Ohne Schnee der bessere Winter

Winteridyll Kreis Kleve
Winteridyll Kreis Kleve
Foto: Andreas Barkow
Was wir bereits wissen
Milde Temperaturen sind für Tiere günstig. Steinkäuze finden problemlos ihre Mäuse-Beute, auch selten gewordene Rebhühner haben bessere Überlebenschancen

Kreis Kleve..  Im Dezember gab es für wenige Tage auch bei uns am Niederrhein Schnee. War es das jetzt schon? Haben wir den Winter hinter uns oder kommt der erst noch? Seit Wochen haben wir so etwas wie Aprilwetter. Viel Regen bei viel zu milden Temperaturen und dazu beinahe stürmische Winde. Das passt in den Herbst. Oder in den Frühling. Aber mit Winter verbinde ich so eine Witterung mal gar nicht. Wie kommen die Tiere damit klar?

Für Wintergäste, wie die am Niederrhein überwinternden Wildgänse aus den arktischen Gefilden, scheint die Witterung optimal. Das Gras auf den Wiesen ist vital und ohne Schneedecke überall gut erreichbar. Man sieht zurzeit tausende von Blässgänsen im gesamten Vogelschutzgebiet. Und auch die Graureiher und weißen Silberreiher haben reichlich zu fressen. Die hohen Wasserstände führen dazu, dass sich die Mäuse und die Maulwürfe im Grünland an den verbliebenen trockenen Stellen konzentrieren. Leichte Beute für Reiher, Bussarde und die Kornweihe, ein weiterer Wintergast aus dem Norden.

Auch die unter Wasser stehenden Wiesen ziehen viele Vogelarten an. So waren in der vergangenen Woche viele Tausend Lach- und Sturmmöwen auf den Flächen im Leege- und Reiherbruch nördlich von Kranenburg versammelt. Die Wiesen- und Wasserflächen bieten Nahrung und reichlich Gelegenheit für ein ausgiebiges Bad zur Gefiederpflege.

Kiebitze noch da

Aber die milde Witterung lässt uns auch Zugvögel beobachten, die in kalten Wintermonaten normalerweise das Vogelschutzgebiet verlassen und weiter nach Süden ziehen. Auf der letzten Rastvogelzählung wurden immer wieder Trupps von Kiebitzen beobachtet. Auch große Gruppen von Staren waren immer noch zwischen Mehr und Kranenburg unterwegs. Offenbar bieten die Wiesenflächen auch im Winter noch genug Nahrung, so dass diese Zugvögel gar nicht weiter ziehen müssen.

Solche Beobachtungen sind in einem Winter mit Frost und Schnee nicht möglich. Aber das heißt nicht gleich, dass die Natur „durcheinander“ sei. Die Vögel sind anpassungsfähig und können die aktuellen Gegebenheiten flexibel nutzen.

Für die Vogelarten, die als Standvögel am Niederrhein überwintern, ist die milde Witterung ein Vorteil. Der Steinkauz, eine kleine für den Niederrhein typische Eulenart, ernährt sich im Winter vor allem von Mäusen und Regenwürmern. In strengen Wintern sterben viele Steinkäuze, weil sie bei lange geschlossener Schneedecke einfach zu wenig Nahrung finden beziehungsweise erreichen können. Auch bei den selten gewordenen Rebhühnern oder anderen Feldtieren ist die Sterblichkeit in harten Wintern besonders hoch. Ökologen und Jäger sprechen von „natürlicher Auslese“, denn in der Regel sterben vor allem die schwachen und kranken Tiere.

Auch Mücken überleben

So schön wie verschneite Landschaften auch sind – für viele Tiere sind milde Temperaturen verbunden mit einem günstigen Nahrungsangebot die „besseren“ Winter. Das schließt auch verbesserte Überlebensmöglichkeiten für viele Insekten mit ein.

Oft merken wir noch im Frühling und Sommer wie mild der Winter war: Mücken schon beim ersten Grillabend und Wespenbesuche beim Kuchenessen auf der Terrasse zeugen davon.