Rückkehrer und Rückgänge

Blaumeise und Spatzen
Blaumeise und Spatzen
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Wir freuen uns übers Comeback von Bieber, Wanderfalke und Seeadler, aber gleichzeitig werden die „Allerweltsarten“ immer seltener. Wie geht das zusammen?

Kreis Kleve..  In vielen Teilen Deutschlands und so auch in Nordrhein-Westfalen wird die Rückkehr des Wolfes erwartet. Viele Vogelfreunde warten auf den ersten Brutnachweis des Seeadlers. Oder des Fischadlers. Wo ist der Luchs wieder heimisch geworden? Und wie lange dauert es wohl noch, bis sich am Niederrhein wieder balzende Kraniche beobachten lassen? In der Tierwelt beobachten wir Entwicklungen, die vor wenigen Jahren so noch gar nicht denkbar waren, weil hoch bedrohte Tierarten, darunter Arten die tatsächlich schon in ihrem Bestand erloschen waren, jetzt doch unsere Kulturlandschaft wieder besiedeln. Andererseits müssen wir feststellen, dass uns viele so genannte „Allerweltsarten“ immer seltener werden. Während wir auf der einen Seite das Comeback von Biber und Wanderfalke feiern, verschwinden auf der anderen Seite Feldlerche, Rebhuhn und Feldhase. Wie geht das zusammen?

Der Erfolg des Schutzes von vielen Großvögeln oder Säugetieren, wie beispielsweise bei Seeadler, Wolf, Biber, aber auch Habicht und Sperber basiert in erster Linie auf der Einstellung von Bejagung und gnadenloser Verfolgung. Die Unterschutzstellung wirkte unmittelbar. Mit dem Erkennen der Giftigkeit von Pestiziden, wie zum Beispiel dem DDT, wurde nach dessen Anwendungsverbot ein weiterer Grundstein gelegt. Man hatte festgestellt, dass bei langlebigen Arten wie z.B. Seeadler oder Wanderfalke so viel Gift im Körper angereichert war, dass ihre Gelege unfruchtbar wurden.

Heute kommt man aber beispielsweise bei der Vielfalt der eingesetzten Gifte kaum noch hinterher. Zudem sind Ursache und Wirkung nicht mehr linear und unmittelbar verbunden. Oft gibt es für ein Phänomen ein ganzes Bündel von Ursachen. Und so wird es immer schwieriger, einen zutreffenden Befund zu erhalten. Was wir aber sehen ist, dass es immer weniger Tiere in unserer Umwelt gibt. Vor Kurzem hat mir jemand erzählt, dass laut des WWF-Living Planet Reports 2014 seit meiner Geburt die Hälfte aller Tiere verschwunden sei. In Europa gingen innerhalb der letzten 30 Jahre um die 421 Millionen Vogelindividuen verloren. Diese Zahl ging im November 2014 durch die Presse. Es ist unübersehbar: Wir sind ganz eifrig dabei, die Grundlagen für unser aller Leben zu zerstören.

Darüber kann auch nicht der wieder angesiedelte Storch im Dorf hinwegtäuschen. Aber der ist vielleicht ein guter Anfang und wir können daran lernen, mit unseren Ressourcen wieder sorgsamer umzugehen. Denn die Rückkehr des Storches ist ja ein großartiges Geschenk!

Eine ausgestorbene Tierart kann normalerweise nicht zurückkehren. Der Storch war bei uns „nur“ lokal erloschen. Lassen wir es bei den Staren, Kiebitzen und Feldlerchen nicht so weit kommen. Und freuen uns über die Hasen im Feld, die Wildbienen und Schmetterlinge auf den Blüten und die Spatzen in den Dörfern.