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Pornografie

Pornos unter Schülern weit verbreitet

13.02.2012 | 18:24 Uhr
Pornos unter Schülern weit verbreitet
Keine Seltenheit auf Handys.

Kreis Kleve.   Internet und Handys machen es möglich: Die Jugend im Kreis hat immer früher Kontakt mit pornografischem Material

77 Prozent – so viele Jugendliche am Niederrhein haben laut einer anonymen Umfrage der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Kreis Wesel bereits pornografische Bilder oder Filme gesehen. Insbesondere Jungen haben schon früh Kontakt mit solchem Material.

Siegfried Wolff vom Kreisjugendamt Kleve bestätigt eine Zunahme der Problematik auch für seinen Zuständigkeitsbereich. Seit über zehn Jahren berät er Schüler und Eltern als Jugendschutzfachkraft in Fragen der Mediennutzung. „Früher bin ich in die Klasse sieben gegangen, heute berate ich schon ab Klasse fünf – also zehn- und elfjährige Kinder“, beschreibt er die Entwicklung.

Schon Zehnjährige haben Pornos auf dem Handy

Ein Hauptgrund für den steigenden Konsum pornografischer Materialien bei Jugendlichen liegt in den vereinfachten Zugangsmöglichkeiten über das Internet. 141 Millionen Ergebnisse liefert die Suchmaschine Google alleine für den Begriff „Porno“. Hinzu kommt auch die weite Verbreitung von internetfähigen Handys bei Kindern. Dem Statistischen Bundesamt zufolge besitzen bereits 81 Prozent der Zwölfjährigen Handys. Mit ihnen lassen sich zumeist problemlos Pornofilme aus dem Netz laden und zwischen den Handys austauschen. Eine wirksame Zugangskontrolle zu einschlägigen Seiten existiert indes nicht. Zwar wird dort nach dem Alter der Person gefragt, ein einfacher Klick reicht jedoch aus, um sich Zutritt zu verschaffen.

Die Konsequenzen der schönen, neuen Internetwelt erlebt Siegfried Wolff dann bei den Beratungsterminen in den Klassen: „Durchschnittlich ein bis drei Jugendliche in der fünften Klasse haben pornografische Fotos oder Videos auf ihren Handys.“ Das Problem ist nicht auf bestimmte Schultypen beschränkt. „Hauptschulen haben ebenso damit zu kämpfen wie Realschulen und Gymnasien“, macht Wolff deutlich.

Frühzeitige Aufklärung

Die St.-Martin-Schule in Goch verfolgt im Umgang mit der Handynutzung eine Doppelstrategie. „Wir setzen auf ein konsequentes Handyverbot und Präventionsmaßnahmen mit der Schulsozialarbeiterin und der Polizei, um über die Gefahren aufzuklären“, so Schulleiterin Ulrike Flores.

Ein frühzeitiger und dauerhafter Konsum von Pornos kann Folgen für die Entwicklung der Kinder haben, weiß Nicole Saat von der AWO Kleve. Saat berät Jugendliche und Eltern in Fragen von Liebe und Sexualität. „Gerade junge Kinder können noch nicht einordnen, was sie in pornografischen Filmen sehen. Vielfach halten Kinder das Gesehene dann für real.“ Mit entsprechenden Konsequenzen in ihrem Verhalten. „Eine Verrohung des Umgangs oder sexuelle Übergriffe unter den Jugendlichen können die Folge sein, weil Kinder die Darstellung und das Geschlechterverhältnis im Porno für normal halten“, so Saat.

Schulleiterin Flores sieht hier vor allem die Eltern in der Pflicht, denn: Ob die beschriebenen Folgen tatsächlich eintreten, hängt in erster Linie davon ab, in welchem familiären Umfeld die Kinder groß werden. Erfahren sie Zuneigung, Liebe und Verständnis, gehen sie ganz anders mit diesem Thema um, so Saat. Eltern sollten sich daher für das digitale Leben ihrer Kinder ebenso interessieren wie für ihre Aktivitäten im Sportverein.

Was ist real, was Fiktion?

Voraussetzung dafür, sagt Siegfried Wolff, sei jedoch ein ausreichendes Wissen über die Gefahren im Netz. „Wenn die Eltern verstehen, was dort alles möglich ist, können sie ihr Kind auch wirkungsvoller schützen.“ Ein reines Verbot der Internetnutzung wäre in seinen Augen jedoch der falsche Weg.

„Kinder müssen stark gemacht werden“, rät auch Nicole Saat. „Das bedeutet für die Eltern: Sie dürfen das Thema nicht totschweigen, sondern müssen die aktive Auseinandersetzung mit den Kindern suchen.“

Bastian Linsen

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