Pädagogik auf Kölsch

Georg Hinz probiert neue Formen der Seelsorge.
Georg Hinz probiert neue Formen der Seelsorge.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Georg Hinz probierte als Jugendlicher in der Gocher Liebfrauengemeinde alles aus, was er heute macht: neue Formen der Seelsorge - und: „Loss mer singe“

Goch..  Von seinem Büro aus sieht er den Kölner Dom. Beim Singen hat er die Seelen der Menschen im Blick. Georg Hinz ist ein Scharnier zwischen den Welten, ein Scharnier, das aus Goch kommt. Mit „Loss mer singe“ hat er so etwas wie eine Mitsingbewegung gegründet, ein karnevalistisches Vorglühen der Stimme sozusagen, ein Erfolgsprojekt. Dahinter steht aber eine Mission. Denn Hinz ist Pädagoge, er hat Religionspädagogik in Paderborn studiert, dann Sozialarbeit in Köln und hinterher auch noch Diplompädagogik. Er hat das Kölner Domforum mit aufgebaut, eine Einrichtung der Cityseelsorge, Begegnungs- und Veranstaltungszentrum, aber auch Beratungsstelle. 1995 wusste niemand, ob so etwas Zukunft hat - neue Formen der Seelsorge zwischen Dom und Hoher Straße, zwischen Bahnhof und Konsum.

Mittlerweile gibt es mehrere Abteilungen im Domforum, aus der Improvisation ist eine Organisation geworden. Das allein wäre schon eine spannende Geschichte. Aber das Verblüffende ist, dass sie eine karnevalistische Parallele hat. Denn als Georg Hinz nach Köln kam, lernte er das dortige Liedgut schätzen. Er nahm Kassetten für seine Freunde auf (auch eine Art Mission), aber in den Kneipen wunderte er sich, dass die Lieder, die er toll fand, gar nicht gespielt wurden. Daraus entstand die Idee, Liedtexte zu verteilen und die kölschen Lieder gemeinsam zu singen.

Ableger in Berlin

Beim ersten Mal, im Jahr 2001, funktionierte das auf Anhieb. 2003 gab es sechs „ Loss mer singe“-Veranstaltungen, letztes Jahr waren es über 80, mit Ablegern in Berlin und München. Inzwischen ist die Marke „Loss mer singe“ geschützt, es gibt einen eingetragenen Verein und einen Angestellten, der sich um die Verwaltungsangelegenheiten kümmert. Wieder ist aus der Improvisation eine Organisation geworden. Und wieder geht es Hinz um die Menschen.

Ausprobiert hat er das alles schon in seiner Jugend. Er war Messdiener und Lektor in der Gocher Liebfrauengemeinde, legte hier als DJ Platten auf und leitete Ferienlager für die Kinder der Gemeinde. „Das war die Basis fürs Showgeschäft“, lacht er. Das Religiöse und die Musik haben ja auch mindestens einen gemeinsamen Nenner. Und der besteht darin, andere zu begeistern. Im Karneval kommt dann alles zusammen. Karneval, meint Hinz, sei das Fest der Sehnsüchte.

Man will Grenzen überschreiten, jemand anders sein, frei sein, Gemeinschaft erleben. Die Botschaften der Liedertexte sind daher subtiler, als man meint. „Mit gängiger Musik kann man größere Seelenbewegungen erzeugen“, sagt Hinz. Manche Lieder handeln vom Tod, von der Verbindung zu den Verstorbenen, vom Innehalten, vom Integrieren anderer oder von der Bedeutung der eigenen Individualität. „Das sind verdeckte didaktische Veranstaltungen“, schmunzelt Hinz.

Er selbst ist in Köln längst ein Promi in der Szene. Die Musiker von BAP, die er als Jugendlicher so bewundert hat, stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Seine „Loss mer singe“-Veranstaltungen sind im Nu ausgebucht. Auch sein morgiges Gastspiel in Pfalzdorf (sieh unten) ist natürlich ausgebucht.

Und wie ist das so für einen Gocher Jung mit der kölschen Sprache? „Singen kann ich das gut, ums Sprechen versuche ich mich zu drücken“, gibt Hinz zu. Aber die Kölner sind ohnehin tolerant. Hinz darf sogar als Gladbach-Fan im Kölner Stadion kräftig mitsingen lassen. Aber auf Kölsch. Natürlich.Am Donnerstag, 22. Januar, singen sich die IPK-Narren aus Pfalzdorf mit „Loss mer singe“ und Georg Hinz, im Hotel Auler ab 19.30 Uhr ein. Tickets dafür sind nicht mehr zu kriegen.