Mutlose Politik

Kleve..  G

Am Ende wurde der Beschluss einstimmig gefasst. Alle Ratsvertreter in Kleve waren sich nach langen Diskussionen darin einig, dass der Schulstandort in Rindern ausgebaut und das Schulzentrum in Kellen saniert wird. Kein teurer Neubau an der Realschule, keine Mätzchen mehr. Im kommenden Jahr sollen die Bagger anrollen und endlich ein Schlussstrich unter die lange Schulstandortdiskussion gezogen werden. Aber ist das wirklich ein guter Beschluss, den der Klever Stadtrat vor Weihnachten getroffen hat? Nein, für Kleve ist er finanziell eine Katastrophe.

Reinen Wein einschenken

Denn die jetzt beschlossenen Schulsanierungen und Anbauten werden den städtischen Haushalt viel stärker belasten als eigentlich nötig. Ganze 10 Millionen Euro werfen unsere Stadtvertreter aus dem Fenster, nur weil sie nicht den Mut aufbringen den Eltern, Schülern und Lehrern des Konrad-Adenauer-Gymnasiums reinen Wein einzuschenken und sie nach Rindern umziehen zu lassen.

Der jetzige Beschluss kostet Kleve 26 Millionen Euro! Die Fredeschule soll zum Gesamtschulstandort werden und wird für die neue Fünfzügigkeit im Gebäudebestand fast verdoppelt. In Kellen soll das KAG bleiben und bekommt nun eine sanierte Picobello-Schule, die viel zu groß ist für die Gymnasiasten. Krampfhaft muss jetzt versucht werden, eine weitere städtische Einrichtung nach Kellen zu verlegen, um dort die Überkapazität überhaupt sinnvoll nutzen zu können. Es hört sich an wie ein Schildbürgerstreich.

Als Außenstehender kann man sich nur an den Kopf fassen. Warum zieht das KAG nicht nach Rindern? In ein Gebäude, das nur mit minimalem Aufwand hätte erweitert werden können – fast perfekt für das Gymnasium. Die Gesamtschule würde genauso perfekt ins Schulzentrum passen. Das alles für 16 Millionen Euro. Der ursprüngliche Vorschlag der Klever Stadtverwaltung wurde von der Politik in den Wind geschrieben – unglaublich! Denn als so genannte „Alternative A“ hatte die Verwaltung aus ihrer Sicht nicht nur den günstigsten, sondern auch die beste Alternative präsentiert.

Sicherlich gibt es während der Umbauzeiten Probleme. Aber mithilfe von Containern könnte man diese gut überbrücken. In gut zwei Jahren spricht dann niemand mehr über diese Probleme. Die zehn Millionen Euro Mehrkosten belasten den Haushalt allerdings für Jahrzehnte.

Hat denn Kleve ein so dickes Portemonnaie, dass man leichtfertig so viel Geld ausgeben kann, ohne dass es eine zwingende Notwendigkeit dafür gibt? Bei 10 Millionen Euro müssen die pädagogischen Argumente schon sehr gewichtig sein, wenn man ernsthaft das KAG in Kellen belassen möchte. Aus meiner Sicht gibt es diese pädagogischen Argumente auch gar nicht. Der Schulstandort Rindern ist gut, auch hier wird unterrichtet, in einem sehr guten Umfeld. Rindern ist nicht die Bronx, gegen einen Umzug des KAG gibt es überhaupt nichts einzuwenden. Die Politik hätte einfach nur den Mut aufbringen müssen, den quengeligen Kellenern die Leviten zu lesen. Bei 10 Millionen Euro muss der Stadtrat auf die Finanzen gucken und nicht ein Wunschkonzert dirigieren.

Also Herr Gebing (und hier stellvertretend für alle anderen Ratsherren):

Warum können wir uns es leisten, so viel Geld achtlos auszugeben?

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