„Nationales Naturerbe“ in Kleve

Weite Wiesen, die man auch betreten darf – der ehemalige Truppenübungsplatz Materborn.
Weite Wiesen, die man auch betreten darf – der ehemalige Truppenübungsplatz Materborn.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
103 Hektar ehemaliger Truppenübungsplatz Materborn dürfen Wiese und Wald bleiben, meldet die Bundesumweltministerin. Naherholungsbereich, wo man Kinder laufen lassen kann

Kleve..  So ein bisschen Mittelgebirgs-Flair. Sanfte Wiesen-Hügel, gesäumt von Tannen und Buchen, weit, sehr weit schweift der Blick. Kein Haus zu sehen. Das ist ... Materborn. Spaziergänger mit und ohne Kind, Hund, Pferd kennen diese Oase hinter der Nimweger Straße. Das ehemalige Truppenübungsgelände der Bundeswehr. Jetzt gehören hier 103 Hektar zum „Nationalen Naturerbe“. Die Bundeswehr, die vorher Einwände dagegen erhob, zeigte sich gegenüber Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks jetzt einverstanden, die bundeseigenen Flächen der Natur zurück zu geben. „Mit dem Truppenübungsplatz Materborn und dem Bundeswehrdepot Herongen wurden gleich zwei ehemalige Bundeswehrstandorte im Kreis Kleve zum Nationalen Naturerbe erklärt“, freut sich Barbara Hendricks, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis und zuständige Bundes-Umweltministerin.

Bis 2008 waren Soldaten aus der Kaserne Emmerich hier durch Sandkuhlen und im Herbst durch Matsch gerobbt. Sobald die Flaggen an den Zuwegen wehten, durfte kein Spaziergänger mehr durch – Lebensgefahr. Doch das ist vorbei.

Schon seit ein paar Jahren hatte die Stadt Kleve touristisches Interesse am herrlichen Gelände bekundet. Der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehören dort oben ganze 250 000 Quadratmeter. Zur aktuellen Nachricht konnte gestern die Stadtverwaltung aber noch keinen Kommentar abgeben.

Beschlossen wurden die neuen Flächen des Nationalen Naturerbes vorige Woche im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. „Künftig dürfen diese Flächen nicht mehr privatisiert werden. Wir geben sie stattdessen der Natur zurück“, unterstreicht Hendricks. „Ich freue mich über die Entscheidung“ fürs „Naherholungsgebiet zwischen Materborn und Nütterden“. Es kämen dort „Magerkeitszeiger“ auf den nährstoffarmen Wiesen vor wie Ferkelkraut, Knollen-Hahnenfuß, Vogelfuß, Gras-Sternmiere“ und wichtige Ufervegatation an – zurzeit ausgetrockneten – Stillgewässern.

Andreas Barkow vom Naturschutzbund in Kranenburg: „Es gibt zwar nicht wirklich seltene Arten dort, aber es ist sehr selten, stadtnah einen solchen Offenbereich zu finden. Magere Wiesen, die seit Ewigkeiten nicht gedüngt wurden. Mit dem Glück, dass man sie sogar betreten darf. Es gibt keine privaten oder naturschutzrechtlichen Einwände, Kinder laufen zu lassen“, schwärmt er. „Ein kostenfreier und trotzdem wert-geschätzter Naherholungsbereich“. Aber er mahnt, dass man das Areal zwar der Natur zurück geben, es ihr aber nicht überlassen sollte. Denn „Wiese verbuscht“ mit Weiden, Birken, Ebereschen, Rotbuchen. Es müsse also entweder von Wanderschafen beweidet oder gemäht werden. „Sonst wächst einem alles um die Ohren. Sandflächen, Tümpel, Wiesen sind dann weg.“ – Übrigens: Neue Eigentümerin der Naturerbeflächen in Herongen wird die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.