Mit Leidenschaft für die Kultur

Die Stringtime hat Helmut Lintzen immer sehr am Herzen gelegen.
Die Stringtime hat Helmut Lintzen immer sehr am Herzen gelegen.
Foto: NRZ
Zum Tod von Helmut Lintzen, langjähriger Leiter der Kultourbühne Goch und Erfinder der Stringtime Niederrhein, der nach langer Krankheit gestorben ist

Goch..  Den Menschen in seiner Stadt die Kultur näher zu bringen, war für ihn eine Aufgabe, in der er aufging. Konzerte oder Theater, Kabarettabende oder Vorträge zu organisieren war sein großes Talent. Mit Leidenschaft kümmerte er sich nicht nur um die Vorbereitungen solcher Veranstaltungen, er lebte sie auch. So erinnert sich Museumsleiter Dr. Stephan Mann gern daran, dass Helmut Lintzen während der Gocher Streicherakademie Stringtime im Kastell sein Büro kurzerhand dorthin verlegte. „Er war dort, wo die jungen Musiker waren“, erzählt Mann – und meldete sich allenfalls kurz ab, um in der Stadtverwaltung „etwas zu erledigen“. Helmut Lintzen ist am Montag nach langer schwerer Krankheit im Alter von nur 61 Jahren gestorben.

Stephan Mann hat gern mit ihm gearbeitet. „Es war ein großer Vorteil, dass Helmut Lintzen Verwaltung gelernt hatte.“ Er habe immer gewusst, welchen Antrag man für welches Vorhaben stellen musste. „Er war total vernetzt in dieser Stadt, das war seine große Qualität.“ Helmut Lintzen habe für Goch etwas bewegen wollen, sagt Mann. Nach Stationen in der Gocher Hauptverwaltung und dem Schulverwaltungsamt wechselte er 1981 an die Kultourbühne, deren Leiter er im Jahr 2000 wurde. „Das war genau das richtige für ihn“, weiß der Museumsleiter, „dort hat er den für solche Projekte nötigen Freiraum gehabt.“

„Er hat gemerkt, dass Kultur im Verwaltungsbetrieb nicht funktioniert.“ In der Kultourbühne sei er aufgeblüht. Es sei ihm eine Lust gewesen, Veranstaltungen nach Goch zu holen, „das konnte man spüren“. Ganz besonders traf das wohl auf die Stringtime zu, deren Initiator Helmut Lintzen war. „Das war sein Kind“, formuliert es Mann. Von der ostpolnischen Stadt Lancut erhielt er dafür das Große Ehrenzeichen „Auszeichnung für Verdienste um die polnische Kultur“. Lintzen rief aber auch die Inszenierung des Musicals Ritter Rost ins Leben und betreute es jahrelang, organisierte ein Lichterfest im Museumsgarten, war Schriftführer im Heimatverein Goch.

Mittendrin zu sein war ihm das liebste. Nie sei er sich zu schade gewesen, auch selbst mit Hand anzulegen oder selbst mitzumachen, wie bei den Ausflügen der Quad-Radtour.

„Mit ihm“, erinnert sich der Gocher Maler Martin Lersch, „hat die Kultur etwas Familienfreundliches gehabt.“ Als Mensch, sind sich Mann und Lersch einig, sei Lintzen bescheiden gewesen, anständig, ein Familienmensch.

Seine Erkrankung hat eine große Lücke im kulturellen Leben der Stadt hinterlassen. „Wir konnten nicht nahtlos weitermachen“, sagt Mann. Dafür seien zu viele Fäden bei Helmut Lintzen zusammengelaufen. „Es war schwer, all seine Kontakte, persönlichen Beziehungen, sein ganzes Netzwerk weiter zu spinnen.“ Helmut Lintzen wird heute um 10 Uhr in Kessel beerdigt.