Sex, Drugs & Rock'n Roll
05.05.2009 | 15:12 Uhr 2009-05-05T15:12:00+0200
15. Forensische Fachtagung in der Rheinischen Klinik Bedburg-Hau befasst sich mit dem Thema Liebe im Maßregelvollzug
Ein vielversprechender Titel für ein Treffen: „All you need is love”. Alles was du brauchst ist Liebe. Ein brisantes Motto - berücksichtigt man, dass es eine Forensische Fachtagung ist. Genauer gesagt die 15. „Sex, Drugs & Rock'n Roll”-Fachtagung in der Rheinischen Landesklinik (LVR) Bedburg-Hau. 29 namhaften Referenten aus ganz Deutschland und den Beneluxländern befassen sich seit gestern und bis morgen mit 300 Teilnehmern mit dem Thema. Dabei geht es um „Haupt- und Nebenwege der Liebe im Maßregelvollzug.” Mit häufig kontrovers diskutierten Inhalten. So hält beispielsweise Jörg Donalski (Marsberg) das Referat: „Wenn aus therapeutischer Begegnung Liebe wird”. Schließlich ist genau das - die Liebesbeziehung zwischen Mitarbeiter/in und Patient/in eine im Maßregelvollzug absolut unerwünschte Begegnung.
Professor Dr. Hans J. Markowitsch von der Uni Bielefeld befasste sich gestern mit dem höchst interessanten Feld der Neurobiologie und Soziologie der Liebe. „Die Bedeutung von Liebe für die Sozialisation und damit für ein gesellschaftlich angepasstes oder unangepasstes Leben kann nicht genug unterstrichen und betont werden. Das zeigen auch Untersuchungen bei nichtmenschlichen Primaten”, erläuterte er. Es ging und geht bei den Referaten aber auch um gestörte Sexualität (erläutert von Fachärztin Hildegard Stienen) normale und abweichende Sexualität, um Rehabilitation von Sexualstraftätern. Hier referiert Josef Berg, Diplom Pädagoge, Leiter der Forensischen Überleitungs- und Nachsorgeambulanz der LVR-Klinik Bedburg-Hau über den schwierigen Weg zur Rehabilitation. Weiterhin geht's um Hass und Liebe (Professor Dr. Friedemann Pfäfflin) und um vieles mehr.
Moderiert an allen drei Tagen vom Diplom-Psychologen und Mitorganisator Michael Bay von der LVR-Klinik eröffnete u.a. gestern Mittag Dr. Jack Kreutz, Fachbereichsleiter Forensik, LVR-Klinik Bedburg-Hau, die Veranstaltung. „Der beste Opferschutz ist adäquate Täterbehandlung”, hatte Kreutz zuvor schon auf einer Pressekonferenz betont. „Deswegen ist jeder Pfennig, der in den Maßregelvollzug investiert wird, gut investiert!”
Heute steht die Fachtagung ganz unter dem Zeichen verschiedener Arbeitsgruppen, bevor abends sogar die Kongressfete dem Motto treu bleibt. „Darf denn Liebe Sünde sein?” Der morgige Vormittag steht dann wieder im Zeichen von drei größeren Referaten.
Übrigens: Er ist die bislang größte Forensische Sex, Drugs & Rock'n Roll"-Fachtagung in Bedburg-Hau: über 300 Teilnehmer! Für die Bewirtung musste ein Zelt neben dem Gesellschaftshaus aufgebaut werden. Viel Arbeit für das engagierte zehnköpfige Organisationsteam: Michael Bay, Jörg Czech, Alexandra Ferner, Andrea Geurtz, Jack Kreutz, Verena Peykan, Beate Püttmann, Marianne Rhöse, H.-J. Tübbing, Peter van Dick.
Weitere Infos zur Rheinischen Klinik Bedburg-Hau im Netz: www.rk-bedburg-hau.lvr.de
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