Schwere Vorwürfe gegen die Stadt Kleve

Betreiber und Eltern der Großtagespflege Shijo Kingo machten gestern der Klever Stadtverwaltung schwere Vorwürfe.
Betreiber und Eltern der Großtagespflege Shijo Kingo machten gestern der Klever Stadtverwaltung schwere Vorwürfe.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Betreiber der Großtagespflege Shijo Kingo in Kleve-Kellen luden gestern zu einer Pressekonferenz.Ihr Vorwurf: die Verwaltung handele willkürlich und diskriminierend

Kleve..  Für die Mitarbeiter und Betreiber der Klever Großtagespflege Shijo Kingo ist das Maß voll: Sie fühlen sich von der Klever Stadtverwaltung benachteiligt behandelt, sie werfen einer Mitarbeiterin diskriminierendes Verhalten vor und der Leitung des Jugendamtes ein willkürliches Handeln. Gestern luden die Betreiber der Kellener Einrichtung gemeinsam mit mehreren Eltern zu einem Pressegespräch unter der Überschrift: „Jetzt reden wir!“

Im November 2014 wurden gegen den Einrichtungsleiter Epiphane Teko schwere Vorwürfe erhoben. Der Verwaltung liegen mehrere eidesstattliche Erklärungen vor, in denen behauptet wird, dass Teko sein Personal angewiesen haben soll, Kinder zu misshandeln. Konkret: Ihnen auf die Hände zu schlagen. Zudem wurde festgestellt, dass das vorhandene Pflegepersonal für die Anzahl der Kinder nicht ausreichend ist und dass die Kinder nicht von den zugeordneten Pflegekräften betreut worden seien. Daraufhin hat die Stadtverwaltung im Dezember 2014 den Betreibern Teko die Pflegeerlaubnis entzogen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben die Vorwürfe der Kindeswohlverletzungen nicht bestätigen können. Tekos Anwalt Mark Anker sagt, dass sein Mandant einen Freispruch erster Güte erhalten habe, mit einem Unschuldsvermerk. „Die weitere Aufrechterhaltung der Vollziehbarkeit ist daher ein Unding“, findet Anker. „Das erscheint willkürlich.“ Man werde nun nach der Klärung durch die Staatsanwaltschaft einen erneuten Antrag an das Verwaltungsgericht Düsseldorf stellen, um den Beschluss der Klever Stadtverwaltung aufzuheben.

„Das ist Rufmord“

In einer schriftlichen Erklärung teilen die Betreiber ihre Vermutung mit, dass die Stadtverwaltung „dieses außergewöhnliche Projekt mit Missgunst betrachtet“. Und: „In vielen Fällen erlebten wir die Intervention des Jugendamtes als Schikane.“ Die Vorwürfe gegenüber Herrn Teko seien nie einer kritischen Prüfung unterzogen worden. Vielmehr habe die Verwaltung mit dem „stärksten Schwert drauf geknüppelt“, welches ihr zur Verfügung stehe, so Anwalt Anker. „Nach unserer Überzeugung handelt es sich bei diesen schlimmen Vorgängen um Rufmord.“

Auf Nachfrage der NRZ führt der städtische Rechtsdirektor Wolfgang Goffin aus, dass man die Einrichtung Shijo Kingo nicht überfallartig geschlossen habe. Bereits seit 2012 habe man immer wieder auf Missstände beim Betreuungsschlüssel hingewiesen, so Goffin. Letztlich habe es nicht dazu geführt, dass man die Probleme abgestellt habe. Goffin bestätigt, dass der Stadt fünf eidesstattliche Erklärungen vorliegen. Ob darunter auch ehemalige Mitarbeiter sind, möchte er nicht öffentlich sagen. Goffin betont aber, dass die Staatsanwaltschaft zwar das Ermittlungsverfahren gegen Teko eingestellt habe, weil keine strafbaren Handlungen vorgelegen hätten, dies bedeute aber nicht, dass dies auch aus erzieherischer Sicht zu billigen ist: „Das Jugendamt sieht in Beißen und Schlagen ein zu missbilligendes Verhalten“, so Goffin. Man habe die Einrichtung mehrfach kontrolliert. Den Vorwurf der Rassendiskriminierung hält er für abwegig: „Es geht hier um Vorwürfe im Umgang mit Kindern, da kommt es nicht auf die Hautfarbe an.“

Für Betreiber Teko und die bei der Pressekonferenz anwesenden Eltern sind diese Vorwürfe nicht nachvollziehbar. Die Eltern gaben an, dass sie ihre Kinder immer gerne in die Einrichtung gegeben haben und es auch nie zu Problemen gekommen sei.