Muss es denn wirklich der Reichswald sein?

Bürgermeister Steins moderierte den Abend.
Bürgermeister Steins moderierte den Abend.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In Kranenburg wurde am Montagabend kontrovers über die Errichtung von zwölf Windrädern diskutiert

Kranenburg..  Für Werner Kruck versündigt sich die Gemeinde Kranenburg am Reichswald: „Warum müssen wir ausgerechnet im größten, zusammenhängenden Staatswald von NRW einen Windpark errichten? Das ist und bleibt eine Verschandelung dieses einzigartigen Waldes.“ Werner Kruck hat 25 Jahre als Förster in Kranenburg gearbeitet und jetzt sieht er die Früchte seiner Arbeit bedroht: „Ich sehe die Gefahr, dass die jahrzehntelange Arbeit der Forstverwaltung vernichtet wird.“

Werner Kruck war am Montagabend nur ein Bürger, der sich über die Planung eines Windparkes am Kartenspielerweg echauffierte. Auch John Bloemarts aus Gennep kann es nicht fassen, dass man ernsthaft auf die Idee kommen kann, in dieser Landschaft zwölf 200 Meter hohe Windräder zu platzieren: „Wir haben hier ein einzigartiges Landschaftsbild, welches dadurch zerstört wird. Die Endmoräne von Nimwegen bis Goch prägt unsere Heimat. Es ist eindeutig, dass zwölf Windräder eine enorme Barriere für die Tier- und Pflanzenwelt darstellen.“ Die Gemeinde Kranenburg habe nicht begriffen, dass ein Eingriff in diese Landschaft, mit ihren zahlreichen geschützten Natura2000-Gebieten, keine Entscheidung von Kranenburg oder Gennep alleine sein kann, sondern eine europäische Dimension habe, so Bloemarts.

Kritik am Vorhaben

Kritik an dem Vorhaben gab es im Kranenburger Bürgerhaus reichlich. Das Unternehmen Abowind stellte unter der Leitung von Projektentwickler Georg von Aretin das Vorhaben noch einmal dar und präsentierte auch Visualisierungen, wie denn die Windräder in der Landschaft wirken werden. Über diese Bilder gab es jedoch starken Unmut. Viele Bürger empfanden diese als verharmlosend und sie fühlten sich vom Unternehmen Abowind in dieser Sache getäuscht. „Der Feuerturm in Reichswald ist 40 Meter hoch und diesen kann man weithin sehen. Die Windräder werden fünf Mal so hoch sein, dann haben Sie eine Vorstellung davon, was sie uns zumuten“, sagte ein erboster Kranenburger. Das Unternehmen Abowind teilte gestern der NRZ mit, dass man sich die Kritik zu Herzen nehmen werde: „Im Gespräch mit Anwohnern werden wir ein, zwei weitere Standpunkte bestimmen, von denen aus wir den Blick auf den Kartenspielerweg – hoffentlich bei Sonnenschein und blauem Himmel – aufnehmen“, so Sprecherin Jutta Koch.

Das Aufstellen der Anlagen benötigt viel Platz. Auf den gezeigten Entwürfen war zu erkennen, dass pro Windkraftanlage auf einer Länge von 190 Metern Bäume gefällt werden müssen. Bürgermeister Steins sprach von gut einem Hektar je Windrad. Man solle aber nicht vergessen, dass der Reichswald insgesamt 2700 Hektar umfasse. „Hier muss man auch mal die Relation sehen.“ Steins warb für das Projekt. Es sei ein wichtiger Beitrag für eine umweltschonende Energieerzeugung.

Ob dies ausgerechnet im Reichswald erfolgen müsse, bezweifeln viele. „Es gibt in Deutschland und auch im Kreis Kleve viele Standorte die geeigneter sind als der Reichswald“, sagte Werner Kruck.

Befürwortende Stimmen gab es am Montagabend nur von Ratsvertretern bzw. Politikern. Friedhelm Kahm (SPD) und Karl-Theo Lenz (FDP) meldeten sich zu Wort. Von vielen Bürger gab es da allerdings nur ein Kopfschütteln.