Schloss Gnadenthal ist Tagungsstätte

Schloss Gnadenthal
Schloss Gnadenthal
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die klassizistische Anlage wird seit den 80er Jahren als Tagungs- und Bildungsstätte genutzt. Urkundlich erstmals 1373 erwähnt

Kleve..  Wie oft reist man in die Ferne, um sich reizvolle Landschaften, Burgen und Schlösser anzusehen. Dabei liegen schöne Ausflugsziele durchaus auch vor der Haustür. So lohnt es sich, mit dem Fahrrad oder zu Fuß dem Schloss Gnadenthal einmal einen Besuch zu machen.

Wer die erst vor kurzem gepflanzte Lindenallee entlang auf die klassizistische Schlossanlage zufährt, sucht und findet vor allem eines: Ruhe. Hier, auf dem gut fünf Hektar großen Gelände rund um die Tagungs- und Bildungsstätte Schloss Gnadenthal, gut drei Kilometer nordwestlich der Klever Innenstadt und in der Düffel gelegen, gibt es davon reichlich. Umgeben von einem Landschaftsgarten öffnet sich die Gartenfassade des Herrenhauses mit einem prachtvollen Ausblick auf den Schlossteich und alten Baumbestand.

Viele Organisationen buchen sich in dem mit funktional gestalteten Räumen zum Hotel umgebauten Herrenhaus ein, Tagungen und Fortbildungen finden hier statt. „Für die verschiedenen Veranstaltungen haben wir einen Vorlauf von zwei Jahren,“ verrät Winfried Radomsky, Vorstand der Betreiber-Gesellschaft Bildung und Leben und Geschäftsführer des Hotelschlosses. In Gruppen von 20 bis 70 Personen wohnen Firmenangehörige für ein Wochenende oder auch während der Woche auf dem Anwesen. Willkommen, so Radomsky, seien aber auch Einzelgäste. Das Hotel verfügt über 38 Zimmer.

Besitzer wechselten mehrmals

An der Stelle des heutigen Schlosses stand im Mittelalter ein Gutshof. Die Augustiner nutzten die Anlage im 15. und 16. Jahrhundert als Kloster. Auf den Namen des Konvents, „vallis gratiae“ (Tal der Gnade), geht der bis heute erhaltene Name Gnadenthal zurück. Urkundlich erstmals erwähnt wird das Anwesen 1373. Später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, entstand auf dem einstigen Klosterfundament ein barockes Schloss, das im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer wechselte. Seit 1806 war es durch Heirat im Besitz der Familie der Barone von Hoevell zu Westervlier und Wezeveld. Der neue Eigentümer ließ das Schloss im klassizistischen Stil der damaligen Zeit umgestalten.

Im wesentlichen entspricht Schloss Gnadenthal bis heute dem damaligen Umbau. Seit dem Frühjahr 1981 werden die Gebäude – zum Schloss gehören neben der privat bewohnten Orangerie noch das ehemalige Gesindehaus und weitere Nebengebäude – von der Gesellschaft für Bildung und Leben genutzt. In den Tagungs- und Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss sind einige Kaminaufbauten und Stuckdecken bis heute erhalten geblieben.

Der letzte Baron, der im Oktober 2014 verstorbene und kinderlos gebliebene Victor von Hoevell, schenkte seinen Besitz 2008 der niederländischen Stiftung Geldersch Landschap en Geldersche Kasteelen. Damit ist Schloss Gnadenthal im übrigen das einzige Herrenhaus in Deutschland, das von der niederländischen Stiftung verwaltet wird. Ihre Aufgabe ist es, die überwiegend in den Niederlanden liegenden Schlösser einer Nutzung zuzuführen. „Keine leichte Aufgabe,“ weiß Winfried Radomsky. „Historische Gebäude sind schwer zu vermarkten.“

Einen Ausflug zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist die Anlage allemal wert. Wer von der Düffelseite kommt, geht durch das als Torbogen dienende ehemalige Taubenhaus hinein, die Lindenallee führt bis vor das Schlosstor, das sich für einen Blick auf das Herrenhaus öffnet.