"Noch können wir es uns leisten"
15.12.2008 | 18:44 Uhr 2008-12-15T18:44:00+0100Das Theaterangebot bleibt bestehen. Bei Sonderveranstaltungen sucht man noch den Zuschauergeschmack.
KLEVE. Hätte der Zauberer Wittus Witt durch seine Magie Zuschauer verschwinden lassen wollen, es wäre wohl keine große Herausforderung gewesen. Schließlich wären nicht viel mehr als ein Dutzend Gäste zur Zaubershow erschienen. Aber Stephan Derks vom Kulturamt hat die Sonderveranstaltung, die am Samstag 420 Plätze im Saal der Stadthalle hätte füllen können, abgesagt. „Im Vorverkauf sind nur neun Karten weggegangen.” Dieses Beispiel zeigt: Auf der Suche nach den Publikumsmagneten „bohren wir dicke Bretter”, sagt Kulturamtsleiterin Annette Wier.
Mit einem neuen Kulturprogramm hatte sich das Amt in dieser Saison für weniger Theater entschieden - statt zehn nur sechs Stücke für Erwachsene in einer Spielzeit. Mit dem eingesparten Geld sollten Sonderverstaltungen außer der Reihe wie die Schau des Magiers Witt das Angebot bereichern.
Warum diese so wenig wahrgenommen werden? Stephan Derks meint: „Die Bürger glauben, alles, was die Stadt anbietet, kann nicht gut sein.” Man renne da gegen Vorurteile an. Wieso die Zaubershow oder die Lesung zu Wilhelm Busch floppten, darauf könne er sich noch keinen Reim machen.
Service zum Nulltarif
250 Besucher hatte das klassische Erwachsenentheater im Schnitt in dieser Saison - in der letzten Spielzeit waren es durchschnittlich knapp 270. Dieser Kulturbereich sei schon immer ein schweres Feld gewesen. Aber: „Als Kommune sehen wir unsere Aufgabe in der Theaterversorgung”, so Wier. Dieser werde gerne auch schon mal mit anspruchsvoller Kost erfüllt. „Noch können wir uns das leisten.”
Ganz anders: das Kindertheater . „Damit sind wir vollauf zufrieden”, sagt Wier. Im Schnitt schauen 350 Kinderaugenpaare zu. Zudem sei durch die Umstellung auf das moderne Ticketsystem der Vorverkauf gestiegen. Und da glänzt man schon mal mit einem Extra-Service - bisher noch zum Nulltarif: „Wer keine Zeit hat, sein Ticket im Rathaus oder im Bürgerbüro abzuholen, dem schicken wir das Ticket auch nach Hause”, erzählt Stephan Derks.
Wie und welche Sonderveranstaltungen man zukünftig in das Kulturprogramm einbinden möchte, ist bisher nicht klar: „Wir haben den Weg noch nicht gefunden”, sagt Amtsleiterin Annette Wier. Ein Versuch ist auch das Musikkabarett „Der Spitzenverkäufer Heinrich Topp” kommenden April. Der Comedy-Markt hingegen sei durch Bruno Schmitz abgedeckt. „Da wollen wir auch nicht in Konkurrenz treten”, so Wier.
„Die Kooperation mit der Stadt hat bei dem Comedy-Herbst hervorragend geklappt”, freut sich Bruno Schmitz vom Kulturbüro Niederrhein, „wir werden die Reihe auch im nächsten Jahr fortsetzen. Nach Dr. Stratmann und Hennes Bender wird am heutigen Dienstagabend das Berliner Improvisationstheater Springmaus in der Stadthalle ab 20 Uhr gastieren.
Tickets gibt es bei der NRZ, Hagsche Straße 45, in Kleve für 18 Euro und an der Abendkasse.
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