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Neujahrsfest

Nein, Sie kommen jetzt!

12.02.2012 | 17:07 Uhr
Nein, Sie kommen jetzt!
Hakja Schmemuth führte Regie beim großen Fest. Hier dankt sie der Minigarde der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß.

Kreis Kleve / Goch.  Koreanisches Neujahrsfest. Eleganz trifft niederrheinischen Humor bei Oktopus-Salat und zehn Kilo Klebreis

Zu allererst: Saehae Bok Manhi Bateuseyo und Helau! „Frohes Neues Jahr“ und Helau. Bisher passten diese Ausrufe höchstens zusammen, als die Prinzenkür auf den Silvesterabend fiel, doch ein mehr als gelungener Samstagabend in den Räumen der Arnold-Janssen-Kirche bewies, dass Helau und Frohes Neues sehr gut miteinander funktionieren. Dort begrüßten rund 100 Koreaner aus dem Kreis Kleve mit ihren Freunden und Familien (die NRZ berichtete) das Jahr des schwarzen Drachen. Mit bombastischem Buffet. Mit Karaoke. Mit Gocher Prinzengarde.

Letztere kostete die quirlige Organisatorin und Vorsitzende des Verbands Hakja Schemuth einige Nerven. Schließlich hatte sie alles so schön durchgeplant und musste erfahren, dass die schwarz-rote Truppe erst eine halbe Stunde später als erwartet die Feier besuchen könne. Da stemmt die kleine Frau, die in ihrer rosafarbenen Tracht, dem Hanbok, so lieblich wirkt, die Hände in die Hüften und redet mit der Viktoria-Abordnung Klartext: „Nein, Sie kommen jetzt! Wir haben Essen gemacht“.

Kultur weitergeben

Da kann man natürlich nicht nein sagen. So plante die Garde kurzerhand um, verschob einen Termin in Keppeln und bereute diese Entscheidung nicht.

Denn, wer einmal in den Genuss der koreanischen Gastfreundschaft kommt, der hat sein Leben lang etwas zu erzählen. Zum Beispiel über das Essen. „Essen ist in unserer Kultur wichtig“, sagt Schemuth und deutet mit großer Geste auf ein Paradies aus exotischen Speisen. Koreanisches Sushi, Oktopus-Salat, scharf eingelegtes Schweinefleisch…

Hakja Schmemuth liebt es, ihre deutschen Freunde an diesem Gaumenschmaus teilhaben zu lassen. „Den Reiskuchen sollten Se nur probieren, wenn Se gerne Gummi essen“; mischt sich ihr Ehemann Robert ein. Niederrheinisch platter Humor und koreanische Eleganz haben sich längst vermischt, aber nicht gegenseitig verdrängt, darauf legen die Verbandsmitglieder Wert.

„Wir können durch solche Feiern unsere Kultur nicht nur an unsere deutschen Freunde weitergeben, sondern auch an unsere Kinder. Sie müssen unsere Traditionen fortführen, damit sie nicht verloren gehen“, betont Hakja Schemuth und ist schon wieder verschwunden. Sie ist damit beschäftigt, die Menschen um sie herum glücklich zu machen, sie zu beschenken, zu umarmen, zu versorgen.

Kein Wunder, dass es an diesem bunten Abend eine Tombola gibt. Geschenke und Gewinne – darüber freuen sich alle Gäste. Wenn ein Los gewinnt, wedeln sie mit ihren Papier-Fähnchen, die die koreanische Flagge zeigen. Zu gewinnen gibt es 10-kg-Säcke Klebreis, kartonweise Instant-Nudel-Gerichte. Das amüsiert die Gocher sehr. Manche Klischees stimmen eben doch. Einer der koreanischen Gäste lehnt sich zu dem erstaunten Reis-Gewinner rüber und witzelt mit starkem Akzent: „Vielleicht gibt’s ja auch einen Sack Kartoffeln“.

Humor ist nur eine kleine Zutat auf dem Weg zu einer gelungenen Integration. Die eigene Kultur zu bewahren, ist eine andere. So trommelte die Gruppe Du-Re aus Bochum mit erhabener Körpersprache und beeindruckender Eleganz, um die bösen Geister zu vertreiben. In einer besonders aufwendigen Tracht schwebten sie zum traditionellen Tanz Seoung-ju Puli über die Bühne. Den deutschen Gästen blieb am Ende nur zu sagen: Kamsahamnida - Vielen Dank.

Stefanie Männchen

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