Neue Windflächen im Reichswald

Hannah Janßen, Dirk Posdena und Jürgen Rauer stellen den neuen Entwurf für den Flächennutzungsplan Kleve vor.
Hannah Janßen, Dirk Posdena und Jürgen Rauer stellen den neuen Entwurf für den Flächennutzungsplan Kleve vor.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Der neue Flächennutzungsplan für Kleve sieht eine Ausweisung von 140 Hektar Waldflächen für Windenergieanlagen vor. Gut 10 Neubaugebiete dürfen entstehen

Kleve..  Das wird vermutlich ein spannender Abend. Der neue Entwurf für den Flächennutzungsplan der Stadt Kleve beinhaltet einige Punkte, die durchaus für regen Gesprächsstoff sorgen werden. Nach einer umfassenden Bürgerbeteiligung in 2013 und einer intensiven Abstimmung mit der Bezirksregierung wird am Donnerstagabend den Bürgern das vorläufige Ergebnis präsentiert. Die städtischen Planer Jürgen Rauer, Dirk Posdena und Hannah Janßen erläutern im Gespräch mit der NRZ, wo die kritischsten Punkte liegen.

140 Hektar Waldfläche

Allen voran: das Thema Windkraft. Im Entwurf für den Flächennutzungsplan (FNP) sind mehrere große Suchräume für Windenergieanlagen im Reichswald ausgewiesen (siehe Grafik, rote Flächen). Insgesamt geht es um 140 Hektar, die in Kleve potentiell geeignet sind. Zum Vergleich: Die Konzentrationszone in Kranenburg umfasst gut 206 Hektar. Hannah Janßen, die das Planverfahren inhaltlich begleitet, betont, dass letztlich nicht alle Flächen in Betracht kommen, da man noch keine detaillierte artenschutzrechtliche Begutachtung vorgenommen habe. Aber eine Vorprüfung habe die zur Abstimmung vorgestellten Suchräume ins Auge gefasst. Es handele sich ausschließlich um Nadelwald.

Eine Konzentrationsfläche für Windenergieanlage soll an der Engelstraße in Reichswalde eingerichtet werden. Hier könnten bei intelligenter Steuerung drei Anlagen errichtet werden, so Dezernent Jürgen Rauer. Die Bezirksregierung habe für diesen Standort bereits Einverständnis signalisiert. Die großen Suchräume im Reichswald stehen noch unter Vorbehalt: „Hier muss sich auch die Landesregierung als Eigentümer des Reichswaldes entscheiden“, sagt Planer Dirk Posdena.

Weitere Möglichkeiten für Windräder gibt es im Klever Stadtgebiet nicht mehr. Die Niederung wolle man schützen. Hier steht der Vogelschutz an oberster Stelle. Die bereits bestehenden Anlagen in Brienen hätte zwar Bestandsschutz, aber es gibt keine Möglichkeit der Erneuerung. Die angedachte Anlage der USK soll über eine Sondergenehmigung errichtet werden.

Ein weiterer Knackpunkt ist das Thema Wohngebiete. Hier gibt es viele kleine Flächen, die mit der Bezirksregierung abgestimmt werden müssen. Insgesamt darf die Stadt Kleve zehn bis zwölf neue Wohnbaugebiete ausweisen. Dafür stehen 30 Hektar neue Bauflächen zur Verfügung. Die größten Bauvorhaben sind in Kellen, Materborn und Rindern geplant. Die angedachten Siedlungsbereiche für Reichswalde wurden gänzlich aus dem Plan gestrichen. Das waren immerhin 40 Hektar. Ziel sei es, die innerstädtische Entwicklung zu fördern und in den Außenbereichen nur da Neubauten zuzulassen, wo sie nicht zu sehr in die Landschaft ausufern.

Reizthema Querspange

Ein Reizthema dürfte sicherlich auch die Querspange werden. Die Straßenverbindung zwischen Rindern und Donsbrüggen, die fast parallel zur Eichenallee verläuft, wurde als Option in den FNP eingearbeitet. Jürgen Rauer betont allerdings, dass damit kein Baurecht geschaffen werde. Die B9neu habe auch 40 Jahre im FNP gestanden und sei nie gebaut worden.

Die Verwaltung rechnet damit, dass die Politik im Frühjahr 2016 über den Plan abstimmen kann. Ob die Bezirksregierung den Plan dann auch sofort genehmigt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Da auch der Landesentwicklungsplan noch in Arbeit ist, müssen einige Details noch abgestimmt werden.

Die Informations-Veranstaltung ist am Donnerstag um 19 Uhr in der Stadthalle. Die Offenlage für Anregungen und Einwände erfolgt im Juli und August. Danach wird die Verwaltung diese Beiträge erneut einarbeiten.