Privater Raum schwer zu finden

Manche springen Seilchen, andere über ihren Schatten. Miteinander auch in Nachbarschaften und Vereinen, soll ein Runder Tisch in Bedburg-Hau förder
Manche springen Seilchen, andere über ihren Schatten. Miteinander auch in Nachbarschaften und Vereinen, soll ein Runder Tisch in Bedburg-Hau förder
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gemeinde Bedburg-Hau und Ausländer-Initiativkreis arbeiten sehr gut zusammen. Runder Tisch folgt. Wunsch ist, eine Etage mehr in „Haus 9“ anzumieten

Bedburg-Hau..  Sehr ruhig und sehr zuversichtlich behandelten Hauptausschuss und Rat in Bedburg-Hau das Thema Flüchtlinge. Sicher, auch hier gibt es die finanziellen Probleme wie überall. Aber hier funktioniert offenbar die Zusammenarbeit zwischen dem „Ausländer-Initiativkreis AIK“ der Pfarre Johannes-der-Täufer und der Verwaltung wirklich gut. Das erfuhr der Rat am Donnerstagabend, und AIK-Vertreter auf den Zuschauerbänken nahmen den Dank der Parlamentarier für ihr ehrenamtliches Tun entgegen. Den Betreuungs-Anteil der Landeszuweisung in Höhe von 6888 Euro reicht die Gemeinde direkt an den AIK weiter. Die Verwaltung will nun mit AIK, Vereinen und Organisationen einen Runden Tisch bilden, um das Miteinander zu verbessern. Der Fachbereich leiste offenbar viel Gutes im Verborgenen, stellte Willi van Beek (SPD) fest.

Laut aktueller Rechnung von Ende April beziehen 86 ausländische Flüchtlinge und Asylbewerber – mit Aufenthaltsgenehmigung, Duldung oder Anerkennung – öffentliche Geldleistungen. Sobald eine Aufenthaltserlaubnis ausgesprochen ist, zahlt nicht mehr die Gemeinde, die Betroffenen beziehen dann Arbeitslosengeld II.

Die Hilfeempfängerzahlen stiegen seit dem Jahr 2011 von 24 Personen kontinuierlich auf 28 und 30, dann in 2014 auf 43 und sprunghaft in diesem Jahr.

86 Personen

Von den nun 86 Personen leben 39 Männer in der Containeranlage Hauer Straße 12. Die war in den 90er Jahren errichtet worden, zuletzt für 640 000 Euro renoviert worden. Auf Wunsch des AIK wurden die grünen Wohncontainer doppelstöckig vergrößert, so dass Einzelzimmer-Belegung möglich wurde. Wenn der Flüchtlingsstrom anhält, können aber die Zimmer mit je zwei Personen belegt werden: Platz für 56 Menschen.

Weitere 42 Personen – Familien und eine alleinstehende Frau – leben in Haus 9 auf Landesklinik-Gelände, Zur Mulde 7. Der Teil des Jugendstilgebäudes war vor acht Jahren für 46 000 Euro renoviert worden. Momentan verhandeln Gemeindeverwaltung und LVR, eine zusätzliche Etage im Haus 9 anzumieten. Auch der Kauf einer weiteren Immobilie wird geprüft. Jeweils abgestimmt mit dem Ausländer-Initiativkreis.

Nur eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie lebt derzeit privat im Föhrenbacheck. Der Anteil von Privatwohnungen solle im Hinblick auf Integration vergrößert werden, wünschten alle Fraktionen. Besonders Asyl-Familien bräuchten privates Wohnen, so Silke Gorissen (CDU). „Wie in allen eher ländlich geprägten Flächengemeinden steht angemessener Wohnraum in Bedburg-Hau nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung“, fürchtet jedoch die Gemeindeverwaltung.

Die Zuweisung der ausländischen Flüchtlinge erfolgt auf der Grundlage eines Berechnungsschlüssels nach Einwohnerzahl und Fläche der Gemeinde. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg wies Bedburg-Hau Flüchtlinge zu: im Jahr 2011 noch vier Personen, in 2012 schon 24 Personen, im vorigen Jahr 48, in diesem Jahr bisher 19. Zehn von ihnen stammen aber aus sogenannten „sicheren Drittstaaten“, insbesondere aus Serbien, Mazedonien, Albanien und dem Kosovo. Deren Anteil an Asyl(folge)antragstellern stieg deutlich. Aber auch wegen der Situation in den Krisengebieten Syrien und Afghanistan sei mit weiterem Anstieg der Flüchtlingszahlen zu rechnen, so die Verwaltung. Für Bedburg-Hau sei eine mögliche Hilfeempfängerzahl von 100 Personen im Laufe des Jahres 2015 durchaus realistisch. Bekanntlich sollen die Asylverfahren beschleunigt werden. Wenn das gelänge, bleiben weniger Personen „im finanziellen Zuständigkeitsbereich“ der Kommunen.