Mit offenen Karten

E
s ist gut, dass die Stadt Kleve jetzt ihre Standards für die Unterbringung der Flüchtlinge offen darlegt. Die Politik kann nun darüber diskutieren, ob sechs Quadratmeter Wohnraum je Flüchtling an der Stadionstraße nicht doch zu wenig sind. Und was es kosten würde, die Wohnsituation zu verbessern.

Die Formulierung von Standards signalisiert auch den Asylbewerbern, womit sie rechnen dürfen und wo auch Eigeninitiative von ihnen verlangt wird. Die Stadt muss sich in der Tat nicht für alles zuständig fühlen. Wenn Asylbewerber ihr Heim selbst streichen und in Ordnung halten, dann stärkt dies den Gemeinschaftssinn in der Einrichtung und die Wertschätzung für die geleistete Arbeit.

Blickt man auf die Betreuungsstunden von Caritas und Hausmeisterdienst, bleibt allerdings kein anderer Schluss zu, dass diese nach wie vor viel zu wenig sind. Die Caritas kümmert sich jetzt 250 Stunden um die soziale Betreuung – im Jahr. Das sind gut fünf Wochenstunden für 312 dezentral untergebrachte Asylbewerber. Welche soziale Betreuung darf man da erwarten? Den Hausmeisterdienst als „sozialpädagogische Betreuung“ zu deklarieren, ist wohl nicht das, was man sich darunter vorstellt. Auch in diesem Punkt müsste die Politik noch einmal über die Standards öffentlich diskutieren.