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Kultur

Mit kriminalistischem Gespür

26.08.2009 | 17:54 Uhr

Kalkar. Maren Romen restauriert Gemälde und Skulpturen. Sie hat schon so manchem van Gogh zu neuem Glanz verholfen.

Stumm blickt das Kind den Betrachter an, stützt den Arm an die Birke neben ihm. Über der so stillen Szene liegt ein grünlicher Schleier, der den Glanz des Bildes trübt. Das „Kind am Birkenstamm” ist das aktuelle Werkstück von Maren Romen. Die 40-Jährige ist diplomierte Restauratorin und derzeit mit der Bearbeitung eines Gemäldes von Paula Modersohn-Becker beschäftigt.

50 Stunden benötigt Romen, um den Firnis (Schutzanstrich) aus Naturharz so zu entfernen, dass das 1904 entstandene Gemälde wieder in seinem alten Glanz erstrahlen kann. Das Werk der Malerin gehört in den Fundus des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums und soll nach seiner Fertigstellung auf Tournee gehen.

Es ist viel Geduld nötig, um eine solche Arbeit auszuführen. Zentimeter für Zentimeter betrachtet Maren Romen das Bild durch eine Lupe und analysiert die aufgetragenen Farbschichten. In 200-facher Vergrößerung und mit fast kriminalistischem Gespür ermittelt sie mit Hilfe eines digitalen Mikroskops die Schäden. „Das Bild war vergilbt”, stellte die Restauratorin fest. Und löste die oberste Schicht, eben jenen Firnis aus Naturharz, Stück für Stück vorsichtig ab. Schmale Pinzetten, Pinsel in allen, überwiegend sehr kleinen Größen, feine Wattestäbchen und natürlich ein Mikroskopierbesteck sind neben diversen Lösungsmitteln ihr Werkzeug.

Von Arnheim in die Welt

„Die Arbeit am Werk von Paula Modersohn-Becker ist eine konservatorische”, erklärt Maren Romen. „Ich erhalte das Bild.” Es gibt jedoch durchaus auch Kunstwerke, in die Romen deutlich stärker eingreifen muss. In ihrer Werkstatt hängt beispielsweise ein barockes Gemälde aus Privatbesitz – Josef und Maria mit dem Jesuskind – das im Laufe vieler Jahrzehnte durch Lichteinfluss stark nachgedunkelt ist. Hier legt Maren Romen nach und nach etwa die Konturen von Ochs und Esel frei, macht den im Hintergrund sitzenden Josef wieder besser sichtbar.

Lebenslauf
Studium in Köln

Maren Romen hat im Rahmen ihrer Ausbildung zunächst drei Jahre lang als Volontärin im Denkmalpflegeamt des Landschaftsverbandes Rheinland in der Abtei Brauweiler gearbeitet. Es schlossen sich sechs Jahre Studium zur Diplom-Restauratorin an der Fachhochschule Köln an. Schwerpunkte ihrer beruflichen Tätigkeit sind Gemälde und Skulpturen.

Deutlich extremer ist ihr Eingriff bei einem beschädigten Werk. So restaurierte sie etwa das Objekt „Phosphor-Schlitten” von Joseph Beuys – im Auftrag des Freundeskreises Museum Kurhaus und B.C. Koekkoek-Haus. Oder ein Kunstwerk aus acht Schaufensterpuppen des Künstlers Ben d'Armagnac im Besitz des Stedelijk Museum Amsterdam. Bei beiden Arbeiten musste Romen behutsam hinzufügen, um die Werke wieder herzustellen oder gar zu retten. Doch es gibt auch Grenzen für die Restauratorin: den Brandschaden an einem Werk aus Rees etwa kann sie wohl nur ansatzweise beheben.

Die in Kalkar lebende Restauratorin arbeitet unter anderem für das Arnheimer Kröller-Müller-Museum mit seiner großen van Gogh-Sammlung. „Ich habe schon einige seiner Werke restauriert”, erzählt die dreifache Mutter.

Vor allem aber begleitet sie die Arbeiten als Kurier zu Ausstellungen. „Ich betreue die Werke von Nagel zu Nagel”, sagt sie. Von Arnheim in die Welt. Nachgefragt ist der niederländische Maler in den vergangenen Jahren ganz besonders in Japan.

Maren Romen hat im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit schon so manchen renommierten Maler restauriert. „Ich unterscheide aber nicht zwischen bekannten Künstlern und den Gemälden in Privatbesitz, die ideellen Wert besitzen”, betont die gebürtige Eltenerin. Der oft so liebevolle Umgang der Besitzer mit 'ihrem' Werk sei für sie immer ein schönes Erlebnis, meint Romen.

Claudia Gronewald

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