Schifffahrtsamt verpasst Flusskraftwerken Dämpfer
05.08.2011 | 17:29 Uhr 2011-08-05T17:29:00+0200
Kalkar.Im Rhein gebe es wohl nur „wenige geeignete Stellen“ für solche Vorhaben, die genehmigt werden könnten. Rund 50 Investoren zeigten Interesse
Dämpfer für die Flusskraftwerkspläne auf dem Rhein: Für die Anlagen in Pontonform mit Schaufelrad (die NRZ berichtete) gibt es wohl nur „wenige geeignete Stellen“, schätzt Schifffahrtsamtsleiterin Birgitta Beul nach einer ersten Schau der Pläne und Konstruktionen die Chancen der Anlagen ein. Im Wunderland Kalkar hatte Prototyp-Konstrukteur Heinrich Schmidt am Donnerstagabend über seine Testanlage in der Elbe bei Magdeburg berichtet – und neben der Chef-Schifffahrtsaufseherin aus Duisburg waren rund 50 Interessierte gekommen.
Hauptsächlich waren es Investoren, die ihr Geld am Niederrhein etwa bereits in Windkraft stecken. Denn auch Strom aus Wasserkraft wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet – mit bis zu 12,67 Cent je eingespeister Kilowattstunde. Je nach den Kosten für ein Flusskraftwerk und seiner Produktionskapazität könnte das durchaus ein lohnendes Geschäft werden.
Frage der Wirtschaftlichkeit
Für die Investoren war die entscheidende Frage denn auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Und eben da tut sich das Problem mit genehmigungsfähigen Standorten auf. Denn die 16 Meter langen und acht Meter breiten Pontonboote müssen schon in einer starken Strömung schwimmen, um wirtschaftlich zu sein, so Prototyp-Entwickler Schmidt. „In der Elbe haben wir bei der Anlage 1,6 Meter pro Sekunde Fließgeschwindigkeit“, sagte er. „Das ist sehr wenig. So wird sie nicht wirtschaftlich.“
Gerade am Rhein müsste man möglichst nah an die Flussmitte, damit sich das Schaufelrad schnell und zuverlässig dreht und ausreichend Strom erzeugt. Doch da passieren täglich rund 400 Schiffe den Fluss.
Der Idee, die Flusskraftwerke an der Spitze der Buhnen zu montieren, erteilte Birgitta Beul bereits eine Absage: „Eine Einschränkung der Fahrrinne kommt nicht in Frage“, sagte sie. „Der Rhein ist als Bundeswasserstraße gewidmet, da wird man Gefahrenpunkte für die Schifffahrt nicht hinnehmen.“ Während der Rhein in der Mitte mit 2,5 bis 3 Metern pro Sekunde fließe, bleibe zwischen den Buhnen mit 1 bis 1,2 Metern pro Sekunde nicht mehr viel Strömung übrig. Die Genehmigung einer Anlage bleibe aber für jeden Standort eine „Einzelfallentscheidung“.
Wunderland-Chef Han Groot-Obbink jedenfalls möchte an seinem Plan, einen ersten Prototyp auf dem Rhein zu errichten, festhalten. Und auch die übrigen Investoren haben denn doch fleißig mitgeschrieben: Durchflusszahlen, Schaufelbreiten, mögliche Kilowattstunden – jetzt heißt es, die Rechenschieber zu bemühen. Und wie es einer der Teilnehmer sagte: „Die ersten Windkrafträder haben auch sehr viel weniger Leistung gebracht als die heutigen, optimierten Anlagen. Es muss halt einfach mal jemand anpacken.“
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