Museum Schloss Moyland zeigt Fotografie vor 1913

Geflügelverkäuferinnen auf dem Markt im serbischen Krusevac
Geflügelverkäuferinnen auf dem Markt im serbischen Krusevac
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Museum Schloss Moyland zeigt Farbfotografie vor 1914 – faszinierende Bilder von zeitloser Schönheit

Bedburg-Hau..  Fein herausgeputzt posiert das frisch verheiratete junge Paar im schwedischen Laksund, von harter Arbeit und Armut zeugt die Aufnahme einer Familie in einer Pariser Gasse, mit ernster Miene stellt sich der Scharfschütze aus dem Senegal der Kamera. Fast wie ein Gemälde wirkt das Foto vom Nilufer im ägyptischen Luxor. Von zeitloser Schönheit sind die Bilder des Taj Mahal oder des Eiffelturms. Es ist eine Reise um die ganze Welt, zu der die Ausstellung „Around the World. Farbfotografie vor 1914 – eine Entdeckungsreise“ im Museum Schloss Moyland ab Sonntag einlädt.

Rund 150 Fotografien, Guckkästen und Projektionsgeräte (aus der Sammlung Werner Nekes) lassen nicht nur die Geschichte der optischen Medien lebendig werden, vor allem dokumentieren die Bilder den Alltag der Menschen, Monumente, Landschaften von Albanien bis Vietnam, von Ägypten über die Mongolei bis hinauf nach Schottland. „Die Ausstellung“, so Dr. Bettina Paust, künstlerische Direktorin, „zeigt einen unglaublichen Bilderschatz von ethnologischer, geografischer und historischer Bedeutung.“ Die Präsentation, die in Moyland in überarbeiteter und erweiterter Form zu sehen ist, wurde im LVR-Landesmuseum Bonn konzipiert und sowohl dort als auch in Berlin mit großem Publikumsinteresse verfolgt.

Der Schau zugrunde liegen tausende Fotografien, die Fotografen und Kameraleute im Auftrag des reichen französischen Bankiers Albert Kahn (1860-1940) im Laufe von fast 20 Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 machten. Sie reisten durch Asien, Afrika und Amerika und dokumentierten ihre Erlebnisse auf mehr als 72 000 farbigen Bildern. „Albert Kahn wollte die Welt in Farbe einfangen“, beschreibt Thomas Schleper vom LVR-Museum die ambitionierten Absichten des Bankiers. Ausgehend von diesem Ziel habe er den kulturellen Reichtum der Welt auch deshalb zeigen wollen, um damit – kurz vor Beginn des Großen Krieges – den Frieden zu sichern. Beseelt von der romantischen Idee, dass es keine Kriege mehr gebe, wenn durch die Kenntnis fremder Kulturen das gegenseitige Verständnis füreinander verbessert sei, erklärt Schleper.

Parallel zu den Bemühungen des Franzosen entsandte der russische Zar Nikolaus II. den Fotografen Sergei Prokudin-Gorskii. Er sollte das Leben in seinem Reich dokumentieren. Museum Schloss Moyland zeigt auch von diesen, insgesamt 10 000 Fotografien eine Auswahl. Sie komplettieren die Kahn’sche Sammlung zu einem weltumspannenden Bilder-Kosmos.

Neben dem Rundgang vorbei an den rund 150 als Laserprints gedruckten Originalen der autochromen Farbfotografie bzw. der im Dreifarbverfahren entstandenen Bilder des russischen Fotografen lädt die Moyländer Ausstellung noch zu einem Exkurs in die Geschichte der technischen Entwicklung der Fotografie ein. Zu bestaunen sind unter anderem eine Laterna magica, Guckkästen oder mehrdimensional angelegte Kulissenbilder des sogenannten Perspektivtheaters. Sie gehören einer Zeit an, in der es nicht reichte, den Auslöser der Digitalkamera oder des Smartphones zu drücken. In der allerdings eine Bild- und Farbqualität erreicht wurde, die noch heute staunen lässt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.