Neues über den Schlaganfall

Dr. med. Christoph Baumsteiger, Chefarzt Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie Föhrenbachklinik LVR Bedburg-Hau
Dr. med. Christoph Baumsteiger, Chefarzt Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie Föhrenbachklinik LVR Bedburg-Hau
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Rund 100 Neurologen und Internisten und Rettungsdienstler beschäftigen sich am Samstag mit Diagnostik und Therapie

Bedburg-Hau / Kreis Kleve..  Es gibt tatsächlich jedes Jahr etwas Neues zum Thema Schlaganfall. Dr. med. Christoph Baumsteiger, Chefarzt der Klinik für Neurologie, will dieses Wissen gern und aktuell an die Kreis Klever Hausärzte weiter geben. Fachkundige sind eingeladen zum 14. Symposium „Schlaganfall Neues zu Diagnostik und Therapie“ am Samstag, 30. Mai, ab 9 Uhr ins Gesellschaftshaus der LVR-Klinik Bedburg-Hau. (Progrmam siehe Box). Insgesamt werden rund 100 niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte, insbesondere Neurologen und Internisten, sowie Mitarbeiter/innen der Rettungsdienste aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Die geladenen Referenten beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema und präsentieren den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion. „State of the art“ aus erster Hand, so Baumsteiger.

Bei Schlaganfall zählt jede Sekunde. Erfolgt der Notruf 112 sofort, kann innerhalb der ersten drei Stunden in einer neurologische Fachabteilung – wie der Föhrenbachklinik in Bedburg-Hau – geholfen werden. Nach viereinhalb Stunden sind Folgen nicht mehr rückgängig zu machen.

Kooperation mit Nimwegen

Weil die Zeit so drängt, hat Baumsteiger mit der Radboud-Klinik in Nimwegen das Abkommen, dass dort, wenn nötig, die Kopfuntersuchungen übernommen werden – für den Südkreis lägen Krefeld und Duisburg-Wedau näher.

Dr. Baumsteiger ist fasziniert von den wachsenden Möglichkeiten zu heilen, „Fälle, die uns sehr motivieren“. So beispielsweise, bei der Trombosektomie nun auch größere Verstopfungen im Gehirn mit Katheter zu operieren. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Prof. Dr. Dr. Ringelstein aus Münster bereits mit dieser Dissektion (Aufspaltung arterieller Gefäßwandschichten). Auch die Palliativmedizin nimmt immer breiteren Raum ein, nicht nur bei Tumorpatienten, sondenr auch bei Hirninfarkt. „Eine Denkweise, die oft zu kurz kommt“, so Dr. Baumsteiger. „Die Aufmerksamkeit muss nicht darauf liegen: Was kann der Patient nicht mehr, sondern, was kann er noch?“ beschreibt es der Chefarzt.

Er appelliert an Patienten, auch kleine Anzeichen ernst zu nehmen: Hängender Mundwinkel, Erlahmung eines Armes, einer Körperseite, Sichtfeld-Ausfall, Sprachstörungen. Manche Patienten können zwar sprechen, aber nicht mehr lesen und schreiben, auch solche selteneren Auswirkungen thematisiert das Symposium.

Die Durchblutungsstörung, also der Hirninfarkt, ist bei vier von fünf Patienten die Ursache für einen Schlaganfall. Dafür verantwortlich können Kalkablagerungen im Gefäß sein (Arteriosklerose) oder Blutgerinnsel im Herzen, die sich plötzlich lösen und im Gehirn Gefäße verschließen (= Embolien).

Risikopatienten

Risikopatienten haben erhöhten Blutdruck, rauchen, sind übergewichtig, haben wenig Bewegung. Eine Gefäßaussackung, ein Aneurysma, aber ist angeboren und kann zu einem späteren Zeitpunkt im Leben platzen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 250 000 Menschen an einem Schlaganfall, was oft dramatische Folgen auch für deren ganze Familien hat. Die Menschen werden immer älter, das Krankheitsbild immer häufiger. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Aber auch junge Menschen und sogar Kinder können betroffen sein.