. Nun kann sich Burg Zelem wahrlich sehen lassen. Ein Schmuckstück mit Flair und Raum für Phantasie.

Für die rund 60 Studierenden im Fach „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie an der Hochschule Rhein-Waal gehören Praxis-Aufgaben in der Region dazu. Die spannende Aufgabe in Mehr übernahmen Alana Schüssler (aus Kevelaer), Verena Lion, Sarah-Marie Walter (beide Emmerich) und Marike Schalek (Moers). Sie machten Ortsbesichtigungen, vertieften sich in die Historie, sprachen Ideen mit den Burgbesitzern ab. Entstanden sind zwei konkrete Kinderführungen und zwei Ideen für Erwachsene.

Auf den Turm

Sieben- bis Zehnjährige werden angesprochen, wenn sie in der Schule Mittelalter und Rittertum zum Thema haben, wünscht sich Gudrun Arden. Im Dialog, nicht im Vortrag, wollen die Studentinnen die Kinder von Anfang an einbinden: Was gehört zu einer Burg, wozu brauchte der Ritter sein Rüstung? Singt das Lied vom Donnerbalken – was ist das überhaupt? Und alle werden die 1000 Jahre alte Burg mit Kellergewölbe und kleinem Verlies besichtigen, bevor sie im Rittersaal basteln, malt Alana Schüssler aus,. Und vielleicht ein paar Fledermaus-Lakritz lutschen, ergänzt Gudrun Arden. „Das Steigen auf den Turm ist Kindern immer wichtig“, weiß die Burgherrin. Drei bis vier Termine will sie im Sommer für solche Erlebnisse anbieten. Möglicherweise können die Studentinnen die Kinderführungen selbst übernehmen, regt sie an.

Für Zehn- bis 13-Jährige in Begleitung von Lehrern oder Gruppenleitern ist eine Quiz-Führung gedacht, die über Zisternen an der Wasserburg Zelem, Sandsteinköpfe am Fries, über Dreifelderwirtschaft und Brotbacken informiert, schildert Verena Lion.

Erwachsene Freundeskreise und Sportgruppen bekämen bei kulinarischer Führung mittelalterliches „Fingerfood“ wie Festtags-Pasteten und Wein kredenzt beziehungsweise die Historie näher gebracht. So schlägt Sarah-Marie Walter vor.

Professor Dr. Dirk Reiser, Aufgabengebiet Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule Rhein-Waal, ist überzeugt: „Es wird keine Tausende Leute herbringen, aber begrenzten Tourismus sicher. Je mehr kleinere Attraktionen in einem Tourismus-Cluster, um so besser“. Es gebe jedes Jahr genügend Anfragen in der niederrheinischen Region für Praxis-Projekte, die Teil des Studiums sind. Vorläufig sind sogar mehr Aufträge angefragt als die Hochschule an Vierer- und Fünfer-Studententeams bereit stellen kann.

Nachhaltigkeit im Tourismus bedeute, dass die Lokalbevölkerung mit entscheidet, der Fremdenverkehr wirtschaftlich, sozial und umweltverträglich abläuft. „Authentisch“ ist das wichtigste Wort. Die Studierenden absolvieren in sieben Semestern das Studium bis zum Bachelor und schließen meist dann ein Masterstudium an. Business, Verwaltungen und Touristikunternehmen werden dann ihre künftigen Arbeitgeber oder sie machen sich selbstständig.