„Noten für Pflegeheime sind der größte Dülles“

Karl Josef Laumann sprach im Gocher Kastell.
Karl Josef Laumann sprach im Gocher Kastell.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Staatssekretär Karl Josef Laumann kündigte in Goch Änderungen bei der Pflegeversicherung an

Goch..  Wenn jemand in einem Pflegeheim Medikamente vertauscht, ist das eine schlimme Sache. Zumindest für die betroffenen Pflegebedürftigen. Aber nicht unbedingt für die Benotung des Heims. Denn eine schön gedruckte Speisekarte kann das Manko mühelos ausgleichen. „Und das Essen muss noch nicht mal schmecken“, ärgert sich Karl Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium.

Bürokratie ist nicht zum Aushalten

Auf Einladung der Gocher CDU-SeniorenUnion und des CDU-Stadtverbandes Goch war der westfälische Politiker ins Kastell gekommen, um hier vor etwa 80 Zuhörern über den Stand der Pflegeversicherung zu referieren. Dabei nahm er wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. „Pflegenoten sind der größte Dülles, den es in Deutschland gibt“, sagte er.

Aber ein Umbau des Benotungssystems ist nur einer der vielen Punkte, die die Bundesregierung in Angriff nehmen will. Die gesamte Dokumentation soll einfacher werden, weil sie zu viel Zeit kostet. Laumann: „Wir müssen an die Bürokratie ran, denn die ist manchmal nicht zum Aushalten.“ Ferner: Die Ausbildung für Kranken- und Altenpfleger soll zusammengelegt werden. Und noch in diesem Jahr geht es um die Definition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit: „Heute kommen diejenigen zu kurz, die zwar noch etwas können, aber vergessen, das auch zu tun.“ Menschen mit Demenz müssten deutlich besser gestellt werden.

Bereits in Kraft ist die Verdoppelung der Sätze für die Tagespflege. „70 Prozent aller Menschen in der Pflegeversicherung leben zuhause“, sagte Laumann. Weil in der mittleren Generation Männer und Frauen gleichermaßen arbeiteten, müsse es analog zur Kinderbetreuung auch Angebote für Pflegebedürftige geben. Viele säßen den ganz Tag alleine zuhause. „Die nehmen Einsamkeit in Kauf, um zuhause bleiben zu können“, so Laumann. Man müsse Möglichkeiten schaffen, dass sie in Gemeinschaft leben könnten.

Zudem sei ambulante Pflege natürlich auch günstiger als stationäre. Aber nicht in der Finanzierbarkeit sieht Laumann das größte Problem der Zukunft. Sondern: „Schon in zehn Jahren brauchen wir 25 Prozent mehr Pflegekräfte als heute.“ Würden alle Pflegebedürftigen in Heimen untergebracht, müsse man schon jetzt mehr als eine Million zusätzliche Pflegekräfte haben. „Woher sollen die eigentlich kommen?“, fragte Laumann.

Das Problem fängt erst an

Er appellierte an die Kommunen, zusammen mit den Pflegediensten nach Grundstücken zu suchen, in denen Tagespflegeeinrichtungen entstehen könnten. Zu verändern gibt es eine Menge. Dabei, stellte der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Günther Bergmann fest, fange das demographische Problem doch erst an.