Jugendfestival
Mit den Jahren gewachsen
06.09.2010 | 00:05 Uhr 2010-09-06T00:05:00+0200Kreis Kleve. Das Courage-Festival feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Eine große Party mit musikalischen Topacts für Fans, die immer jünger werden.
Wenn die sieben Boys von Culcha Candela am Samstag, 18. September, die Bühne im Park von Schloss Moyland betreten, werden 10 000 Fans außer Rand und Band sein. Sie sind Topact beim Courage-Festival und werden die Kids zum Kreischen bringen. Die Band gilt als das Multi-Kulti-Kollektiv schlechthin und ist darum beim Courage-Festival goldrichtig. Denn das wurde vor exakt zehn Jahren als Festival für Toleranz und gegen Gewalt gegründet.
In den Kinderschuhen ist es aber nicht stecken geblieben. Was sich geändert hat, weiß einer ganz genau: Eduard Großkämper, Sprecher des Kreises Kleve und Organisator des Courage-Festivals
Kurzer Rückblick: 2001 war das Geburtsjahr. Das Land NRW hatte seinerzeit einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Kreise und Kommunen mit Aktionen zum Thema „Für Tolerenz - gegen Gewalt“ beteiligen konnten. „Damals hat der Kreis entschieden, wir machen mit“, erklärt Großkämper. Gesagt, getan. Alle Jugendfreizeiteinrichtungen wurden angeschrieben und zum Mitmachen aufgefordert. Geboten wurde einiges: Diskussions- und Informationsforen sowie ein Rockfestival mit regionalen Bands. 3000 überwiegend jugendliche Musikfans kamen damals ins Hülspark-Stadion Kevelaer.
Der Kreis ging dann der Frage auf den Grund, warum die Resonanz nicht größer war. „Viele hatten den Eindruck, dass das als lokale Kevelaerer Veranstaltung gesehen wurde“, so Eduard Großkämper. Also wurde nach einer Alternative gesucht - und mit Schloss Moyland gefunden. Zeitgleich mit den Kreis Klever Kultourtagen lief dort 2002 im Schlosspark das erste Courage-Festival. Ergebnis: 7500 jugendliche Musikfans im Alter von 10 bis 18 Jahren feierten friedlich eine Mega-Musikparty mit Top-Stars.
Der Beginn einer Erfolgsstory, die seitdem ungebrochen anhält. Ein entscheidender Faktor: Der moderate Eintrittspreis von derzeit 10 Euro und der kostenlose kreisweite Eventshuttle. Als „Gegenleistung“ gibt’s Highlights und Mega-Hits von Culcha Candela, Annemie, Dominik Büchele, Part Six, Mehrzad Marashi, Crayfish, Rock it, Varsity Fanclub, Mykel Johnson sowie Ethan & Ali. Und das sieben Stunden nonstop - von 17 bis 24 Uhr. Und genau das macht den Erfolg aus: „Für Eltern und Jugendliche in diesem Alter wäre der Besuch einer solchen Veranstaltung weit außerhalb des Kreises gar nicht oder nur mit erheblichem finanziellen Aufwand möglich“, weiß Großkämper.
Wobei die Fans von Jahr zu Jahr jünger werden. Ein Phänomen. Denn die meisten jenseits der 14 winken bei Courage gelangweilt ab - zu uncool. Das kann Eduard Großkämper bestätigen - persönlich sogar: Sein neunjähriger Enkel Colin wird in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei sein. In Begleitung seiner Mutter - versteht sich.
„Das Alter hängt von der Musik ab“
Das Phänomen kann Großkämper nur damit erklären: „Das Alter hängt von der Musik ab.“ Und vermutlich damit zusammen, dass überwiegend Sieger der DSDS-Staffel (Deutschland sucht den Superstar) auftreten. Die sprechen eben exakt diese Altersgruppe an. Wobei Großkämper in diesem Jahr davon ausgeht, dass Culcha Candela etliche zwischen 14 und 20 interessieren wird.
Alles was älter ist, kann sich in einem anderen Bereich des Schlossparks tummeln: Im Elternhort. Der ist ziemlich einzigartig. Und wird vielleicht darum von den Oldies gerne genutzt. Sie können bei einer Coverband, einem Gläschen Bier oder Wein entspannt auf ihre Kids warten. Für Kids ist der Festival-Bereich alkoholfrei.
Ebenso erfolgreich läuft übrigens ein „Nebenprodukt“: Die vor sieben Jahren eingerichtete Homepage „Jugendforum Courage“. Mit rund zwei Millionen Klicks pro Jahr ist sie ein absoluter Renner: „Sie hat sich zum Jugendportal des Kreises Kleve entwickelt“, freut sich Großkämper. Und sie bietet eine Art „Sorgenklick“.
Wer Probleme mit Freunden oder zuhause hat, Fragen zu Sucht- oder Gewaltthemen, zum Umgang mit Sekten oder zum Jugendschutz kann sich anonym melden. „Erst wenn die Jugendlichen möchten, dass sich jemand mit ihnen in Verbindung setzt, erfolgt eine Rückmeldung“, betont Großkämper.
10 000 überwiegend jugendliche Fans - wie ist es da um die Sicherheit bestellt? Eine Frage, die nach den tragischen Ereignissen bei der Love-Parade in Duisburg unweigerliche gestellt werden muss: Von der Größenordnung, der Zahl der Besucher und vom Veranstaltungsort her sei Courage mit der Love-Parade nicht zu vergleichen, betont Eduard Großkämper, Sprecher des Kreises Kleve. 15 000 Besucher wären rein theoretisch auf dem Gelände zugelassen: „Wir verkaufen nicht mehr als 10 000 Karten“, so Großkämper.
50 Ordner sichern das Festival
In diesem Jahr hätten sich alle an der Sicherheit beteiligten Organisationen im Vorfeld noch einmal getroffen und alle sicherheitsrelevanten Aspekte abgeklopft: „Und da, wo es notwendig war, nachgebessert“. Vor der Bühne gibt es wie in jedem Jahr einen eigens für die jüngsten Fans abgesperrten Sicherheitsbereich.
Rund 50 fachlich ausgebildete Sicherheitskräfte bilden den Ordnungsdienst, rund 60 DRK und MHD-Kräfte sowie eine Ärztin stellen den medizinischen Dienst sicher. Neben vorsorglich bereit stehenden Krankentransportwagen sind für alle Fälle zwei medizinische Versorgungszelte für eine evtl. Behandlung von verletzten Personen eingerichtet. Hinzu kommen etwa 30 weitere Mitarbeiter der Polizei, des Kommissariats Vorbeugung, der Gemeinde Bedburg-Hau, des Kreisjugendamtes und des Veranstalters Kreis Kleve. Zum vorbeugenden Brandschutz stehen etwa 30 Feuerwehrleute mit zwei Löschfahrzeugen bereit. Die Gemeinde Bedburg-Hau und die Jugendfeuerwehr regeln zudem in Abstimmung mit der Polizei den Parkplatzbereich.
Ein Treffpunkt (Meeting-Point), eine Versorgungsstation für elternsuchende Kids und ein alkoholfreies Veranstaltungsgelände mit entsprechenden Kontrollen tragen ebenfalls zur Sicherheit bei.
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