Schule: Richtung vorgegeben
11.11.2011 | 16:41 Uhr 2011-11-11T16:41:00+0100Kleve/ Bedburg-Hau / Kranenburg.Deutlich versuchen die Verwaltungen von Kleve, Bedburg-Hau und Kranenburg, die Eltern zu beeinflussen.
Eltern, die nächste Woche ankreuzen, welche weiterführende Schule sie für ihr Kind wünschen. Die Umfrage wird den Räten Grundlage sein beim Beschluss zur Schulform-Gründung. Doch die Bürgermeister geben die Richtung schon vor.
Dem Umfragebogen liegen ausführliche Informationen zur „Sekundarschule“ bei und ein Anschreiben mit Unterschrift von Peter Driessen, Theo Brauer und Günter Steins: „Wir, die Bürgermeister Ihrer Kommunen, sind der Meinung, dass die Sekundarschule Ihren Kindern ein qualifiziertes, umfassendes und leistungsfähiges Angebot vor Ort bieten kann.“ Dazu werden konkret Standorte und Schullaufbahn erläutert.
Die Bezirksregierung antwortet auf NRZ-Anfrage: „Wir haben nur Kenntnis über den Fragebogen, wir müssen ihn nicht genehmigen. Die Beischreiben kennen wir nicht. Wir könnten sie im Zweifel auch nicht verhindern“.
Dickes Info-Päckchen
Die ‘Bürgerinitiative für eine Gesamtschule Kleve’ aber klagt über diese „mehr als sehr manipulative“ Art des Schreibens.
Auf Nachfrage der NRZ sagt Schulverwaltungsamtsleiterin in Kleve, Annette Wier: „Wir sind der Meinung, das Schreiben darf auch den Willen der Verwaltung zum Ausdruck bringen. Bei der Elterninformation am Dienstag werden wir gleichwertig zu beiden Schulen informieren“.
Im dicken Info-Päckchen, das Mittwoch über die Grundschulen und für Kindergarteneltern per Post zugestellt wird, steckt auch eine Broschüre über alle Schulformen. Hier taucht erstmals der Name „Gesamtschule“ neben Realschule, Gymnasium, Hauptschule und Sekundarschule auf. Auf heftigen Einspruch der Bürgerinitiative und Geheiß des Ministeriums wurden Falschinformationen darin gestern ausgebessert – dass eine Gesamtschule für Kleve angeblich halbtags liefe. Die Bezirksregierung: „Es ist ganz eindeutig, dass Gesamtschulen als Ganztagsschulen gegründet und genehmigt werden“.
Im Schreiben von Kleve, Bedburg-Bau und Kranenburg an die Eltern werden die möglichen Vorteile einer Sekundarschule hinsichtlich Lehrerzuweisung (plus 20 Prozent) und niedriger Klassenwerte (25 Schüler/innen pro Klasse) betont. Gleiches gilt aber auch für Gesamtschulen und für alle anderen Ganztagsschulen, das wird verschwiegen.
Die Initiative Gesamtschule hoffte, dass „gewisse Spielchen“ nach über zwei Jahren „endlich ein Ende hätten. Leider wurden wir da wiederum auf das Tiefste enttäuscht.“
Parallel meldet sich die SPD Bedburg-Hau. Vorsitzender Wilhelm van Beek: „Auch wenn wir bekanntlich eine Präferenz haben, entscheidend ist einzig der Elternwille.“ Vorstandskollege Willi Hermsen: „Je größer die Elternbeteiligung und eindeutiger das Votum, umso schwieriger wird es, diesen Willen von Seiten der betroffenen Kommunen dann zu ignorieren.“
07:30
Ist ja fast spannender als ein John le Carré Roman - was in 2,5 Jahren nicht alles aufgeboten wurde um Kleve vor einer Gesamtschule zu bewahren...!