Software für Handwerker: Lösungen aus der Praxis

Dirk Sander, WinWorker
Dirk Sander, WinWorker
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dirk Sander ist Gründer und Geschäftsführer von WinWorker, einer Software für Handwerksunternehmen. Durch ein Gespräch mit einem Freund kam er auf die Idee. Mittlerweile führt er 56 Mitarbeiter in Goch

Goch.. Wir schreiben Anfang der 1990er Jahre. Die Computer arbeiten mit dem Betriebssystem DOS, der Pentium-Prozessor ist noch Zukunftsmusik. Der junge Gocher Dirk Sander, Jahrgang 1971, hat sein Abitur gemacht, zwölf Monate Bundeswehr absolviert und beginnt mit dem Studium der Wirtschaftsinformatik in Essen. Da unterhält er sich mit einem Freund, der einen Malerbetrieb hat, über Software. Genauer gesagt: Darüber, was für Software es geben müsste.

Der Allrounder

So fing es an. Dirk Sander machte sich an die Arbeit. Ein Jahr lang entwickelte er die Handwerker-Software WinWorker für das soeben erschienene Betriebssystem Windows 3.1. Kaum hatte sein Freund das Programm im Einsatz, wurden Branchenkollegen darauf aufmerksam und wollten die Software ebenfalls nutzen. „Ich habe damals alles allein gemacht“, erinnert sich Sander. Programmierung, Marketing, Vertrieb. „Im Sommer habe ich als Rettungsschwimmer gearbeitet, um mir das Studium zu finanzieren, und daneben habe ich programmiert.“

Doch das Hobbyprojekt wurde schnell zur Erfolgsgeschichte. 1997 bündelte Dirk Sander die Geschäftsaktivitäten in einer GmbH, Ende 1999 holte er dann den ersten Vertriebsmann ins Team. Als Entwickler hat er immer zuerst an den Kundennutzen gedacht. „Nur dann empfiehlt der Kunde das Produkt weiter“, sagt er.

Und Mund-zu-Mund-Propaganda war in den ersten Jahren schließlich die alleinige Werbestrategie. Heute ist das anders. Vierzehn Außendienstler, verteilt in ganz Deutschland, beraten die Kunden vor Ort. Auf Fachmessen ist WinWorker selbstredend dabei. 56 Mitarbeiter in Goch kümmern sich um Entwicklung, Vertrieb und Support. Mehr als 3000 Kunden zählt das Unternehmen, darunter viele kleine Malerbetriebe, aber auch große Handwerksunternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Dachdecker und Trockenbaubetriebe gehören ebenso zur Zielgruppe wie Schreiner und GaLaBau-Firmen. Auch Exoten wie Grabpflege oder ein Bodypainting-Studio sind dabei.

Diplom nach 38 Semestern

Irgendwann meldete sich dann die Universität in Essen wieder. Denn Sander hatte zwar das Hauptstudium abgeschlossen, aber noch keine Diplomarbeit geschrieben. Nach 38 Semestern holte er das nach – und wurde auch noch Jahrgangsbester. Viel Zeit hat der dreifache Vater in jüngster Zeit in die neue Firmenzentrale gegenüber vom Gocher Bahnhof investiert. Beim Umbau der ehemaligen Schuhfabrik legte er selber Hand an und programmierte die Haustechnik. Entstanden ist ein Gebäude, in dem die Mitarbeiter sich wohlfühlen können – mit eigenem Bistro, akustisch durchdachten Räumen und selbstproduzierter Energie, bei der sogar noch die Abwärme zur Kühlung der Server benutzt wird. Schöner Büroraum ist nun jedenfalls ausreichend vorhanden. Eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft sieht Sander auf einem ganz anderen Gebiet: Wie bekommt man künftig Auszubildende und neue Mitarbeiter? Sander: „Dieses Problem haben viele Firmen noch gar nicht auf dem Schirm.“