Soweit der Erdkreis reicht

Foto: WAZ FotoPool

Kleve..  Johann Moritz hat in den 32 Jahren, die er bis zu seinem Tod 1679 als brandenburgischer Statthalter in Kleve tätig war, viele Spuren hinterlassen. Die barocken Gartenanlagen und die Galleien, die Alleensysteme, Cupido und Eiserner Mann, Moritzpark, Moritzgrab und Prinz-Moritz-Weg, Prinzenhof, Nassauer Allee und Nassauer Straße, die Aussichtspunkte und Sichtachsen sind eng mit seinem Namen verbunden.

Nähern wir uns dem Leben dieser ungewöhnlichen Persönlichkeit von seinem Ende her und betrachten die von ihm selbst gestaltete Grabanlage. Die mächtige Grabtumbe hatte Johann Moritz schon 1663 in Siegen gießen lassen. Auf ihr präsentierte er stolz sein erfolgreiches Leben. Zwei umlaufende Bänder auf dem Sockel führen alle erworbenen Titel auf. In deutscher Übersetzung heißt es hier: Johann Moritz, Fürst zu Nassau, Graf zu Katzenelnbogen, Vianden und Diez, Herr zu Beilstein, des Johanniterordens von Jerusalem in der Mark, in Sachsen, Pommern und Wendland Großmeister; zuvor in Brasilien acht Jahre lang oberster Befehlshaber zu Lande und zu Wasser; des Herzogtums Kleve, des Fürstentums Minden und der Grafschaften Mark und Ravensberg Statthalter, sowie der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande oberster Befehlshaber der Reiterei, in Wesel und Büderich Kommandant usw.

Kleve wird zur barocken Gartenstadt

Weiter findet man seine Devise „Qua patet orbis (Soweit der Erdkreis reicht)“. Er wählte sie, als er 1636 seine Reise in die niederländischen Kolonien in Brasilien antrat. Reichsschwert und Reichskrone sind Zeichen dafür, dass der Kaiser ihn 1653 in den Reichsfürstenstand erhoben hatte, und auch das Johanniterkreuz sowie der dänische Elefantenorden, der ihm 1648 verleihen worden war, werden auf der Tumbe dargestellt.

Die Frage, wo dieser Sarkophag stehen sollte, beschäftigte Johann Moritz viele Jahre. Im Alter von 70 Jahren schlug er seine letzte Schlacht für die Niederlande, in deren Militärdienst er seit seinem 17. Lebensjahr gestanden hatte. Danach waren seine Kräfte verbraucht. Krank und müde zog er sich zurück. Doch verbrachte er seine letzten Lebensjahre nicht im Mauritshuis in Den Haag, seinem Schloss in Siegen oder dem Prinzenhof in Kleve, sondern in seiner Einsiedelei im Alten Park in Bergendal. Hier kam ihm die Idee, seine Grabanlage in unmittelbarer Nähe errichten zu lassen. Nicht nur ein Grab in freier Natur war außergewöhnlich, sondern auch die Anlage selbst. Vor der Grabtumbe ließ er eine halbrunde Exedra aufmauern, in die er antike römische Funde einfügen ließ.

Ein langes, unruhiges Leben lag hinter Johann Moritz.

Bei seiner Geburt war nicht abzusehen gewesen, welch nachhaltigen Ruhm dieses Kind einmal erlangen würde.

Geboren 1604 in Dillenburg als dreizehntes Kind des Grafen Johann VII. von Nassau-Siegen, waren die finanziellen Möglichkeiten seines Vaters eher gering und die Eltern froh, ihren Sohn bei der oranischen Verwandtschaft in der niederländischen Armee unterbringen zu können, wo er rasch aufstieg.

Einen bedeutenden Karrieresprung machte er 1636, als er nach einer neunmonatigen Belagerung die Rheinfestung Schenkenschanz von den Spaniern zurückerobern konnte. Dieser Sieg machte Johann Moritz bekannt und empfahl ihn für weitere Aufgaben. Zudem lernte er bei dieser Gelegenheit die Landschaft rund um Kleve und den späteren „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm kennen, der als 16-Jähriger den Kriegsschauplatz besuchte und der ihn im Jahr 1647 zum brandenburgischen Statthalter in Kleve machte. Als solcher war er an die Weisungen des Kurfürsten gebunden. Gestaltungsfreiheit hatte Johann Moritz aber bei der Umwandlung Kleves in eine barocke Garten- und Residenzstadt. Hier konnte er seine Ideen von Bau- und Gartenkunst, vor allem aber von einer großräumigen Landschaftsgestaltung verwirklichen. Dies macht seine Bedeutung aus. Sein Erbe zu bewahren, ist eine große Aufgabe, der sich die Klever stellen sollten.

Johann Moritz wäre nicht Johann Moritz, wenn ihm am Ende seines Lebens nicht noch etwas Überraschendes eingefallen wäre. Kurz vor seinem Tod änderte er sein Testament und bestimmte die Fürstengruft in Siegen zu seiner Grablege. Der Sarkophag in Bergendal ist also leer.

Dennoch hat die Anlage große Wirkung gehabt. Immerhin bestimmte der preußische König Friedrich der Große, der ja auch Landesherr in Kleve war, dass er nach dem Tod wie Johann Moritz inmitten seiner Parkanlagen bestattet werden wolle, ein Wunsch, der ihm erst 1991 erfüllt wurde.