Schule: gar nicht eitel, aber stolz
15.11.2009 | 15:52 Uhr 2009-11-15T15:52:00+0100Kalkar. Eltern sollten Empfehlung der Grundschullehrer vertrauen. Kalkars weiterführende Schulen sind „hervorragend ausgestattet” und arbeiten jetzt noch enger zusammen im "BildungsZentrumKalkar".
„Wir stehen extrem zur Dreigliedrigkeit”, sagt Elisabeth George. „Wir bekennen uns bewusst dazu”, sagt Ursula Paul. Und Norbert Heidemann stimmt zu. Dennoch haben sich die drei weiterführenden Schulen in Kalkar jetzt enger denn je zusammengeschlossen. Nicht nur, dass sie geographisch kompakt nebeneinander liegen, sie bilden nun das „BildungsZentrumKalkar”. In ihrem Logo berühren sich die drei Dächer über den drei Schulnamen. „Jeder Schüler in seinem Haus, aber im Sozialgefüge des Dorfes”.
Begabungsförderung legt jede Schule anders aus. Das Jan-Joest-Gymnasium mit Elisabeth George setzt das Augenmerk auf Hochbegabte, die Städtische Realschule mit Ursula Paul auf musische Talente, die St. Nikolaus-Hauptschule mit Nobert Heidemann auf Naturwissenschaften (Jugend forscht / Chemie) und Berufsorientierung.
Anders aufteilen
Durch persönliche Zusammenarbeit der drei Schulleiter ist das Konzept entstanden, von den ganzen Schulkonferenzen wird es getragen, vom Schulträger Stadt Kalkar unterstützt.
„Jede Schule will auf ihre Weise ihr Klientel fördern”, sagt Norbert Heidemann, „sie müssen nicht die Kraft auf die ganze Bandbreite legen.” „Individuelle Förderung hat Grenzen,” meint Ursula Paul. „Wir selektieren nicht an den Klassentüren wie im ausgefeilten System einer Gesamtschule in G- und E-Kursen.” Sondern schon vor der Schule. Auf drei Schulen aufgeteilt sind intellektuell Begabte, praktisch Begabte und mehr am Alltag Orientierte. „Durch die kleine Bandbreite erreichen wir hohe Qualität”, sagt sie. „Eine gut funktionierende Hauptschule tut auch den anderen Schulen gut, damit sie nicht so viele 'falsche' Schüler haben”, wertet Elisabeth George.
Wenn ein Kind die Schule nicht schaffe, sei „ein echter Neuanfang gut. Da gibt es keine Hackordnung,” so Ursula Paul. „Wer im 8. Jahrgang einen Pubertäts-Kick-down hat,” beschreibt Elisabeth George, der erlebe dann in der leichteren Schule schnell Erfolge und könne möglicherweise „angstfrei nach der 10” wieder zurück zum Gymnasium. „Begabung ist das eine, Arbeitshaltung das andere.”
Regelkatalog am Gymnasium
Die Schulhöfe im Schulzentrum Am Bollwerk bleiben getrennt, Hausaufgabenbetreuung ebenso. Inzwischen hielt auch am Gymnasium ein klarer Regelkatalog Einzug. „Ich möchte den Eltern Mut machen, den Empfehlungen der Grundschullehrer für eine Schulform zu vertrauen”, sagt Paul. Probeunterricht vor dem Schulwechsel bedeute für Kinder ein Verlierer-Gefühl, ein Schulwechsel in der 5 aber Motivation. Falls ein Wechsel nicht angeraten sei, erkennen das Kinder und Eltern zur rechten Zeit. „Manche Kinder schaffen's nicht, weil die Struktur der anderen Schulform nicht passt”.
Erschwerten Übergang durch „G 8” (Gymnasium in acht Jahren) sieht George „nicht so pessimistisch”. Norbert Heidemann berichtet: „Auch wir Hauptschulen haben neue Vorgaben. Der Stoff hat auch bei uns angezogen.” Vernetzen wollen sich die drei Schulen in freien Angeboten am Nachmittag. Aus allen drei Schulformen meldeten sich Teilnehmer für den Niederländisch-Kurs. Gemixt ist auch das Rock'n'Roll-Tanzangebot.
Gesucht wird ein Kursleiter für den Bereich Technik. Träume für die Zukunft: Zentrums-Schulchor, Schulorchester.
„Wir sind wunderbar ausgestattet, neue Naturwissenschaftsräume in allen Schulformen, fast in jedem Klassenraum Internetanschluss, hervorragende Informatik-Räume”, schwärmen die Schulleiter. Auch das ist ihrer uneitlen Haltung zu verdanken. Jahr um Jahr verzichten zwei zu Gunsten des Dritten auf städtische Gelder, damit größere Prioritäten gesetzt werden können. „Letztlich nützt es uns allen”. Und: „Jeder passt trotzdem auf sich selber auf,” sagt Elisabeth George.
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