Millionen für die Kinder

Das Jugendzentrum Astra
Das Jugendzentrum Astra
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Verwaltung berechnete die Kosten für Aus- und Umbauten in heutigen und künftig möglichen Kindertagesstätten. Jugendhilfeausschuss berät nächste Woche

Goch..  Einen dicken Batzen Kredite wird Goch aufnehmen müssen, wenn es weitere Kindergartenplätze nachrüsten will. Jetzt sind die Kosten berechnet: Manche Vorschläge gelten „entweder-oder“. Gestern gab es die neuesten Zahlen über Kita-Plätze und Ausbaukosten schriftlich für die Mitglieder im Jugendhilfeausschuss. Sie werden sich nächsten Donnerstag darüber auseinander setzen.

Bereits vorige Woche saßen Vertreter der Fraktionen mit Trägern der Kinder-Einrichtungen zusammen, um ohne politischen Zank den aktuellen konkreten Stand zu erfragen. Ziel ist, allen Eltern, die es wollen, einen Kitaplatz anzubieten. Rausgerechnet jene, die sich vorsorglich früh einen Platz sichern, ohne ihn schon in Anspruch zu nehmen.

„100 Plätze fehlen“ für Drei- bis Sechsjährige mit gesetzlichem Anrecht auf einen Platz, so hieß es pauschal anhand der Anmeldeliste 2015. Laut Verwaltungsunterlagen von gestern liegen tatsächlich 234 Plätze Differenz zwischen Anmeldung und Angebot: angemeldet 910 Kids über drei Jahre (da fehlen 140 Plätze), 240 unter drei Jahren, insgesamt 1150 kleine Gocher.

Tagesmütter

Aber die Stadt hat außerdem für 157 Plätze bei Tagesmüttern/-vätern Landezuschüsse beantragt. Das reduziert die fehlenden Ü-3-Plätze auf 77. Das Land zahlt dem Jugendamt für jedes Kind bis zum Schuleintritt in der Tagespflege jährlich 758 Euro, für behinderte Kinder 2653 Euro.

Wenn das Jugendzentrum Astra zu einer Vier-Gruppen-Kita umgebaut wird (wie berichtet), kostet das inklusive Architekt und Fachplaner am Haus 440 000 Euro, Außenanlagen 120 000 Euro, Einrichtung 118 000 Euro.

Der Mangel an Kita-Plätzen gibt auch der Martin-Franz-Stiftung am Gärtnerweg neue Hoffnung. Wie berichtet, hatte sie bereits im vorigen Jahr die Finanzierung eines neuen Anbaus beantragt für 180 000 Euro, um die laufende vierte Gruppe nach neuen gesetzliche Bestimmungen weiter zu betreuen. Damals hatten die Politiker abgelehnt, weil die Verwaltung behauptet hatte, die Zahl bestehender Kitaplätze in Goch reiche aus. Jetzt sieht man das anders. Das Land signalisierte, in einer Umbauphase die Ausnahmegenehmigung für die alten Räume noch mal zu verlängern.

Die Katholische inklusive Kita St. Martinus Pfalzdorf bietet für die Unterversorgung von 25 Pfalzdorfer Kindergartenkindern „eine dorfinterne Lösung“ an. Drei Räume anbauen für 200 000 Euro, davon zahle der Kindergarten selbst die Hälfte, das Bistum Münster 50 000 Euro, somit müsste die Stadt Goch 50 000 € Investitionskostenzuschuss übernehmen. Falls der Bedarf an Kita-Plätzen sinke, würde der Platz für Ruhe- und Wickelräume gebraucht. Außerdem kann in Pfalzdorf an der Hevelingstraße 116 im Pfarrheim zwei Jahre lang eine Kita-Gruppe unterkommen – für 10 000 Euro „plus x“ machbar.

Alternativ wäre denkbar, einen alten Antrag, den der Kindergarten St. Martinus im Jahr 2010 stellte und zurück zog, wieder zu beleben: 385 000 Euro würden Umbauten für 18 Unter-Dreijährige kosten – Stadt-Anteil 36 000 Euro. Allerdings fielen wegen der personalintensiveren Betreuung für die Kleinsten dann 15 Kita-Plätze für die Bis-Sechsjährigen weg.

Anfang Februar hat die evangelische Kirchengemeinde angeboten, die Trägerschaft für eine Sondergruppe zu übernehmen, wenn die Stadt Räume bereit stellt. Die könnten in der Arnold-Janssen-Grundschule liegen, überlegt die Verwaltung. Drei Gruppen Kindergarten könnten entstehen (heute Schul-Differenzierungsräume und Volkshochschulkurse). Das Landesjugendamt stellte bereits eine Betriebserlaubnis für drei Kita-Regelgruppen (= 75 Kinder) in Aussicht. Ein solcher Umbau würde die Stadt 520 000 Euro kosten, plus 140 000 € Außenbereich und 95 000 € Einrichtung.

Das gleiche Haus könnte alternativ auch dem Bistum Münster als „Ausweich-Immobilie“ angeboten werden. Denn der Elternrat der Kita „Haus der Kinder Liebfrauen“ schrieb dem Bürgermeister, dass Eltern und Bistum seit langem für eine Sanierung an der Kalkarer Straße 34 kämpfen. „Leider verstreicht Jahr um Jahr“. Mittlerweile seien nicht mehr alle Räume nutzbar: fehlender Brandschutz, undichtes, morsches Dach, Schimmelbefall, Toiletten laufen aus, Türen undicht, Heizung nicht zu regulieren, Außengelände desolat.

Über ein kaputtes Dach klagt auch die Kita Arnold-Janssen, Boxteler Bahn, betrieben von der Martin-Franz-Stiftung. Hier wären 35 000 Euro städtischer Anteil nötig. Die Unfallkasse NRW urteilt: Die Wasserschäden hätten „enorme Ausmaße“ angenommen.

Beim Familienzentrum Evangelische Integrative Tagesstätte Niers-straße 1 – fünf Gruppen – will die Verwaltung weiterhin nur den Trägeranteil für zwei Gruppen mit behinderten Kindern tragen.

Außerdem bietet ein Privatmann eine Immobilie am Sandthof als vierzügige Kita zur Miete an.