Nach dem Sturm

In der Naturwaldzelle am Geldenberg schaffen umgefallene Bäume.
In der Naturwaldzelle am Geldenberg schaffen umgefallene Bäume.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Auch im Reichswald wurden durch „Niklas“ größere Bäume entwurzelt. Der Wind schafft mit seiner Kraft neue Lebensräume für Tiere und Insekten

Kleve/Kranenburg.. „Ich liebe jenen Tag, wo ich beim Aufsteh’n deutlich spür’,

Wenn Du jetzt vor die Tür trittst, steht der Frühling vor der Tür.

Mit Stürmen und mit Drängen kam er plötzlich über Nacht.

Und nun weht hier sein blaues Band und zwar mit aller Macht.“


Wie schön lyrisch und musikalisch untermalt hat Reinhard Mey den stürmischen Frühlingseinzug so um 1980 herum besungen! Als hätte er das tagelange Rütteln des Frühlingsbeginns 2015 damals schon erahnt. Hat er natürlich nicht, klar. Aber wir erahnen, dass trotz der Erfahrungen der letzten Woche so ein Frühlingswind nicht allzu außergewöhnlich ist. Und doch: Heftig war’s. Der Frühjahrssturm „Niklas“ hat allerlei Schaden angerichtet. Zum Glück blieb es überwiegend bei kleineren Sachschäden.

So auch im Reichswald. An manchen Stellen sind doch auch größere Bäume entwurzelt oder abgebrochen und zu Boden gegangen. In den Bereichen, die ich gesehen habe, waren auch alle häufigen Baumarten betroffen: Fichten und Kiefern ebenso wie Buche und Eiche. Ein vom Sturm umgerissener Baum stellt für den Förster zunächst einmal eine Gefahr dar. Es ist erstaunlich, wie schnell die Forstleute im Reichswald reagiert haben und quasi schon im Abklingen des Frühjahrssturms mit der Räumung der Wege beschäftigt waren. Schon einen Tag später waren quasi nur noch Zweige und kleinere Äste auf den Wegen zu finden.

Im Nutzwald stellt Windbruch zudem einen Schaden dar. Meist ist das Holz nicht mehr gut zu verkaufen, die Aufarbeitung kostet Zeit und damit Geld und ist oft nicht wirtschaftlich. Im Naturschutzgebiet Geldenberg und erst recht in der Naturwaldparzelle am Geldenberg kann man Sturmschäden auch anders bilanzieren. Hier schafft der Wind mit seiner Kraft neue Lebensräume. Alte verzweigte Buchen haben bei dem Sturm starke Äste in großer Höhe verloren. An den alten Astgabeln werden sich an den frischen Wunden bald Höhlen bilden, die Unterschlupf für Tiere bieten. Je nach Größe sind Waldkauz, Dohle, Hohltaube oder auch Kleinvögel und Fledermausarten darauf angewiesen und werden die „geschädigte“ Buche weiterhin zu schätzen wissen. Es ist deshalb gut, auch solche Sturmbäume stehen zu lassen

Einige Buchen und auch eine Eiche habe ich gesehen, die haben quasi ihre gesamte Krone verloren. Da standen jeweils nur noch die Stämme. Auch solche „Baumleichen“ sollten unbedingt im Wald stehen bleiben. Ohne Chance jemals wieder auszutreiben, werden diese Stämme als so genanntes „stehendes Totholz“ ein wichtiger Lebensraum für viele Insektenarten werden. Wenn das Holz alt und morsch ist, wird es von Pilzen besiedelt und viele Käfer entwickeln sich in ihren Larvenstadien unter der Rinde und auch im Kernholz. Diese „fetten“ Larven sind dann wiederum wichtige Nahrung für Spechte. Man sieht: Im Wald verkommt nichts. Jeder Organismus ist gleichzeitig Nutzer und Nutzen für andere.

Neuer Lebensraum

Selbst – oder sollte ich besser sagen gerade – im artenarmen Fichtenforst sind die frisch umgefallenen Fichtenkronen auf dem Boden ein willkommener Lebensraum im sonst so strukturarmen „Erdgeschoss“ des Fichtenbestandes. Ein Zaunkönig verteidigt aufgeregt und heftig zeternd sein wohl gerade erst erobertes Revierzentrum: In der Fichtenkrone hat er einen hervorragenden Platz gefunden, um sein bevorzugt bodennahes Nest zu bauen.