Neue Arme für die Niers

Die Vertreter des Niersverbandes: Wilfried Manheller, Jörg Langner und Sven Nichoj
Die Vertreter des Niersverbandes: Wilfried Manheller, Jörg Langner und Sven Nichoj
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Bei einer Bürgerversammlung in Kessel stellten Vertreter des Niersverbandes die Pläne für die Renaturierung der Niers vor

Goch-Kessel..  Die Bürger sollen von dem Projekt am meisten haben, versprach Dr. Wilfried Manheller vom Niersverband. Das Projekt: Die Renaturierung der Niers an zwei Stellen in Kessel, an der Kranenburger Straße und am Romberg. Außerhalb offizieller Genehmigungsverfahren hatte der Verkehrs- und Heimatverein Kessel zu einer (bestens besuchten) Bürgerversammlung in den Spargelhof Ophey geladen. Trotz teils gereizter Stimmung, kam es doch nicht zu detaillierter Kritik an den vorgestellten Plänen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

„Wir wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, erklärte Sven Niechoj von der Abteilung Gewässerentwicklung des Niersverbandes. Einmal geht es darum, Stauraum zu schaffen. Und dies, ohne teure Rückhaltebecken zu bauen, die man unterhalten muss. Vielmehr will man dem Fluss Raum zurückgeben, indem man ihn schlängelt und ihm mehrere Gewässerarme verschafft. Zweitens soll gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie das Gewässer selbst besser werden. Dies kann man erreichen, indem innerhalb der neuen Aue-Flächen Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen.

Zu diesem Zweck will der Niersverband frühestens ab Ende 2016 insgesamt 85000 Kubikmeter Erde aus den beiden Flächen abfahren lassen. Denn die betroffenen Gelände werden bis zu 2,70 Meter vertieft. Ganz so einfach ist die Sache allerdings auch wieder nicht. „Wir planen nur auf Flächen, die uns selbst gehören“, erläuterte Niechoj. Weil beispielsweise ein Besitzer sein Grundstück am Romberg nicht verkaufen wollte, werden nun Renaturierungsgebiete zu beiden Seiten entstehen. Außerdem muss der Verband Rücksicht auf seine eigene Messstelle nehmen und darum einen relativ großen Flussbereich in seiner bisherigen Bahn fließen lassen. Zudem muss man auf Leitungen, Straßen und Bodendenkmäler Rücksicht nehmen.

Und auf die Kanuten. Die könnten aber weiterhin unbeschwert ihrem Hobby nachgehen, meinte Fachbereichsleiter Jörg Langner. Lediglich während der Baumaßnahmen können sie nicht weiterfahren. Für diese Zeit wird man einen alternativen Landungssteg planen. Für Spaziergänger ändert sich folgendes: Ein Spazierweg muss dem neuen Flussbett angepasst werden. Zur Kritik: Mangelnde Absprachen mit der niederländischen Seite; Ängste, die Niederländer erhöhten die Deiche und hier gebe es mehr Hochwasser; Angst vor steigenden Gebühren. Befürchtungen, ob es nachher schäbig aussieht wie an manch anderen Stellen an der Niers....

Wie so eine künstliche Aue wirklich aussieht, kann man zum Beispiel in Pont sehen. Dort sind die Arbeiten schon lange ausgeführt. Jetzt arbeitet dort die Natur.