Nicht Basteln – Bauen!

Franz Sanders baut prächtige Miniaturhäuser und Städte in seiner Klever Villa an der Tiergartenstraße.
Franz Sanders baut prächtige Miniaturhäuser und Städte in seiner Klever Villa an der Tiergartenstraße.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Architektur ist Kultur. Sagt Franz Sanders Sen., Juwelier und Uhrmachermeister aus Kleve, der in seiner Villa Miniatur-Städte voller Symbolik und Geschichten erbaut

Kleve..  „Der Herrgott hat uns so geschaffen, wie wir sind. Vielfältig, individuell.“ So begrüßt der 90-jährige Franz Sanders Sen. in seiner Villa an der Tiergartenstraße die Besucherin, die angesichts der prächtigen Miniaturstädte im Sanders-Haus aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. „Architektur ist Kultur. Kultur der Schönheit. Oder sollte es sein. Doch sehen sie sich die seelenlosen Bauten heutzutage an...“ Der grauhaarige Mann mit dem wachen Geist im unglaublich agilen Körper geht nur leicht gebeugt. Aber zu keiner Zeit sieht er aus, als ruhten 90 Lebensjahre auf seinen selbstbewussten Schultern.

Erschaffene Parallelwelt

Und er zeigt voller Stolz auf die von ihm erschaffene Parallelwelt im Miniaturformat 1:40. Herrlichste Architektur fügt sich zu Traumhäusern, -siedlungen und Städten zusammen. „Sähen wir heute so aus, wie die moderne Architektur, dann hätten wir alle eckige Gesichter und keinen Ausdruck darin. Aber so hat uns der liebe Gott nicht geschaffen.“ Das betont er sehr energisch. Es ist Philosophie seines schon jahrzehntelangen Tuns als „Indoor“-Bauherr. Denn das ist er zweifellos, ein Erbauer. Kein Bastler. Würde der Besucher letztere Bezeichnung für das Wirken des Architekten, Statikers und Baumeisters Sanders nutzen, würde er sämtliche Sympathiepunkte verspielen.

Das wäre dumm, denn das kostbare Innenleben der auch von außen prächtigen Villa ist einmalig und Franz Sanders Sen. hat viel zu erzählen. Wenn er es will. Von den Anfängen seiner Baukunst mit fünf Jahren, als er Kriegsschiffe baute. „Meine Eltern sagten immer: Wenn du Spielzeug möchtest, dann baue es dir.“ Gesagt getan. Mit acht Jahren erbaute er für seine Eisenbahn eine ganze Bahnhofswelt, die heute mehr als 40 Quadratmeter einnimmt. Unvergleichlich einzigartig sind jedoch seine Villen-Landschaften, die bis ins kleinste Detail ausgeschmückt sind und wo alles eine Bedeutung hat. Auch jede der rund 200 individuellen, selbstgeschnitzten Figuren. Oder die Zahl 5, die für seine Familie (die verstorbene Ehefrau, zwei Söhne und eine Tochter) steht. Es gibt Friedhöfe, Gruften, Kunstgalerien, Cafés in seiner großen Miniaturwelt. Auch einen Dreifaltigkeitsdom, vor dem Menschen und Tiere platziert sind. Die Villen und Domlandschaften im Stil italienischer Baukunst spiegeln nicht nur das Talent des Juweliers und Uhrmachermeisters, sondern auch seine immer währende Sehnsucht nach Schönheit und Vielfalt. „Kunst ist das Sichtbar- und Hörbarmachen von Gedanken und Ideen“ sagt der Bauherr und Künstler Sanders. Und in seinem Fall sind es durchweg schöne Ideen und Gedanken. Voller Symbolik und lebendiger Geschichten.

Geschichten aus einem langen, reichen Leben, an denen Franz Sanders Sen. interessierte Besucher schon mal teilhaben lässt.