Nabu zerpflückt Gutachten

Über den geplanten Windpark am Kartenspielerweg wird zurzeit intensiv diskutiert.
Über den geplanten Windpark am Kartenspielerweg wird zurzeit intensiv diskutiert.
Foto: Andreas Gebbink
Was wir bereits wissen
Naturschutzbund und Natuurmonumenten weisen zahlreiche Mängel bei der Erstellung der Fachgutachten für die zwölf Windenergieanlagen im Reichswald auf

Kleve/Kranenburg..  26 Seiten umfasst die gemeinsame Stellungnahme des Nabu-Kreisverbandes Kleve und der niederländischen Umweltorganisation Natuurmonumenten zum Antrag auf Errichtung von zwölf Windkraftanlagen am Kartenspielerweg. Die Meinung der Umweltverbände ist eindeutig: Das geht so gar nicht.

Wie mehrfach berichtet, gibt es im Zusammenhang mit dem Windpark zwei wesentliche Verfahren: Die Änderung des Flächennutzungsplanes zur Errichtung einer Konzentrationsfläche und die eigentliche Beantragung der Windräder nach dem Bundes-Imissionsschutzgesetzes (BImSchG). Die vorliegende Stellungnahme der Umweltverbände bezieht sich auf Bimsch-Verfahren

Volkhard Wille, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes, ist überrascht über die starke öffentliche Diskussion: „So eine breite Unterstützung für den Naturschutz haben wir im Nordkreis Kleve noch nicht gehabt“, sagt Wille im Gespräch mit der NRZ. In der Stellungnahme schreibt er, dass das öffentliche Interesse am Erhalt des Landschaftsraumes Reichswald so groß sei, dass man den Wald nicht der geringen Vorteile eines einzelnen Windparks opfern dürfe.

Nabu und Natuurmonumenten weisen in zahlreichen Punkten Fehler im Verfahren nach. Dies fange bereits bei der amtlichen Bekanntmachung des Vorhabens an. So habe es keinen Hinweis darauf gegeben, welche Unterlagen überhaupt öffentlich ausgelegt werden: „Genau darüber hätte aber informiert werden müssen“, so Wille. Er fordert daher eine neue öffentliche Auslegung.

Ebenso formal weist der Nabu darauf hin, dass der Reichswald im Gebietsentwicklungsplan als Schutzfläche für Grundwasser, Landschaft und landschaftsorientierte Erholung eingetragen ist. „Damit steht die Planung des Windparks im Widerspruch mit den Zielen der Regionalplanung“, soWille. Das Thema sei hoch umstritten und daher könne man auch nicht davon ausgehen, dass die Darstellung von Vorrangbereichen für Windkraft im Reichswald schon beschlossene Sache ist.

Ein Windpark sei auch nicht mit den Zielen des Landschaftsplanes vereinbar. Die landesweite Bedeutung des Reichswaldes für die Kulturlandschaft sei zudem im Landesentwicklungsplan festgestellt worden. Die Umweltverbände weisen darauf hin, dass es in unmittelbarer Nähe vier Schutzgebiete von europäischem Rang gibt: die FFH-Gebiete Reichswald, Sint Jansberg und De Bruuk sowie das europäische Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein.

Kritik an der Methodik

Das vorliegende Gutachten zum Natur- und Artenschutz berücksichtige nicht die neueste Literatur und auch die zugrunde gelegten Abstände und Radien entsprächen nicht der durch Gerichtsentscheidungen vorgesehenen Praxis. Demnach müssten größere Abstände für die Vogelwelt angesetzt werden.

Auch die Methodik zur Erfassung der Brut- und Rastvögel wird kritisiert: Die Erläuterungen des Gutachters seien nicht eindeutig und die Vorgehensweise der Kartierung erwecke den Eindruck einer „methodischen Mogelpackung“. Der Nabu muss davon ausgehen, dass nicht das gesamte Revier kartiert worden ist, sondern nur Teilflächen.

Bei der Darstellung der einzelnen Vogelarten weist der Nabu eklatante Mängel auf: So sei die Raumnutzungsanalyse für den Baumfalken nur von einer Person durchgeführt worden – vorgeschrieben sind aber mindestens zwei Personen. Zudem wurde im Juni derart spät kartiert, dass man die Balzperiode des Vogels verpasst habe. Für den selten gewordenen Baumpieper fehle eine artenschutzrechtliche Erfassung und Bewertung, obwohl man sieben Brutpaare festgestellt habe. Mängel sieht der Naturschutzbund auch bei der Bewertung u.a. von Gartenrotschwanz, Habicht, Kolkrabe, Sperber, Waldschnepfe und Rastvögel. Der Gutachter ignoriere das Tötungsrisiko der zahlreichen arktischen Wildgänse.

Schwerwiegend sei auch das Risiko einer Grundwassergefährdung: „Angesichts regelmäßiger Unfälle und Leckagen von Windenergieanlagen ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch im Reichswald z.B. Öl von den WEA freigesetzt wird und die Grundwasservorkommen gefährdet“, heißt es. Auch die Brandgefahr sei nicht zu unterschätzen: Beim vorgesehenen Anlagentyp Vestas sei es schon zu Bränden gekommen, die nicht gelöscht werden können. Im Wald würde ein Brand eine unkontrollierbare Gefahr darstellen.