„So unnötig wie ein Kropf“

Kleve..  Frust und Unverständnis dominieren die Diskussion um die Maut – vor allem bei Unternehmern und Gewerbetreibenden. „45 Prozent unserer Besucher kommen aus den Niederlanden. Das erste Jahr nach der Einführung der Maut werden die Umsätze zurückgehen. Die Maut wird die Leute abschrecken“, sagt Han Groot-Obbink, Geschäftsführer des Freizeitparks Wunderland Kalkar. Mit seinen Befürchtungen steht Groot-Obbink nicht alleine da. Auch Johannes Hülsmann, Geschäftsführer des Klever Kaufhofs teilt diese, ebenso Ludger van Bebber, Geschäftsführer des Flughafens Weeze.

Hoffen auf Eingriff der EU

„Ich hoffe, dass Europa eingreift und sagt: ‘Das könnt ihr so nicht machen’“, sagt Groot-Obbink. Auch Ute Schulze-Heiming, Leiterin der Kleve Marketing teilt diese Hoffnung. „Die Maut ist so überflüssig, wie ein Kropf“, sagt sie. In ihren Augen sei die Maut ein Rückschritt, schädige Tourismus und Handel. Das sieht auch Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins so: „Wir leben mitten in einem freien Europa und beschließen jetzt das genaue Gegenteil. Ich weiß nicht, warum sich CDU und SPD da den bayrischen Stammtischparolen beugen.“ Auch Landrat Wolfgang Spreen ist der Meinung, die Maut konterkariere den europäischen Gedanken: „Ich bedauere die Einführung der Pkw-Maut und halte sie für falsch. Die Maut ist uneuropäisch und wäre für das Ansehen Deutschlands – nicht nur in Europa – schädlich. “

Unabhängig davon, ob die EU eingreift oder nicht, wollen die Unternehmer stärker auf die niederländischen Gäste eingehen. Groot-Obbink könnte sich vorstellen, Kooperationen mit Tankstellen und Lebensmittelgeschäften einzugehen, um Rabatte und Coupons zusätzlich zum Besuch im Freizeitpark anbieten zu können. Hülsmann und sein Team arbeiten bereits seit zwei Jahren daran, das Angebot von Kaufhof stärker auf niederländische Kunden abzustimmen, z. B. durch eine doppelsprachige Preisbeschilderung oder einen Gutschein für Kaffee und Kuchen, ab einem bestimmten Einkaufswert. „Wir konzentrieren uns auf einen guten Service“, so Hülsmann.

Ludger van Bebber gibt zu bedenken, dass sich die Maut auch auf das Nutzungsverhalten der Straßen auswirken wird: „Die Maut führt die Planungen der letzten Jahre ad absurdum.“ Er geht davon aus, dass künftig bisher wenig genutzte Straßen sich zu viel befahrenen Strecken entwickeln könnten – eine Maut-Logik sozusagen.